Der gemeine Gutmensch
Gut und Schlecht im Wandel der Zeiten

Gutmensch 1 (Foto A. Illhardt)

Gutmensch 1 (Foto A. Illhardt)

Forscht man in rechten Internetsümpfen wie PI-News oder DWD Press, so hat dort der Gutmensch den gleichen Status wie Gott bei den Atheisten: Eigentlich lehnt man ihn ab und hält ihn für überflüssig, quatscht aber unentwegt darüber. Damit befinden sich die politisch aktiven Antigutmensch in guter Gesellschaft mit den 0815-Politniks, die auch nur über den politischen Gegner herziehen oder hetzen, selbst aber ideen- und alternativlos dastehen, wie ein Großflusspferd in der Wüste Gobi. Hier mal eine Charakterisierung eines Gutmenschen aus der Sicht des rechten Kritikers in Form einer Zusammenfassung:

Gutmenschen sind demnach bodenlos naiv, dumm, blöd (daher auch Blödmensch), Schönredner, Nichtwahrhabenwollende, tolerant bis zur Selbstaufgabe, Wegschauer, auf widerliche Art selbstgerecht, feige Schwimmer im Mainstream und was vor allem ärgerlich ist – erfolgreich. Zudem selektiert der Gutmensch seinen Blickwinkel von der Welt („Friede-Freude-Eierkuchen“), findet Multikulti gut und lebt natürlich auf Kosten der Normalen, also der Gutmenschgegner. Natürlich sind alle Gutmenschen Schmarotzer, die nur existieren können, weil die Dinge einzig und allein von den Realisten und Normalen, also denjenigen die in diesem unserem Staate noch die Ärmel hochkrempeln, am Laufen gehalten werden. Und weil Deutschland zu allem Überfluss ein Sozialstaat ist, können diese Gutmenschen so gut überleben, weil die „Sozialindustrie“ (alle Achtung, tolles Wort) ständig neue Stellen schafft, die mit diesen („verdammten“, „Scheiß-„, „bekackten“ oder „beschissenen“) Gutmenschen besetzt werden. Zusammengefasst in Originalversion (inklusive Fehler) von DWI Press: „99 Prozent dieser Gutmenschen sind so verblödet dass sie ohne die Hilfe von Wikipedia nicht einmal Nazi definieren könnten. Außerdem ist diesen Menschen der Begriff Patriotismus nicht bekann. Mit anderen Worten, die dümmsten schreien am lautesten um ihre Dummheit zu verschleiern.“

verhinderter Gutmensch (Foto A. Illhardt)

verhinderter Gutmensch (Foto A. Illhardt)

Was die Gutmenschkritiker ärgert ist, dass es keine Konzepte gibt, wie man Gutmenschen beikommen, oder gar beseitigen könnte. Liegt dies nun doch an der Cleverness oder Intelligenz der Gutmenschen, oder an der Einfallslosigkeit, Dumpfbackigkeit und Desinformiertheit der Schlichtdenker? Immerhin habe man noch Sarrazin´s Buch als Wunderwaffe, gibt ein „Das-wird-man-doch-wohl-noch-sagen-dürfen-Zeitgenosse“ zu bedenken. Darin fände man Mittel und Wege, die Gutmenschlichkeit mit Rumpf und Stil aus dem Wege zu räumen. Sarrazin ist ja so eine Art Rosamunde Pilcher der Patrioten und irgendwie nicht kaputtzukriegen, dabei dachte ich, dass sich der Mann inzwischen schon selbst abgeschafft hätte, weil sich alle Welt mit Verstand über seine Pseudowissenschaftlichkeit amüsiert.

Bei einer oberflächlichen Metaanalyse der Medien rechter Minimalkognitivisten gegen Menschen, die Gutes meinen und zu allem Übel häufig auch tun, lässt sich das Genre Gutmensch mit folgenden Aspekten assoziieren: Danach sind Gutmenschen gegen Krieg, Gewalt, Umwelt- und Klimaverschmutzung, Unrecht, Armut, Benachteiligung, Rassismus, ungebremsten Wirtschaftswachstum usw. und eben im Umkehrschluss für Gerechtigkeit, Frieden, Gleichheit der Geschlechter und Rassen, Gewaltfreiheit und Umwelt- und Klimaschutz. Und aktuell sei hinzuzufügen: Für die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland und anderswo, sowie eine dazugehörende Willkkommenskultur.

Allen Aussagen über Gutmenschen in rechten Medien ist dabei gemeinsam: Die Belege sind saumäßig schlecht recherchiert, eindimensional in ihrer Begründung, zumeist rein emotional gefärbt und meistens in einem sauschlechtem Deutsch. Wenn ein Patriot seine Abneigung gegen Gutmenschen damit begründet, dass er „kozen“ könne, wenn er nur darüber nachdenken würde, dann ist der Argumentationsstrang dieses Deutschmannes nicht sonderlich überzeugend, aber durchaus typisch für das heldenhafte Für-Deutschland-Sein.

Wenn nun Menschen, die meinen, die Wahrheit mit Löffeln gefressen zu haben, dabei aber übersehen haben, dass es sich um Gabeln gehandelt hat, und sich über Gutmenschlichkeit brüskieren, lächerlich machen und dies für den Untergang des wie auch immer gearteten Abendlandes halten, dann wäre ja die Schlussfolgerung aus ihrem Denken, dass Patrioten, Rechte oder sonstige faschistoide Düstergestalten GEGEN Frieden, Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit, Umweltschutz, Gleichheit der Menschen, sowie Geschlechter und andere Gesichtspunkte, die eine halbwegs humanitäres Miteinander beinhalten, sind.

Megagutmensch (Foto A. Illhardt)

Megagutmensch (Foto A. Illhardt)

Ein rechter Kommentator forderte eine psychiatrische Diagnose für Gutmenschen. Für all die rechten Brüder und Schwestern scheint mir diese längst gefunden zu sein. Ich schlage vor: Dissoziale Persönlichkeitsstörung (F60.2). Ich zitiere aus dem ICD 10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme): „Eine Persönlichkeitsstörung, die durch eine Missachtung sozialer Verpflichtungen und herzloses Unbeteiligtsein an Gefühlen für andere gekennzeichnet ist. Zwischen dem Verhalten und den herrschenden sozialen Normen besteht eine erhebliche Diskrepanz. Das Verhalten erscheint durch nachteilige Erlebnisse, einschließlich Bestrafung, nicht änderungsfähig. Es besteht eine geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Verhalten, eine Neigung, andere zu beschuldigen oder vordergründige Rationalisierungen für das Verhalten anzubieten, durch das der betreffende Patient in einen Konflikt mit der Gesellschaft geraten ist.“

Psychotherapeutische Hilfe findet man in den Gelben Seiten oder bei Google. Und sicherlich gibt es einige Gutmenschen, die bei einer Abkehr vom Bösen, Asozialen und Aggressivem gerne behilflich sind.

Freundliche Beispiele aus dem Netz:

Gutmensch 1

Gutmensch 1

Gutmensch 2

Gutmensch 2

Gutmensch 3

Gutmensch 3

Gutmensch 4

Gutmensch 4

Gutmensch 5

Gutmensch 5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Arnold Illhardt

Arnold Illhardt