BILD-Boykott in Telgte
BILD ist tiefergelegte Bildung! (A. Illhardt)

Telgte. „Halt die Zeitung richtig, sonst fließt unten das Blut raus!“ Eine oft gehörte Ironisierung des Schmierenblattes. Trotzdem verkauft sie sich täglich millionenfach. Augenblicklich sinken die Verkaufszahlen. Könnte Telgte da nicht nachhelfen?

 

Anti-BILD-Aktion (Foto A. Illhardt)

Anti-BILD-Aktion (Foto A. Illhardt)

Als ich mir damals in einer ehemaligen Telgter Firma in den Ferien ein paar Mark verdiente, machte ich das erste Mal Bekanntschaft mit der BILD. In meinem Elternhaus (mein Vater war einfacher Handwerker) wurde dieses Schmierenblatt nie gelesen, ja sogar abgelehnt. Das Papierkonstrukt (Zeitung möchte ich es nicht nennen) lag zumeist auf den Arbeiterklos, wo die dumpferotischen Nacktbilder mit unglaublich schlechten Unter- oder Überschriften den Kollegen als Wichsvorlage dienten. Schon als Jugendlicher begriff ich nicht, wie tief man sinken musste, um freiwillig einen solchen Schwachsinn zu lesen. Konfrontierte ich damals als politisch denkender Mensch die erwachsenen Kollegen mit diesen Auswüchsen an Entgleisungen in Wort und Bild, erntete ich stets Unverständnis: Man war schnell informiert, gut unterhalten und hatte auch noch ein paar Frauenbrüste für die chronisch auftauchenden Deprivationsphasen im Arbeitsleben. Da BILD ich mir meine Meinung doch lieber woanders!

Das seit dem 24. Juni 1952 vom Axel-Springer-Verlag herausgebrachte Boulevardblatt ist die auflagenstärkste und am meisten zitierte Druckschrift Deutschlands. Traurig, dass sich ein Volk, welches angeblich über lauter überintelligente Mitglieder der Spezies Mensch verfügt, sich ein exkrementales Blattwerk zu Gemüte führt, dass vom intellektuellen Anspruch auf der Höhe der Raumtemperatur liegt. Im Gegenteil: Dem Leser ist es so etwas von egal, ob dort bewusst ein wirtschaftlicher Vorteil aus den massenhaft praktizierten Persönlichkeitsrechtsverletzungen anderer gewonnen wird! Es ist ihnen auch gleichgültig, ob die Pflicht zur Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde verletzt wird. Vermutlich kann die Berichterstattung gar nicht pervers genug sein. Wenn dort – wie geschehen – Suizide detailliert dargestellt werden, die Wahrheit mit Symbolfotos verfälscht, oder sonst wie optisch und inhaltlich manipuliert wird, wenn Stimmung gemacht, gehetzt und sensationsgeil berichtet wird, dann ist der Deutsche dabei. Frei nach dem Motto: Leute fresst Mist, denn tausend Fliegen können sich nicht irren.

 

Anti-BILD-Aktion (Foto A. Illhardt)

Anti-BILD-Aktion (Foto A. Illhardt)

Schon x-mal wurde die BILD vom Presserat gerügt, doch die smarten Verantwortlichen halten ihr Recht auf freie Meinungsäußerung gegen den Vorwurf z.B. „publizistisch-politischer Ekelhaftigkeit“. Sven Gösmann, damals stellvertretender Chefredakteur der Bild-Zeitung, jetzt bei der Rheinischen Post, von der Bundeszentrale für Politische Bildung auf diese Rügen angesprochen, erwiderte: “Rügen muss man sich verdienen – genau wie den Neid, der uns immer begleitet. Wir sind ein Medium mit einer Einschaltquote von zwölf Millionen Zuschauern.” Schauderhafte Skrupellosigkeit!

Und nun zu Euch, liebe Telgter. Solltet ihr in der Lage sein, diesen halbwegs fäkalsprachenfreien, dafür aber für BILDleser ungewöhnlich langen Text gelesen zu haben, so tut mir einen Gefallen: Boykotiert BILD, so wie ich es seit über 50 Jahren tue (die Klolektüre mal ausgeklammert). Bittet die Tabakläden und Zeitschriftenkioske eures Vertrauens, auf den BILD-Verkauf künftig zu verzichten. Es gibt so viele Zeitungen, die wenigstens im Ansatz einen Wahrheitsgehalt besitzen und sogar informieren wollen. BILD schadet der geistigen Gesundheit und zum Masturbieren könnt ihr doch den Bon-Prix-Katalog, Rubrik Damenunterwäsche, nehmen. Und da wir doch alle möchten, dass unsere Kinder gebildet sind und dass sie obendrein einer christlichen Leitkultur (was immer das ist) folgen, wäre es doch ein Traum: BILDfreies Telgte!

Arnold Illhardt

Arnold Illhardt