Fleischlos Leben
Lämmer schweigen nicht

‚Fleischlos leben“ ist ein persönlicher Bericht über einen Prozess mit vielen Stolpersteinen, belastenden emotionalen Momenten, interaktiven Desastern und einem gutem Endgefühl. Irgendwann geht es um mehr als „nur“ um Fleisch oder Nicht-Fleisch, sondern eher um ein reflektiertes Lebensgefühl.

Wie schon manches Mal ergriff ihn ein Mitleid mit diesen Tieren und ein trauriger Unmut gegen die Menschen; warum waren sie so stumpf und roh und unausdenklich dumm und blöde, warum sahen sie alle nichts, weder die Fischer und Fischweiber, noch die feilschenden Käufer, warum sahen sie diese Mäuler, diese zum Tod erschreckenden Augen und wild um sich schlagenden Schwänze nicht, nicht diesen grausigen nutzlosen Verzweiflungskampf, nicht diese unerträgliche Verwandlung der geheimnisvollen, wunderbar schönen Tiere, wie ihnen das leise letzte Zittern über die sterbende Haut schauderte und sie dann tot und erloschen lagen, hingestreckt, klägliche Fleischstücke für den Tisch der vergnügten Fresser? (aus Narziss und Goldmund von Hermann Hesse, 1953)

 Erste Annäherungen

Hybridputen (Foto Arnold Illhardt)
Hybridputen (Foto Arnold Illhardt)

Ich denke nach über Tiere, die immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt haben. So besaß ich Katzen und Hunde. Mein Mischlingshund Charly begleitete mich über 19Jahre und war zu einer Art Familienmitglied geworden, vielleicht sogar zu einer Art bester Kumpel mit einem unglaublichen Gespür für meine aktuelle Stimmungslage. Ich denke aber auch nach über das Essen von Tieren und die Motivationen und Anstöße, die mich seit vielen Jahren zum Vegetarier mit Trend zum Veganismus gemacht haben. Vielleicht auch gezwungen haben. Aber ich denke auch nach über all die Rechtfertigungen und Erklärungen, Anfeindungen und sinnbefreiten Gegenargumente und Entschuldigungen. „Ach, ihr esst kein Fleisch!?“ Schweigen, Mitleid, Vorwürfe, Bullshitgespräche.

Und während ich über mein Verhältnis zu Tieren und mein Nichtessen von Fleisch nachdenke, fällt mir die erste Begegnung mit der Schlachtung von Tieren ein. Als Schuljunge, vielleicht zehn bis zwölf Jahre alt, fuhren wir jeden Morgen mit einem Bus zur Schule. Hatte der Bus Verspätung, was vor allem im Winter oft geschah, gingen wir ganz in der Nähe zu einem kleinen Schlachthof, wenn wir sahen, dass dort Rinder oder Schweine angeliefert und reingetrieben wurden. Das große Tor stand offen. Ich beobachtete, wie die Tiere in einen Verschlag geprügelt wurden, wie sie erbärmlich muhten und dann mit einem Elektroschocker getötet wurden. Sie waren oft nicht sofort tot, wenn sie an einen dieser Stümpermetzger geraten waren. Die Faszination des Grauens; damals gab es noch kein Counter-Strike. Auf Nachfrage sagte man uns, das seien nur die Nerven. Aber oft schrien die Rinder noch längere Zeit entsetzlich, wenn man sie an Ketten befestigt hochzog. Waren das auch die Nerven? Erst vor kurzem las ich, dass es in Großschlachtereien sogar vorkommt, dass Tiere noch leben, wenn sie gehäutet, also von oben bis unten aufgeschnitten werden. Es kam mir aber als Kind nie in den Sinn, dass dieser Vorgang nicht richtig sei. Damals gab es in meiner Familie vielleicht 1–2x in der Woche – vor allem am Sonntag – Fleisch, das in der Metzgerei gekauft wurde, wo es auch geschlachtet worden war. Kam meine Tante aus der damaligen DDR zu Besuch, wurde sündhaft teures Fleisch aufgetischt, um sie mit unserem Luxus, den wir uns eigentlich gar nicht leisten konnten, zu blenden. Fleisch essen bedeutete früher noch, wohlhabend zu sein. Vegetarismus war zu dem Zeitpunkt in meinem Umfeld kein Thema. Vermutlich wäre es sogar gotteslästerlich gewesen, kein Fleisch zu essen, weil die Tiere uns ja von Gott zum Essen gegeben worden waren. Damals glaubte ich noch jeden Unsinn!

Fleischkultur

Landwirtschaft mag doch jeder (Foto Arnold Illhardt)
Landwirtschaft mag doch jeder (Foto Arnold Illhardt)

Fleisch essen ist Teil unserer Kultur und somit ein erlerntes ideologisches System. Die US-amerikanische Psychologin Melanie Joy sprach von Karnismus, worunter ein „…unsichtbares System aus Überzeugungen..“ zu verstehen ist, „…das uns von Kind auf dazu konditioniert, (bestimmte) Tiere zu essen. Karnismus ist dabei einerseits eine dominante Ideologie, die – unsichtbar und tief in unserer Gesellschaft verwurzelt – unsere Überzeugungen, Handlungen, Gedanken, Normen, Gesetze, etc. formt. (ASS)“ Der üppige Sonntagsbraten, das vor sich hin brutzelnde Spanferkel bei der Geburtstagsfeier oder die marinierten Fleischstücke bei der Grillparty sind Teil dieser Kultur. Fleisch stiftet Zusammenhalt, stellt so eine Art steinzeitliches Relikt im Sinne von „Fleisch verbindet“ dar und demonstriert unsere menschliche Macht über die Tiere. Wer als Vegetarier wie ich auf einer Party oder sonstigen Festivitäten aufs Fleisch verzichtet, muss leider feststellen, wie wenig Wert auf den Rest des Nahrungsangebots gelegt wird. Daher wohl der alte Restaurantausdruck „Sättigungsbeilage“. So manches Mal habe ich mich mit Baguette über Wasser halten müssen, was mir verträglicher erschien als der schäbige Kartoffelsalat aus dem Eimer. Übrigens gehört der Mensch zu den Omnivoren oder „Alles(fr)essern“, womit wir uns in guter Gesellschaft mit den Ratten und Schweinen befinden.

Karnismus bedeutet aber auch, diese Tradition des Fleischessens so aufrechtzuerhalten, dass keine Missstimmungen entstehen, was letztendlich auch bedeutet: Sich selbst nicht hinterfragen zu müssen. So erklärt man einerseits Kindern, ein Zicklein oder ein Lamm vorsichtig zu streicheln, während man später die sterblichen und verwertbaren Überreste zum Abendessen verzehrt. Auf einem kleinen Bauernhof in meiner Nähe kann man in Ställen, wie sie im Kinderbilderbuch nicht besser dargestellt werden könnten, Tiere, die normalerweise als „Vieh“ bezeichnet werden, aus nächster Nähe betrachten, Lämmer streicheln und mit Kälbern schmusen. Direkt nebenan ist die Hofmetzgerei, aber ich habe noch nie erlebt, dass Eltern ihren Sprösslingen erklären, wie das Tier aus dem Stall später in die Wurst kommt. Wächst Fleisch auf Bäumen?

Während ich diesen Text schreibe, rückte das benachbarte Rheda-Wiedenbrück in die Schlagzeilen. 657 Billiglohnarbeiter des Schlachtbetriebs Tönnies erkrankten an dem Virus Covid-19, was später zu erneutem Lockdown in den entsprechenden Landkreisen führte. Die Arbeiter, die unter schlimmen und zwielichtigen Bedingungen, die an Sklaverei erinnern, „gehalten“ werden, sind in der Regel keine Metzger, sondern führen einfach nur bestimmte für die Schlachtung und Verarbeitung notwendigen Vorgänge durch. So kann man den ganzen Prozess so kostengünstig halten, dass am Ende der Schlachtung das Fleisch billig verkauft werden kann. Die unmenschlichen Zustände wurden übrigens schon vor Jahren thematisiert, interessierten aber weder Politiker, noch Konsumenten. Die Menschen in meiner Umgebung schimpften über den Kapitalisten Tönnies und seine Machenschaften, was ich aber nicht hörte war, dass diese Zustände mit der Nachfrage nach Billigware durch die Fleischesser und damit mit der eigenen Gleichgültigkeit zu tun haben. Übrigens hatte der Vorfall, wie später in den Medien zu entnehmen war, keine Auswirkungen auf die Kaufentscheidung: Billig muss es weiterhin sein. Darf Kultur alles?

Gestern stand ich vor der Speisekarte eines Warendorfer Restaurants, in der kein einziges vegetarisches Gericht aufgeführt war. Natürlich haben wir auf einen Besuch dort verzichtet. Vegetarismus, so mein sich ständig bestätigende Eindruck, ist in der deutschen Kultur noch nicht angekommen.

Tierleid, Mitleid und Moral

Schnitzel mit Pommes (Foto Arnold Illhardt)
Schnitzel mit Pommes (Foto Arnold Illhardt)

Über einen Freund hatte ich den Job bei einem Landwirt in der Telgter Bauernschaft erhalten. Es war Mitte der 70er Jahre und als Jugendlicher war es zur der Zeit recht normal, sich irgendwo ein paar Mark zum spärlichen Taschengeld dazuzuverdienen. Ich musste Ställe ausmisten, half beim Bau einer Silage mit und fuhr zusammen mit dem Jungbauer Getreide ein. Mal abgesehen von dem zum Teil unerträglichen Gestank in den Tierställen, machte mir die Tätigkeit Spaß und zum Mittag gab es reichlich Kaffee mit dicken Wurstbroten. Blutwurstbroten!!! Ich erinnere mich jetzt beim Aufschreiben dieser Erlebnisse, dass ich oft in den Ställen Mitleid mit den Tieren hatte. Manchmal stand ich minutenlang vor den zum Teil riesigen Tieren und betrachtete sie und hatte das Gefühl, dass sie es umgekehrt ebenfalls taten. Während die Milchkühe immerhin auf die Weide getrieben wurden, wobei der Bauer offenbar riesigen Spaß daran hatte, ihnen mit einer Holzlatte auf den Rücken zu schlagen, lagen die Schweine – eigentlich von Natur aus verspielte und neugierige Lebewesen – schon damals eingequetscht in ihren Ställen und waren zum Nichtstun verdammt. Teilweise waren sie zwischen Eisenstangen so eingepfercht, dass sich die dicken Muttersäue kaum bewegen konnten, teilweise hatten sie eiternde Bisswunden, was ekelig aussah, aber zum Tagesgeschäft gehörten. Gebraten sieht man eiternde Bisswunden ja nicht mehr.

Kleiner Einschub: Man merkt, es hat sich an der Tierhaltung auch nach 40 Jahren nichts geändert. Tierwohl ist für viele Politiker eine Lachnummer – gestern wie heute, denn Politiker werden den Teufel tun, etwas zu unterbinden, was dem überwiegenden Teil der Deutschen Spaß macht und ihnen selbst auch.

Eines Tages fand ich ein kraftlos am Boden liegendes älteres Ferkel, dessen Bewusstseinszustand offensichtlich schon getrübt war. Als ich den Bauern informierte, packte er das kleine Tier an einem Ohr, schliff es über den Boden nach draußen, wobei es entsetzlich quiekte und tötete es, was ich mir aber ersparte zu beobachten. Jedenfalls war ich schwer geschockt und erstmalig stellte ich mir die Frage, ob nicht ein Tier das Recht auf eine qualfreie und tierwürdige Behandlung hat. Auch dann, wenn sein Leben ausschließlich zum Verzehr durch uns Menschen bestimmt ist. Wozu auch sonst! Mein Ferkel lag später noch zuckend auf dem Müllhaufen. Der Philosoph Descartes meinte, Tiere sind nichts anderes als Maschinen – gefühllos wie Metall. Seine idiotische Meinung hatte Bestand – bis heute.

Der Aspekt des Leids eines Tieres, ob bei der nicht tiergerechten Haltung, die eher an Folter erinnert, oder beim Transport oder der Schlachtung, wird natürlich gerne ausgeblendet. Der Gedanke an das Leid von Tieren würde sicherlich den Geschmack des Schnitzels noch mehr versalzen als es schon ist, um überhaupt Geschmack zu haben. Doch viele Tieresser gehen sogar eine Stufe weiter und gestehen Tieren kein Leid zu. Dem eigenen Hund natürlich schon, nicht aber dem „Schlachtvieh“. Aber leiden Menschen und Tier gleich? Richard David Precht, Philosoph und Schriftsteller, äußerte sich dazu in einem Interview:

„Deswegen setze ich Menschen und Schweine nicht gleich. Der Mensch ist fortgeschrittener was Selbstbewusstsein und Selbstreflexion angeht. Nur ändert diese Tatsache ja nichts daran, dass auch ein Schwein, das sieht, wie seine Angehörigen geschlachtet werden, Todesangst hat und schreit. Deshalb gibt es in der Tierrechtsdiskussion schon lange das Argument, dass es nicht auf Selbstbewusstsein, Sprachgebrauch oder Diskursgemeinschaft ankommt, sondern Leidensfähigkeit. (RDP)“

Bock auf Bock (Foto Arnold Illhardt)
Bock auf Bock (Foto Arnold Illhardt)

Ist es in Ordnung, mit Tieren Mitleid zu haben? Ein anderer Philosoph (Philosophen sind offenbar nicht so an Tieren interessiert) – Peter Singers – meint: Wenn wir Tiere, welche ähnliche oder sogar höhere intellektuelle Fähigkeiten haben, schwächer berücksichtigen, weil sie nicht der menschlichen Gattung angehören, liegt eine unbegründete Diskriminierung vor, die strukturelle Ähnlichkeiten mit anderen Formen der Diskriminierung wie dem Rassismus oder Sexismus aufweist. (BPB). Mitleid ist also gestattet, nur scheint es gewisse Abwehrmechanismen zu geben, um dieses Mitleid gar nicht erst aufkommen zu lassen. In der Entwicklungspsychologie werden die unterschiedlichen Entwicklungsstufen bestimmter Lebens- und Seinsaspekte beschrieben und so, wie sich unser Denken oder unser Fühlen entfaltet, bildet sich auch unser moralisches Bewusstsein aus. Ein Grund mit, warum vor allem junge und ältere Jugendliche plötzlich die Verhüllungsmechanismen der Erwachsenen durchschauen und (übrigens manchmal auch als Abgrenzung zu den Erwachsenen) aufhören, Fleisch zu essen. Sehr zum Unmut zumeist der Väter, die darin ein Versagen ihres Erziehungs – oder Kultivierungsauftrags sehen. Leider lässt sich häufig beobachten, dass diese moralische Entwicklungsstufe im Erwachsenenalter aufgegeben wird und die Übergangsvegetarier oder –veganer rückfällig werden. Schwindet mit dem Erwachsenwerden die Moral, was mir manchmal so scheint, oder wird der Grad der Gleichgültigkeit größer, was ich vermute? Interessant ist die Überlegung allemal.

Noch einmal Precht:

„Mir geht es um die politische Dimension, dass wir ethisch etwas durchgehen lassen, nämlich die Massentierhaltung, die wir eigentlich mit unserer Sensibilität und unserer Moral nicht mehr vereinbaren können. (RDP)“

Gegenfrage: Was ist „unsere Sensibilität“ und „unsere Moral“? Besitzt die jeder? Kann man das lernen? Sind Vegetarier oder Veganer da vielleicht sensibler oder moralischer?

Auseinandersetzungen

Letzte Tage kramte ich aus unserer Bibliothek ein Buch heraus: Das große Buch der vegetarischen Küche von Anna Thomas. 1978 erschienen. Ich muss so um die 20 Jahre alt gewesen sein, als meine damalige Freundin und ich uns das dicke Buch in einem Billigbuchladen gekauft haben. Und es wundert mich heute, dass offenbar damals schon der Wunsch nach vegetarischer Ernährung vorhanden war, da in meinem Umfeld darüber nicht gesprochen wurde. Und dann sah ich mich wieder als junger Mann, wie ich staunend vor all den wunderbaren fleischlosen Rezepten saß und erstmalig von Zutaten las, die mir damals gänzlich unbekannt waren. In einem damals schon in Münster existierenden Laden für asiatische Lebensmittel kauften wir uns Gewürze, Reis oder Nudeln, die man in der eher faden westfälischen Küche bis dato nie kennengelernt hatte. Auch wenn ich nie viel Wert auf Fleisch gelegt habe, innen blutige Steaks ekelig und mit knochenversetztes Fleisch abstoßend fand, setzte sich der Vegetarismus bei mir nie wirklich dauerhaft durch. Ging man damals essen, so war das, was einem als vegetarisches Gericht angeboten wurde, eine fantasielose Zumutung.

Kleiner Einschub: 40 Jahre später hat sich zumindest in der klassischen deutschen Küche nichts daran geändert. Das Angebot blutstrotzt nur so vor Fleisch und die ein bis zwei Gerichte für Vegetarier basieren auf dem Weglassen von Fleisch oder sind einfallsloses Gemüsegehampel.

Und ich erinnere mich, dass es meinen gedankenlos fleischverzehrenden Eltern hochpeinlich war, als ich bei einem gemeinsamen Essen mit einem Koch stritt, weil ich es für pervers hielt, Löwen, Strauße oder Krokodile, die auf der Speisekarte standen, zu essen. Aber der Koch hatte aus heutiger Sicht recht: Warum isst man Schweine und Rinder, aber keine Löwen oder Elefanten? Heute würde ich die Frage ausweiten wollen: Warum isst man keine Hunde, Katzen oder Hamster? Wen streicheln, wen essen? Was treibt uns Menschen dazu, plötzlich zu unterscheiden?

Diese Frage darf man offenbar nicht stellen, da dann im Rahmen des vegetarischen Bullshit-Bingos der Einwand kommt, man dürfe Tiere nicht vergleichen. Und natürlich Menschen und Tiere schon mal gar nicht. Allerdings frage ich mich, wer festlegt, ob man Schwein essen kann, Fuchs aber nicht und warum nicht auch der Golden Retriever auf Salbei köstlich schmeckt? Ein gutes Leben hatte er ja im Vorfeld! Natürlich ist das reine Provokation, aber die Frage nach den Entscheidern bleibt dennoch im Raum. Ist auch das Teil der Kultur oder legt der momentan angesagteste Fernsehkoch fest, was gut und was böse ist?

Meine Schwiegermutter (80), die zwar inzwischen unsere pflanzliche Ernährung unterstützt und uns sogar einmal pro Woche vegetarisch bekocht, kritisierte anfangs unseren Fleisch“verzicht“ und argumentierte, man habe schließlich früher auch Fleisch gegessen. Zusatz: Und es habe nicht geschadet. Mal abgesehen davon, dass es auch schon früher, zumindest zu ihrer Zeit, Vegetarier gab, hat der Vegetarismus und Veganismus deshalb so rapide zugenommen, weil es jedenfalls zum Teil eine Reaktion auf die Massentierhaltung heutiger Zeit ist. Tatsächlich standen Rinder ganz früher auf der Weide. Und auch Schweine und Hühner liefen frei rum. Während es früher ein Gaudi war, in einen Kuhfladen zu treten, wäre die Berührung mit tierischen Fäkalien oder z.B. dem heutigen Schweinemist mehr als besorgniserregend. Darin findet man nämlich …

„Ammoniak, Methan, Schwefelwasserstoff, Kohlenmonoxid, Zyanid, Phosphor, Nitrate und Schwermetalle. Dazu gedeihen darin mehr als 100 verschiedene mikrobielle Erreger menschlicher Krankheiten, darunter Salmonellen, Kryptosporidien, Streptokokken und Giardien…und die Scheiße ist auch nicht einfach nur Scheiße, sondern alles, was durch Bodenschlitze der Käfigställe passt. Dazu gehören (und diese Liste ist noch unvollständig) tot geborene Ferkel, Nachgeburten, verendete Ferkel, Erbrochenes, Blut, Urin, Spritzen zur Verabreichung von Antibiotika, Scherben von Insektizidflaschen, Haare, Eiter, sogar Körperteile. (JFS)“

Tier und Mensch

Slaughterhouse (Foto Arnold Illhardt)
Slaughterhouse (Foto Arnold Illhardt)

Im Alten Testament heißt es: „Gott segnete sie (Mann und Frau) und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehret euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen“ (Gen 1,28). Würde so ein Blödsinn heute schriftlich verzapft, würde man sagen, der Autor leidet unter Realitätsverlust. Vor allem würde man aber mit dem Wissen von heute sagen: Genau das ist passiert und ist absolut gescheitert. Neulich las ich das Graffiti, der Mensch sei sogar zu dumm, seine Umwelt zu retten. Tatsächlich bringt es der Spruch auf den Punkt. Man muss sich den Menschen als riesiges Nutztier vorstellen, das seinen Stall so lange zuscheißt, bis es darin erstickt. Wäre der Mensch tatsächlich ein Tier, so bliebe dem Tier nichts anderes übrig, als zu ersticken, aber vom Menschen spricht man in der Regel von vernunftgeleitetem, denkenden usw. Wesen, was natürlich Blödsinn ist. Würde er denken können und vernunftgeleitet sein, würde es keine Kriege geben, keine Umweltverschmutzung und keine Klimakrisen, die ja laut AfD auch gar nicht existieren. In den 60 Jahren meines Lebens habe ich menschliche Ausfallserscheinungen in einer Größenordnung erlebt, die tatsächlich Zweifel aufkommen lassen, ob das mit der Bevölkerung, Vermehrung, Unterwerfungen und dem Herrschen so eine geniale Idee war.

Der Philosoph Jacques Derrida meint dazu:

„Eine solche Unterwerfung … kann man im moralisch neutralsten Sinne des Wortes Grausamkeit nennen…Niemand kann ernsthaft leugnen, oder zumindest nicht sehr lange, dass der Mensch alles tut, um diese Grausamkeit zu verbergen oder vor sich selbst zu verstecken, um auf der ganzen Welt dafür zu sorgen, dass diese Gewalt vergessen und missverstanden wird. (JSF)“

Bezogen auf den Vegetarismus stellt sich daher auch philosophisch die Frage: Unterscheidet den Menschen tatsächlich so viel von einem Tier? Schaut man all die unsäglichen youtube-Videos von liebevoll miteinander umgehenden Katzenpaaren, hochintelligenten Vögeln, rührend sich umeinander kümmernden Schweinen und Rehen oder Gänsen und Pferden, dann kommt doch der Verdacht auf, Tiere könnten mindestens genauso viele Gefühle haben wie ein Mensch. Stopp, rufen jetzt die Hardcorefleischesser (und die rufen ständig Stopp!): Man darf menschliches Verhalten nicht auf Tiere übertragen! Aber warum macht man das dann umgekehrt: Fleißig wie eine Ameise, schlau wie ein Fuchs oder fromm wie ein Lamm? Je mehr ich den Mensch bzw. so manchen Menschen verachten lerne, desto mehr will es mir nicht einleuchten, warum man Tiere schlachten darf, der Mensch aber ein schützenswertes Wesen ist. Gut, natürlich je nachdem aus welchem Land er kommt oder welcher „Rasse“ er entstammt. Ende der Provokation!

Tiere sind für uns Menschen da: Zum Spaß, zum Kuscheln, zum Arbeiten, für die Handtasche, zum Quälen (wie z.B. beim Stierkampf) oder eben zum Essen. Im Grundgesetz heißt es:

„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“

Ich kann mich nicht erinnern, dass außer ein paar wenigen tierrechtaffinen Politikern (hier sind vor allem die GRÜNEN und die LINKE zu nennen) es irgendwen im Bundestag interessiert, wie Tiere gehalten, geschlachtet und transportiert werden. Zumindest positionieren sich die Vertreter der konservativ-fleischlastigen Parteien nicht klar dazu und bei der FDP entsteht der Eindruck, dass diese Form von Tierschinderei gut mit ihrem Traum von Ewigwachstum und Wirtschaftswunderei zusammenpasst. Massentierhaltung ist schon doof, aber irgendwie – so mein Gefühl – auch wichtig. Hier kommt wieder das kulturelle Element zum Tragen: Gegessen werden Tiere sowieso, da ist es schlussendlich egal, wie das Vorleben ausgesehen hat. Die bekannten „Fleischbarone“ der großen Tiertötereien und Verarbeitungsbetriebe sind gemäß der in Deutschland allseits bekannten Lobbykratie mit der Politik gut verwoben und eine Hand wäscht die andere. Zudem möchte man die Bauern nicht verärgern.

Vom süßen Lämmchen

Was streicheln, wen fressen (Foto Arnold Illhardt)
Was streicheln, wen fressen (Foto Arnold Illhardt)

Man verfällt in Schwärmereien beim Anblick eines noch verspielten Welpen, hat aber keine Probleme, ein Lämmchen mit grünen Bohnen zu verspeisen. Schaut man auf lecker.de findet man:

„Vor allem zu Ostern ist Lammbraten ein echter Klassiker! Dennoch schmeckt das milde, zarte Fleisch rund ums Jahr zu besonderen Anlässen vorzüglich.“

Es sind Sätze, die als normale Beschreibung eines Gerichts vorbeirauschen und unreflektiert bleiben. Die Vorstellung, dass dieses Lamm seiner Mutter entrissen wurde und keine Chance hatte, ein Leben als freies Lamm zu führen, macht mich heute unsäglich wütend und die Unbedarftheit der Lammleichenesser widert mich an. Aber wundert einen die Unbedarftheit, wenn das Lammessen ja quasi schon ein semireligiöser Vorgang ist? Das Lamm taucht in der Bibel als Unschulds- oder auch Opfertier auf. Ähnlich wie das Rezept auf lecker.de wird ja auch die Bibel gelesen, ohne Sätze zu hinterfragen. Denn spätestens bei der schierweg bescheuerten Aussage in Jesaja 53,7, das zum Schlachten geführte Lamm würde seinen Mund nicht auftun, da es ja ein Opferlamm ist, zeigt die unglaubliche Blödheit dieses Möchtegernprohpheten: Ein Lamm schweigt nicht bei der Schlachtung: Es schreit!

Bei unseren Reisen durch Wales machten wir auch Bekanntschaft mit den weltberühmten walisischen Lämmern. Auf der Seite transgourmet-cook.de heißt es:

„Walisische Lämmer sind wie die Kinder in Astrid-Lindgren-Büchern: immer draußen. Freilandhaltung heißt hier immer 100 % Freilandhaltung. Die Lämmer werden auf den grünen würzigen Wiesen geboren, aufgezogen und ziehen wild und frei durch die Landschaft.“

Als wir später in einem sehr guten Restaurant in die Speisekarte schauten, damals aßen wir noch hin und wieder Fleisch, und dort die hochangepriesenen Lammgerichte sahen, war es uns nicht mehr möglich, dieses Gericht zu essen. Wir stellten uns die kleinen Tiere vor, die wir vorher noch auf den „grünen würzigen Wiesen“ rumbalgen sahen. Es war sicherlich eines der ausschlaggebenden Kriterien, einen Widerwillen gegen tierisches Fleisch – oder sollte man vielleicht besser Kadaver sagen – zu entwickeln. In einem Video sah ich, wie eine Mutterkuh hinter einem „Vieh“wagen herlief, in dem ihr Kälbchen abtransportiert wurde. Ich möchte in die Szene nicht zu viel hineininterpretieren; vielleicht wollte sich die Kuh auch nur die Beine vertreten. Heißt das nun, Jungtiere – weil süß/Kindchenschema – zu verschmähen, aber alte Tiere ungebremst verköstigen zu können?

Die Abstraktion des Fleischessens

Tiere sind keine Trophäen (Foto Arnold Illhardt)
Tiere sind keine Trophäen (Foto Arnold Illhardt)

Diese Erfahrung mit den Lämmern bringt einen weiteren Gedanken ins Spiel, der später häufiger bei den unsäglichen Diskussionen mit passionierten Fleischessern eine Rolle spielen sollte. Offenbar scheint es einen Unterschied zu machen, ob man Fleisch isst, was in eigens dafür erstellten Megaställen, die mit überdurchschnittlich hoher, an Folter erinnernde Tierschutzverletzungsgarantie gehalten bzw. gequält wurden, oder ob das zu verzehrende Tier vermeintlich glücklich auf einer „würzigen“ Wiese gestanden hat. Es muss wohl so sein, dass es das Essverhalten weitgehend entschuldigt: „Wir achten darauf, dass die Tiere vorher ein gutes Leben auf der Weide hatten!“ Man könnte sagen: Immerhin. Doch ist es für die eigene reine Weste nicht vielleicht einfach, sich beim Bratenessen beruhigt zurückzulehnen, da man der Ansicht ist, arme, in Tierfabriken gequälte Tierleiber durch den Gnadenstoß gerettet zu haben, anstatt zu wissen, dass ihr wunderbares, so natürliches Leben, rumtollend in Wald und auf Wiesen, beendet wurde? Der Leser merkt allmählich, dass es mit meiner Contenance dem Ende entgegen geht. Ich bin kein militanter Vegetarier; nur meine Gedanken sind es!

Irgendwann überraschte mich ein Freund mit einer Wurst von seinem liebevoll gezüchteten Hausschwein Picke, das hin und wieder sogar mit uns spazieren gegangen war. Die Wurst verfütterte ich an meinen Hund; ich war nicht in der Lage, mir den verwursteten Picke einzuverleiben.

In einer der ständig ablaufenden Diskussionen zu diesem Thema auf facebook schrieb ein Fleischverteidiger den Kommentar, man müsse sich einmal vorstellen, was mit all den Millionen Tieren passieren würde, wenn alle Menschen auf Fleisch verzichten. Zum einen wunderte mich seine plötzlich Besorgtheit um das Wohl der Tiere, zum anderen müsste spätestens bei diesem Szenario deutlich werden, wie viele Tiere auf der Welt (und in Asien ist man bei den klassischen Tierarten noch zurückhaltend) ausschließlich zum Verzehr herumstehen (von Laufen kann ja in der Regel nicht die Rede sein). In einem älteren Artikel im Fokus wurde berechnet, dass jeder Deutsche in seinem Leben 1094 Tiere: vier Kühe und Kälber, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Truthähne, 46 Schweine und 945 Hühner vertilgt. (FOC)

Freilaufende Hühner (Foto Arnold Illhardt)
Freilaufende Hühner (Foto Arnold Illhardt)

Eine weitere Kuriosität fällt mir im Zusammenhang mit Fleischessen auf. Die mit dem Vorhandensein von Fleisch zusammenhängenden Prozesse wie Haltung, Zucht, Transport oder Schlachtung werden von den Konsumenten komplett ausgeblendet und verdrängt. Eine Mutter erzählte mir, dass die kleine, etwa 6jährige Tochter beim Essen plötzlich in ihrem Schnitzel herumstocherte und erzählte, dass es bei ihrer Freundin zuhause kein Fleisch geben würde. Der Grund der Familie sei, so das Mädchen, dass sie nicht möchten, dass für sie Tiere getötet würden. Und dann die interessante Nachfrage: „Stimmt das, Mama, dass für das Schnitzel ein Tier getötet wurde?“ Man mag sich über dieses naive Denken natürlich köstlich amüsieren, doch ist das Denken vieler Erwachsener für solche schlauen Fragen schon zu ausgeleiert. Als in einer Filmdokumentation der Anschein erweckt wurde, dass für die frischen Würstchen leibhaftig ein Tier geschlachtet wurde, gab es drastische Reaktionen bis hin zur Androhung, die Polizei zu rufen. Die bittere Komik ist auch hier zu spüren: Das Schlachten und damit willentliche Töten von Tieren darf nicht im Blickfeld sein, da es sonst als grauenhaft empfunden wird. Interessant auch, dass die meisten Fleischesser nicht in der Lage wären, Tiere selbst zu enthäuten oder zu rupfen. Genauso wie Albert Camus in seinem Roman „Die Pest“ diese Seuche als eine Abstraktion bezeichnet, also einem Vorgang, dessen tatsächliche Grausamkeit kaum greifbar ist, so ist auch für den Fleischesser das Drumherum eine Abstraktion. Das köstliche, halb durgebratene Fleisch ist nicht mehr Tierleiche und die Art des Vorlebens und seiner Vernichtung ein unsichtbarer Tötungsakt in einem unzugänglichen Schlachthaus. Ich denke nicht, dass man mir heute erlaubte, so wie damals in meiner Kinderzeit, im Schlachthof Tönnies den unterbezahlten Leiharbeitern bei ihrem ebenfalls abstrahierten Beruf zuzuschauen.

„Unsere Nahrung besteht aus Leiden. Wenn man uns anbietet, uns einen Film darüber zu zeigen, woher unser Fleisch kommt, wissen wir, dass es ein Horrorfilm sein wird. Wir wissen vielleicht mehr, als wir zugeben, und schieben das in den hintersten Winkel unseres Bewusstseins – wir wollen damit nichts zu tun haben. Wenn wir Fleisch aus Massentierhaltung essen, leben wir buchstäblich von gefoltertem Fleisch. Und dieses gefolterte Fleisch wird zunehmend unser eigenes. (JSF)“

Noch eine Frage: Warum spricht man bei Schweinen oder Hühnern von Vieh, während Hunde oder Katzen lustige Vierbeiner oder Samtpfoten sind? Ebenfalls als Reaktion von Tieressern bekam ich zu hören, dass solche Vergleichsprozesse nicht in Ordnung seien. Ok, welche Ordnung ist da gemeint? Etwa die Ordnung, dass Tiere keine Rechte haben, dass selbst Veterinärmediziner, meistens selbst Jäger, beide Augen zudrücken, wenn mal wieder Skandale in Mastfabriken auffallen?

Das grausame Tier Mensch

Mit dem Aufkommen des Internets und damit auch youtube-Videos rückten plötzlich grausame Filme von Tierschützern in den Wahrnehmungsfokus. Das, was man sonst vom Hörensagen oder aus geschriebenen Pamphleten kannte, rückte damit in eine unabrückbare Gewissheit: Tiere, die zum Essen gedacht sind, werden skrupellos gequält und sind nichts weiter als tote, wenn auch vorher lebendige Materie. Ich sah einen Film, wo ein junges Rind von einer Rampe in den zur Schlachterei gehörigen Abgrund gestoßen wurde, sich bei dem Sturz die Knochen brach und jämmerlich brüllte. Bei diesem Amateurfilm höre ich die Tieresser aufschreien, dass es unschicklich oder effekthascherisch sei, solche Filme zu zeigen, da sie falsche Gefühle erzeugten. Mein „falsches“ Gefühl war folgendes: Ich stand auf, stieß mit dem Fuß den nächstbesten Stuhl um und schrie, zum Glück allein im Raum „Ihr Arschlöscher“, wohlwissend, dass dieses arme Körperteil ein unschuldiges ist. Es ist sicherlich kein Zeichen von Selbstdisziplin, aber Disziplin ist auch nichts weiter als eine Brokatbrosche am Leichenhemd. Es wurde nichts außer Acht gelassen, Tierschützer, die solche Filme in heimlichen Aktionen, zu kriminalisieren, während Verantwortliche in Politik und Veterinärmedizin alle Register zogen, sich das Schlachtblut vom Revers zu wischen. Man soll nicht den Ast absägen, auf dem man sitzt, bzw. nicht den Teller zerschlagen, auf dem das Steak drapiert werden soll.

Hühnerhof (Foto Arnold Illhardt)
Hühnerhof (Foto Arnold Illhardt)

Wenn sich mir die Gelegenheit bot, versuchte ich selbst in Mastfabriken einzudringen oder mir wenigstens durch Türschlitze ein Bild zu machen. Die Ergebnisse waren immer wieder erschütternd und grausam, wobei beide Beschreibungen eine Verharmlosung darstellen. So machte ich z.B. Fotos bei gefühlt 38Grad Außentemperatur in einem nahgelegenen Putenstall (bzw. Hybridputenstall), in dem dicht gedrängt, ohne großartigen Bewegungsradius die ausgemergelt wirkenden Tiere ausharrten. Sie wirkten allesamt fürchterlich zugerichtet, abgewetzt, einige bluteten. Ist eine solche Haltung tiergerecht? Ist es normal, vor allem legitim, um so den übermäßigen und möglichst niedrigbezahlten Fleischbedarf unserer Gesellschaft zu stillen? Sowohl bei eigenen Recherchen, als auch in Filmen sah ich verstümmelte, viel zu eng eingepferchte bis eingequetschte oder erschöpfte, nur noch vor sich hinvegetierende Tiere. Mir fielen schlimme und z.T. eiternde Verwundungen auf, entzündete Analerkrankungen, abgerupftes Federtier, Verhaltensauffälligkeiten, Lähmungen oder gar abgebissene Körperteile z.B. bei Schweinen. Deswegen, so ein stolzer Bauer in Telgte, der für seine angeblich lupenreine Milch warb, werden den Kühen die Hörner ausgebrannt, um sich nicht zu verletzen. Was für eine wunderbare und tierwohlaffine Idee.

Vielleicht ist es an der Zeit, Religionen auch an ihrem Umgang mit Tieren zu messen. Ich erwähnte bereits mehrfach das Christentum und u.a. sein Märchen vom lammfrommen Tier und all den biblischen Darstellungen ritueller Schlachtungen, was man hier Opfer nennt.

Nachfrage: Wurden die Tiere tatsächlich nur geopfert (was dem Irrsinn die Krone aufsetzen würde), oder auch gegessen (was ja dann wiederum kein Opfer wäre!)

Doch auch im Judentum oder im Islam ist der Umgang mit Tieren katastrophal und stellt die Frage, wer auf den irrsinnigen Schwachsinn kommen kann, Tiere bei lebendigem Leib, im Judentum sogar ohne Betäubung, zu schächten? Ich habe mir mit großem Entsetzen entsprechende Filme angeschaut und würde schon allein deswegen konvertieren oder zum Atheisten werden. So heißt es im Koran:

“Und das Vieh hat Er erschaffen, ihr habt an ihm Wärme, und Nutzen; und davon esset ihr.  Und es ist schön für euch, wenn ihr (es) abends eintreibt und morgens austreibt; und sie tragen eure Lasten in ein Land, das ihr nicht erreichen könntet, es sei denn mit großer Mühsal.  Wahrlich, euer Herr ist Gütig, Barmherzig.  Und (erschaffen hat Er) Pferde, Maultiere und Esel zum Reiten und zum Schmuck.  Und Er wird erschaffen, was ihr (noch) nicht kennt.” (Quran 16:5-8)

Kleiner Tipp an die Schriftgelehrten: Wie wäre es mal mit einer Überarbeitung? Der Herr hat inzwischen Busse, Flugzeuge und Autos geschaffen; Tiere brauchen also keine Lasten mehr für euch schleppen! Gespannt bin ich auf den Passus „was ihr noch nicht kennt!“ Oder ist damit die Massentierhaltung gemeint, was z.B. in der USA gigantische Dimensionen von 250.000 Tieren pro Stall annimmt.

Fleisch macht Männlich

Mein Vegetarismus vollzog sich in Wellen. Vor allem der damals (?) unkreativen deutschen Schnitzel- und Kartoffelküche geschuldet, verfiel ich immer wieder – wenn auch in eher geringem Maße – der gelegentlichen Fleischesserei. Bis ich mich selbst dabei erwischte, Entschuldigungen vorzubringen oder den „Tottier“-Konsum herunterzuspielen; Fleisch aus dem Biomarkt sei ok., dachte ich. Während heute die Akzeptanz gegenüber Vegetariern jedenfalls in meinem Umfeld gestiegen ist, allerdings das Umlernen in deutschen Restaurants sich noch auf einem adenauerzeitmäßigen Stand befindet, musste man sich zunächst zahlreiche Anschuldigungen, gar Beleidigungen anhören. Mal abgesehen von blödsinnigen, zudem faktisch falschen Aussagen wie „Ihr Vegetarierer esst unserem Essen das Essen weg“, „Ich esse nur, was zwei Augen hatte“ oder „Fleisch ist mein Gemüse“, die allesamt von Männern stammen, muss man auch Entschuldigungen über sich ergehen lassen wie: „Ich möchte gern, aber könnte das nicht“ oder „mein Mann würde mich verlassen, wenn ich kein Fleisch mehr kaufe (eine eigenartige Liebe!).“

Männer scheinen mit dem Verzehr von Fleisch Macht oder Männlichkeit zu imaginieren, als wäre mit dem Einverleiben eines Rinderstücks gleichzeitig die Erhöhung der Potenz auf Bullenniveau verbunden. Und wenn man schon vor lauter Emanzipation nichts mehr zu melden hat, dann kann man sich wenigsten 10 verkohlte Bratwürste gönnen und sich damit in den Zustand des Urneanderthalers imaginieren. Vor allem auf männerdominierenden Festivitäten darf das Spanferkel oder die Mastpute auf dem Grill nicht fehlen. Beobachtet man dort meine Geschlechtsgenossen, welche Glückseligkeit ihnen ins Gesicht geschrieben ist, wenn ihnen das Fett des Fleisches aus dem Mund quillt, zumeist kombiniert mit schwärmerischen Ausdrücken a la „so muss das“ oder „bringt den Salat mal den Frauen“ wird es in mir recht ruhig und es ist eines der Momente, wo ich mich schäme, Mann zu sein. Meist bringe ich dann den Salat zu den Frauen!

Zum Thema „Essen wegessen“: Um den gigantischen Fleischbedarf der Menschen abdecken zu können, benötigt es eine Fläche so groß wie Deutschland, Frankreich und Benelux-Länder zusammen (JCK). Da ein Großteil des Futters in Südamerika produziert wird, mussten dort gewaltige Teile des Regenwalds zerstört werden. Und auch folgende Zahlen sind interessant:

„24 Prozent der Weltgetreideernte landen in den Trögen des Nutzviehs, 13 Prozent landen im Biosprittank, nur 30 werden von Menschen verzehrt, und noch ein wenig mehr, nämlich 33 Prozent landen im Müll. VTH)“

Fleischlos leben – Ein Prozess

Fleischlos Leben und die Auseinandersetzung mit Vegetarismus sind ein Prozess. Soll heißen: Kein Fleisch zu essen ist zumeist nur der Anfang. In meinem Fall begann es – wie bereits oben beschrieben – mit maßloser Wut, wechselte zu Ekel und ging über in Unverständnis über die Gedankenlosigkeit der Zeitgenossen. Kein Fleisch essen bedeutet nicht, ein besserer, aber in vielen Fällen sicherlich reflektierterer Mensch zu sein. In den Gesprächen mit meiner Frau dachten wir immer wieder an unser altes Leben und hier vor allem die Unbedachtheit und Oberflächlichkeit, mit der wir Nahrung gedankenlos konsumierten. Von daher ist ein vegetarisches Leben zumeist immer auch eine Auseinandersetzung mit mir und meiner Umwelt, dem Klima, der Ernährung allgemein, aber auch mit Themen wie Umweltschutz oder philosophischen Themen. Es führt einen schließlich in Unverpacktläden und drosselt das Tempo beim Autofahren.

Alle Tiere wollen leben (Foto Arnold Illhardt)
Alle Tiere wollen leben (Foto Arnold Illhardt)

Sicherlich befindet man sich irgendwann, wie es heute so schön und zum Teil auch schön abwertend heißt, in einer Blase: Man liest natürlich eher Artikel, die sich für den Vegetarismus aussprechen und in diesem Zusammenhang mit einem milderen Umgang mit Umweltressourcen. Und das führt zu einem weiteren Gedankenfehler zum Thema Fleischlos leben: Es geht irgendwann nicht mehr darum, ob mit oder ohne Fleisch. Fleischesser mokieren sich gerne darüber, dass Vegetarier veganen „Aufschnitt“ oder „Hackfleisch“ aus Soja essen, weil sie das Fleisch letztendlich vermissen. Das ist falsch, wenn auch sicherlich individuell: Nein, ich vermisse kein Fleisch und auch nicht das Gefühl, in einen Stück Fleisch zu beißen. Auch reizt mich nicht mehr der Duft einer Hähnchenbraterei. Und seitdem ich folgendes (s.u.) gelesen habe, schon lange nicht mehr:

„Natürlich könnte der Verbraucher merken, dass sein Huhn nicht richtig schmeckt – wie gut kann ein mit Medikamenten vollgestopftes Tier schmecken? – deshalb kriegen die Vögel eine Injektion mit Bouillon oder Salzlösungen (oder werden sonst wie damit aufgepumpt), damit sie das bekommen, was wir für Aussehen, Geruch und Geschmack von Hühnchen halten. (JSF)“

Es ist inzwischen eher ein tiefes Gefühl von Abneigung, sogar Ekel, Fleisch berühren oder riechen zu müssen und ich vermisse weder den Geschmack von Leberwurst oder Salami, noch von Putenschnitzel, was ich früher als Fleisch ausschließlich gegessen habe. Vegetarismus ist somit kein Verzicht, sondern eine Veränderung oder Verlagerung der Ernährung. Ich würde sogar behaupten, dass es eine facettenreichere Ausweitung der Ernährungspalette ist, da fleischliche Ernährung oftmals in recht festgelegter Kombination erfolgt.

Der Prozess, sich ohne Fleisch zu ernähren, obliegt nicht nur einem ethischen oder philosophischen Anspruch und er hat nicht ausschließlich damit zu tun, dass einem Tiere leidtun oder dass man einer inneren Leitlinie folgt, nichts essen zu wollen, wozu einem Lebewesen Leid zugefügt wird. Vegetarismus, wie ich ihn verstehe, ist immer auch eine Art Baukastenprinzip bzw. folgt gewissen Logiken. Das bedeutet, dass für mich fleischlos leben auch bedeutet, die dadurch entstehende Umweltverschmutzung (eine pflanzliche Ernährungsweise ist zu einem Drittel umweltschonender als eine fleischbasierte – VEW), die Verseuchung des Grundwassers mit all den für die Zucht, Ernährung!!!, Abwehrstärkung, Entleerung!!! oder Ruhigstellung!!! der Tiere notwendigen Medikamenten minimieren zu helfen. Es bedeutet auch, Plastik zu vermeiden, nur noch selten zu fliegen, nicht bei Amazon zu bestellen oder bevorzugt im Bioladen einzukaufen. Es macht aber auch Spaß, aus wenigen Grundsubstanzen etwas Außergewöhnliches zu zaubern. Ich kenne Fleischesser, die eine medikamentöse Behandlung ablehnen und z.B. auf Antibiotika verzichten wollen, genau diese Medikamente bei ihrem Billigsfleichkonsum aber zum Teil tagtäglich zu sich nehmen – unreflektiert oder gnadenlos ausblendend.

Nicht Fisch und nicht Fleisch

Fleischlos Leben (Foto Arnold Illhardt)
Fleischlos Leben (Foto Arnold Illhardt)

Als gedrechselte Redewendung sagt man, wenn ein Aspekt nicht genau zugeordnet werden kann, es sei nicht Fisch und nicht Fleisch. Tatsächlich ist es sehr interessant, dass viele Menschen daher auch Fische nicht als Tiere betrachten, sondern als – ja was – Plankton mit Augen? Auch ich habe diese Denkverdrehung lange Zeit gepflegt. Vegetarier, die auf Fleisch verzichten, aber Fische essen, nennt man Pektarier. Klingt irgendwie anspruchsvoll. Fische können bei der Schlachtung nicht schreien, das erleichtert die Wahl dieser Ernährungsweise. Tatsächlich wird Fischen durch den Angelhaken die Kehle aufgeschlitzt und das Winden und Zappeln beim Aus-dem-Wasser-Ziehen hat nichts mit Freude über mehr Sauerstoffzufuhr zu tun. Für manche Angler scheint der Fischfang kein Beitrag zur eigenen Ernährung zu sein, sondern ein Spaßfaktor: Mal schauen, was so anbeißt. Neulich beobachtete ich einen Jugendlichen, der aus Ermangelung von mitgebrachten Eimern etc. den gefangen Fisch auf die Wiese legte und dort zappeln ließ; ich habe den Angler dann zum Ausgleich längere Zeit unter Wasser gehalten (kleiner Spaß). Natürlich können auch Fische Schmerz empfinden. Fische, die im großen Stil z.B. per Schleppnetz gefangen werden, sterben übrigens keinen sonderlich rühmlichen Tod: Sie werden massenhaft zerquetscht. Der Mensch ist da sehr erfinderisch, was seine sadistischen Künste anbetrifft. Daher sollte es natürlich auch Ziel des fleischlosen Lebens sein, auch Fisch von der Speisekarte zu streichen.

Auf die erhöhten Ansprüche mancher Menschen bei der Auswahl ihrer Nahrungsmittel, hat auch die Fischindustrie reagiert und daher Qualitätskriterien entwickelt. Eines davon heißt – schlauerweise – Aquakultur, was ja an sich schon als Begriff galoppierender Unfug ist, denn normalerweise muss man in einem gesunden Gewässer (was Aqua ja bedeutet) keine Kultur anlegen. Tatsächlich sieht eine Aquakultur so aus, dass man Fische auf engsten Raum z.B. in einem Fjord einpfercht, was dem quälerischen Kastenstand oder der Legebatterie gleich kommt. Somit schwimmen diese Fische in ihrer eigenen Scheiße, was im weiten Meer bedeutungslos wäre. Um die durch diese Enge entstehenden Krankheiten zu vermeiden, kippt man von oben massenhaft Medikamente in die Aquakultur. Im Grund müsste man Lachs in der Apotheke verkaufen. Bei vielen Fischen, wenn sie nicht schon vorher im großen Stil verendet sind, entstehen Missbildungen, was aber bei der weiteren Verarbeitung – so wie bei allen anderen Nutztieren – nicht auffällt. By the way: Der Lachs ist normalerweise nicht so lachsfarbend, wie wir ihn gerne essen. Die Farbe wird ins Wasser gegeben: Der Fisch ist also gefärbt. Genauso übrigens wie die Salami!

Hohes Ziel. Veganismus

Tiere und Würde (Foto Arnold Illhardt)
Tiere und Würde (Foto Arnold Illhardt)

Während beim Vegetarismus auf Fleisch verzichtet wird, lehnen Veganer alle vom Tier stammende Nahrungsmittel oder auch Kleidungsstücke wie z.B. Schuhe oder Lederjacken ab. Genauso wie Fleischesser ihren Ernährungsstil mit z.T. religiöser Überzeugung verteidigen und dabei mit einer arg reduzierten Argumentation auf die 4 N´s Natural, Necessary, Normal, Nice (zu Deutsch: natürlich, notwendig, normal, lecker/angenehm) verweisen, würden auch die Veganer meine Ausführungen kritisieren, da sie ihnen nicht weit genug gehen. Ich sprach von einem Prozess beim fleischlosen Leben und so änderte sich auch unsere Ernährung mit jeder neuen Einsicht in Richtung Veganismus. Inzwischen ist im Grund nur noch der Käse als tierisches Produkt übriggeblieben; leider sind mir manche Umstellungen auch aus Unverträglichkeitsgründen – noch – nicht komplett möglich. Viele unserer gekochten Gerichte sind inzwischen vegan, allerdings – im Gegensatz zu einigen Veganern – bestellen wir keine Zusätze aus dem fernen Ausland im Internet und leiern somit einen klimaungünstigen Prozess an, sondern versuchen nach Möglichkeit Lebensmittel aus der Umgebung zu nutzen. Statt Milch schmeckt die Hafermilch und auch der Joghurt – selbstgemacht – besteht aus Soja. Wir experimentieren noch! Prozess heißt auch, den Vorgang der Zubereitung zu beeinflussen. Manchmal entsteht der Eindruck, Veganismus wird vor allem eingesetzt, um maximal Contra geben zu können und sich damit auch von Vegetarierern als Ernährungspussies abzusetzen. Das finde ich sehr schade!

Sähe die Welt besser aus, wenn alle Veganer wären? Sicherlich! Wissenschaftliche Berechnungen zeigen mehr als positive Trends. Doch mit dem Veganismus, aber auch Vegetarismus ist es ähnlich wie mit anderen Utopien (Weltfrieden, Anarchismus oder Armutsbekämpfung): Es sind wundervolle Ansätze, aber schon mit unserem Nachbarn in Bezug auf fleischloses Leben nicht umzusetzen: Die Bratwurst oder das saftige Steak sind ihm heilig! Genauso wie es den Militärfirmen heilig ist, Geld mit Waffen zu machen oder es Politikern nie im Leben einfallen würde, die Macht auf alle gleichmäßig zu verteilen, also Ordnung ohne Macht zu schaffen. Dennoch ist jeder Ansatz, jede Veränderung, jeder überdachte Einkauf zu begrüßen, die Welt auch im Namen der Tiere gerechter zu machen.

„Unsere Reaktion auf die Massentierhaltung ist letztendlich ein Test dafür, wie wir auf die Schwachen, die Unsichtbaren, die Stummen reagieren – sie ist ein Test dafür, wie wir handeln, wenn und niemand zwingt, auf die eine oder andere Weise zu handeln. Man muss nicht konsequent sein, aber man muss sich mit dem Problem auseinandersetzen (JSF).”

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Nachdem ich diesen Text geschrieben habe, spürte ich zwar eine gewisse Erleichterung, aber auch eine große Müdigkeit. Möglicherweise werden mich einige Leser, mit denen ich Kontakt habe, auf den Text ansprechen und mich auf Ungereimtheiten oder Unstimmigkeiten aufmerksam machen. Viele Freunde von mir – nette Menschen – sind Fleischesser jeglicher Schattierung. Ich kann damit leben, auch wenn es mich mehr und mehr enttäuscht. Mir geht es nicht ums Missionieren, sondern ums Stören. Und dann fiel mir zum Schluss noch ein Gedicht ein, das diese Tage in dem Schaukasten (Schreyben & Sehen) vor unserem Haus hängt:

FLEISCH IST

NATÜRLICH NORMAL UND NOTWENDIG

DIE ABSTRAKTION GELINGT

DIE EURE KINDER GLAUBEN MACHT

FLEISCH WACHSE AN DEN BÄUMEN

UND NIE WÄRE BLUT GEFLOSSEN

UND NIE HÄTTEN KÄLBER GESCHRIEN

UM EURE EDLEN GRILLE

MIT BILLIGFLEISCH ZU FÜLLN

EURE LEFZEN SPEICHELN

BEIM ANBLICK EINES LAMMS AUF THYMIAN

GARNIERT MIT GLEICHGÜLTIGKEIT

WAS SCHLACHTEN WAS STREICHELN

MAN IST WAS MAN ISST

…………….. ARNOLD ILLHARDT

 Literatur

(ASS) https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/karnismus-die-psychologie-des-fleischkonsums

(BPB) https://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/bioethik/176364/tierethische-positionen

(FOC) https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/news/fleischkonsum-deutsche-essen-im-leben-mehr-als-1000-tiere_aid_670193.html

(JCK) Johann Christoph Klotter in der ZEIT: „Die Deutschen haben keine Esskultur“. 26.6.2020

(JSF) Jonathan Safran Foer: Tiere essen. Fischer 2015

RDP Richard David Precht in: Es kommt auf Leidensfähigkeit an. AZ 9.12.2016

(VTH) Valentin Thurn in Konkret 1/2015 – Brot für die Welt – Taste the waste