Zwei Arten von Flüchtlingen
Wirtschaftsflüchtlinge sind manchmal arm und manchmal reich

Abgesehen von denen, die vor Verfolgung und Unterdrückung fliehen, gibt es zwei Arten von Flüchtlingen. Beide sind auf verschiedene Weise „Wirtschaftsflüchtlinge“.

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Die einen sind viele, die anderen wenige. Die einen möchten gern kommen, die anderen gern bleiben. Die einen fliehen vor aller Augen, die anderen versteckt und heimlich. Die einen haben nichts und hoffen auf eine bessere Zukunft. Die anderen haben viel und dennoch nicht genug. Die einen bezahlen kriminelle Schleuser, die anderen ehrenwerte Anwälte und Politiker. Wenn sie Fuß gefasst haben, tragen die einen zum Wohlstand ihrer neuen Gesellschaft bei. Die anderen profitieren vom Wohlstand ihrer Gesellschaft und bestehlen sie. Die einen sind Fremde und nicht gern gesehen. Die anderen sind wohlbekannt und geachtet. Für die einen gibt es Gesetze, die ihnen das Leben sauer machen. Für die anderen solche, die ihre Flucht ermöglichen und erleichtern. Die einen können auf der Flucht ums Leben kommen. Die anderen können am vergoldeten Schnitzel ersticken oder im Champagner ertrinken. Die einen fürchten sich vor dem Hass von Einheimischen. Bei den anderen drücken Einheimische oft ein Auge zu. Die einen bringen das Einzige mit, das sie haben, Willen und Mut etwas aufzubauen. Die anderen bringen das Wichtigste weg, das sie haben, Geld. Die einen sind arm, weil die anderen reich sind. Sie kennen einander nicht, aber sie haben miteinander zu tun. Die einen nennt man Armutsflüchtlinge oder Arbeitsmigranten, die anderen nennt man Steuerflüchtlinge.

Würde man den Steuerflüchtlingen ihre Fluchtlöcher stopfen, denen, die ihren Reichtum durch der Hände Arbeit anderer erworben haben, Firmen und Konzerne, Film- und Fußballstars, reiche Erben, Aktienbesitzer, Immobilienhaie und ihre Diener, fehlte es wohl nicht an Mitteln, um den Armutsflüchtlingen einen Start in ein neues Leben zu ermöglichen – oder besser: Würde der Reichtum der einen den Menschen der armen Länder gehören, brauchten die anderen vielleicht gar nicht zu fliehen.

P.s. Steuerhinterzieher und -vermeider betrügen uns um etwa 1000 Milliarden Euro – jedes Jahr und allein in der EU! Das ist das Fünffache des EU-Haushaltes.

Kontakt: juergen.buxbaum@querzeit.org

Jürgen Buxbaum

Jürgen Buxbaum