Ohne Hoffnung?
Das Blut und Elend anderer Menschen auf unserer Haut

Auch wenn diese Tatsache mittlerweile zu den „ollen Kamellen“ gehört, wir das eh alle schon wissen und bei diesem Thema müde gähnen… es kann nicht genug darüber berichtet werden.

 

Alle tun es. Alle großen Bekleidungskonzerne lassen in der sog. Dritten Welt produzieren. Weil die menschliche Arbeitskraft dort billig zu haben ist und es zudem kaum Umweltschutzvorschriften gibt. Wir, die Bevölkerung, will das so mehrheitlich nicht und dennoch schleicht sich manchmal beim Nachdenken die Frage ein, was denn die Menschen in Bangladesh, in Pakistan, in Indien, in Vietnam… ohne die paar Cent machen würden, die sich sie durch unseren Kauf (v)er-dienen (oder sollte man besser sagen „sich (v)er-sklaven“?). Denn dann bleibt ihnen wahrscheinlich nur noch das NICHTS, das nackte Elend, der Hunger oder gar der Tod. Tun wir also, indem wir auf die menschenverachtende Weise produzierte Kleidung kaufen und tragen, gar noch ein gutes Werk?

Nein, natürlich nicht. Aber die skrupellose Verbrecherclique der Konzerne lässt uns mit ihrer Gier nach Profit und Wachstum keine Wahl – weder IHNEN noch UNS. Kaufen WIR, die Reichen, produzieren wir Elend. Kaufen wir nicht, produzieren wir wahrscheinlich ein noch größeres Elend. Und SIE, die Armen, die Kinder, die für ein paar Cent ihre Arbeit mit ihrem Blut, mit ihrer Gesundheit, mit ihrer Kindheit bezahlen, haben die „Wahl“ zwischen Sklaverei und Elend und einem noch größeren Elend, Hunger oder gar dem Tod.

 

No excuse (Foto: M Muer)

No excuse (Foto: M Muer)

Der euro-amerikanische Kapitalismus funktioniert immer nach demselben Grundmuster: er kolonisiert die Länder, zerstört ihre kulturellen, spirituellen, sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen, raubt den Menschen ihre Sprache und damit einen wesentlichen Teil ihrer Identität, er stülpt ihnen durch die Missionare, die sich immer im Gefolge des Kolonialismus/Imperialismus befanden/befinden, eine fremde, autoritäre Religion über und er versklavt die Menschen, beutet sie und das Land im Namen von Profit und Wachstum gnadenlos aus. Denn für ein paar Cent pro Tag zu arbeiten, ist nichts anderes als Sklaverei. Das Ergebnis sind kulturell, spirituell, sozial und wirtschaftlich zerstörte Länder mit Menschen, die ihre „Wurzeln“ verloren haben und die dadurch sprach-, hilf- und wehrlos geworden sind: freigegeben zum Abschuss und /oder zur Ausbeutung im Namen von Profit und Wachstum. Die versklavten Arbeitenden, klein und groß, sind froh über jeden Cent, den sie bekommen, denn ansonsten droht ihnen der Hungertod.

 

Kauf dich glücklich (Kaufhaus Köln Foto: M Muer)

Kauf dich glücklich (Kaufhaus Köln Foto: M Muer)

Dabei können wir sicher sein, dass die Konzerne die Menschen auch ohne einen einzigen Cent für sich arbeiten lassen würden –  müssten sie nicht mit Protesten rechnen, die sich aber, als seien die jetzigen  Bedingungen nicht auch schon die heftigsten Proteste wert, wahrscheinlich auch dann in Grenzen halten würden. Und damit, in die negativen Schlagzeilen zu geraten.  Und so findet man auf  Homepage eines jeden dieser Konzerne Berichte darüber, wie beispiellos sich doch gerade dieser Konzern um die Menschenrechte und den Umweltschutz bemühe. Begriffe wie Gemeinwohl und Nachhaltigkeit werden so zu leeren Worthülsen. Denn es ist, wie es ist: Wenn es um Wachstum und Profit geht, ist das kriminelle Potential in den Chefetagen und auch darunter unerschöpflich und zudem äußerst kreativ…
Warum eigentlich können diese Menschen, all die Vorstände, die CEOs, die Politiker, die mit ihnen zusammenarbeiten und die ihnen die politischen und juristischen Wege für ihre Untaten öffnen, nicht vor dem  Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte in Den Haag angeklagt werden? Denn sie sind es, die die Verantwortung tragen!

 

Kraftwerk, Rheinischer Braunkohletageabbau (Foto: M Muer)

Kraftwerk, Rheinischer Braunkohletageabbau (Foto: M Muer)

Aber davon kann man nur träumen. Wer stattdessen verfolgt und bestraft wird, sind die, die sich gegen dieses System auflehnen, die, die das Unrecht anprangern und durch kleine, aber feine Aktionen versuchen, Sand ins Getriebe dieser unheilvollen Maschinerie zu streuen (vgl. die zahlreichen Strafanzeigen gegen Demonstranten, die es gewagt haben, im „Rheinischen Braunkohlerevier“ die Bagger stillzulegen. Oder das Protestcamp im Hambacher Forst, das sich immer wieder polizeilichen Verfolgungen ausgesetzt sieht).
Dass das Recht immer auf Seiten derjenigen steht, die die Macht und das Geld haben, ist klar, denn sie sind es, die die Gesetze schaffen. Tja, und wen wundert da noch, dass die größten Ausbeuter, die Menschenschlächter, die Umweltschweine in den Chefetagen, die allem Leben auf der Welt gnadenlos den Lebensraum nehmen, die, die Luft verschmutzen, den Boden und die Gewässer zerstören, in der Öffentlichkeit gefeiert und hofiert werden wie Helden? Dass sie in Saus und Braus leben und nicht dort, wo sie hingehören: hinter Schloss und Riegel (oder wahlweise in eine therapeutische Selbsthilfegruppe).

 

Programmtipp: Dienstag 29.9.2015 22:15 ZDF „Die Gesichter der Armut“

Trailer: http://www.zdf.de/37-grad/37-grad-5988498.html

Margareta Muer

Margareta Muer