FAHRTENSCHREIBER – Psycho in der Bäckerei

Geschichten aus der Normalität

NFahrtenschreiber (Foto Arnold Illhardt)eulich in der Bäckerei. Die freundliche Verkäuferin wendet sich mir zu:

„Was kann ich für sie tun?“

Ich tue für einen Moment so, als befände ich mich noch im Entscheidungsprozess und sage dann: „Ich nehme die Elsässer Goldkruste.“

„Gerne“, freut sie sich über meine Wahl. „So oder geschnitten?“, hakt sie nach.

Eigentlich lasse ich Brot nie schneiden, aber da es ja heißt „Es geht weg wie geschnitten Brot“ antworte ich „Geschnitten, bitte.“

Ich achte auf ihren Blick: Die Zusatzaufgabe scheint ihr nichts auszumachen.

„Eher dünn geschnitten?“

„Ne, so mittel“, sag ich.

Mittel ist immer gut, außer in der Politik. Dann legt sie das Brot auf die Monsterschneidemaschine, stellt mittel ein und drückt auf Start. Das Geräusch kommt mir verdammt bekannt vor:

Dscht, dscht, dscht…

Ich frage sie in den Lärm hinein, ob sie Hitchcock kennt.

„Ist das ein Getränk?“ ruft sie durch das Dscht zurück.

„Ne“, sag ich, „das ist ein Regisseur.“

„Aha“, ist ihr Kommentar.

„Der hat u.a. den Film die Vögel gemacht“, rufe ich.

„Der hat einen Film über Vögel gemacht?“ fragt sie nach.

„Nein“, sage ich, „der Film hieß ´die Vögel´.“

„Kenne ich nicht“, sagt sie und tütet die Goldkruste ein.

„Na jedenfalls“, versuche ich meine Konversation zu einem glücklichen Ende zu bringen, „gibt es einen Film von ihm, Psycho heißt der, da gab es immer ein Geräusch wie bei der Brotschneidemaschine…Dscht, dscht, dscht….“

Während sie das Brot auf die Theke legt, starrt sie mich an. Ich muss sie mit dem Nachahmen des Dscht verwirrt haben.

„Macht Vierzwanzig“, sagt sie und ich habe das Gefühl beim Geldzurückgeben, dass sie mich merkwürdig findet. Beim Rausgehen blickt sie hinter mir her und ich denke, ich sollte künftig Alltagskonversationen etwas anders aufziehen.