Lost In Music

Schlaglicht (Foto/Montage Arnold Illhardt)
Schlaglicht (Foto Arnold Illhardt)

SCHLAGLICHT: GELESEN

GILES SMITH:

LOST IN MUSIC

HEYNE-VERLAG, 2002

Einen ersten Grundstock für mein inzwischen recht umfangreiches Musikarchiv bildete Anfang der 70er Jahre die Musik der Glam-Rockband T-Rex. Zwar lässt sich über die Musik von Mark Bolan und seinen Mitmusikern trefflich streiten, aber nicht über das Lebensgefühl, das bei mir über diese und ähnliche Musik transportiert wurde und noch heute (auch wenn ich T-Rex selten höre) Erinnerungen an eine Zeit des Aufbruchs, des Anderseins und der Ununterworfenheit wachruft. In dem Buch „Lost In Music“ geht es um dieses Lebensgefühl und auch um T.Rex. Wer könnte es besser in Worte fassen als jemand, der als Musiker nicht nur das Musikgeschäft in- und auswendig kennt, sondern auch in tiefer Liebe mit der Musik verbunden, ja vielleicht sogar „verheiratet“ (Klappentext) ist. Neben seinem musikalischen Mitwirken bei der mir durchaus bekannten, aber nicht sonderlich erfolgreichen Band „Cleaners from Venus“, machte sich Smith einen Namen als Autor und Journalist u.a. für die Times. Vor allem aber ist Smith eines: Absoluter Musikfan. Und genau das muss man sein, um mit Hochspannung in das im Heyne-Verlag erschienene Buch einzutauchen. „Lost In Music“ ist wohl nichts für Menschen, die Musik als Alltagsuntermalung begreifen. Es ist die sehr unterhaltsame, selbstironische und vor allem humorvoll geschriebene „autobiografische Geschichte von Giles Smith, der sein halbes Leben den Traum lebte, ein Popstar zu werden.“ Die britische Radio-Legende John Peel drückte es in einer Rezension des Buches besonders zutreffend aus: „ Ich habe wenige Bücher gelesen, die mir so viel Spaß bereitet haben und die mir gleichzeitig die Wurzeln meines eigenen Enthusiasmus für Musik so schonungslos vor Augen geführt haben.“ Beim Lesen changiert das Autobiographische alsbald zur eigenen Musiklebensgeschichte, nur dass es sich in meinem Fall um andere Musiker handelt, die ich verehrte, zum Teil immer noch verehre. Aber man muss kein Fan von XTC, The Cocteau Twins, Randy Crawford oder Quincy Jones sein, um Spaß an der Lektüre zu haben, wobei „Spaß“ in meinem Fall zu kurz gegriffen ist: Es war viel mehr eine Faszination.

Plattenspieler (Foto Pixabay)
Plattenspieler (Foto Pixabay)

Ein Psychologieprofessor sagte mir mal, dass man am besten Psychologie in Romanen zeitgenössischer Autoren studieren könnte. Ich denke, das gilt im Fall von „Lost In Music“ auch für gesellschaftliche oder geschichtliche Strukturen. Denn Musikvorlieben, die Art und Weise, wie man Musik hört, und vor allem wie man mit ihr verbunden ist, sagt viel über die Befindlichkeiten und Träume der jeweiligen Menschen, aber auch ihre Soziologie aus.

„Lost In Music“ erschien 1995 (2002 ins Deutsche übersetzt) und dort endet auch Smith Pop-Odyssee. Schade! Ich hätte mich gerne weitertreiben lassen von einer der schönsten Lebenstätigkeiten: Dem In-die-Musik-hören.