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Telgte startet Kirche 2.0

McChurch (Quelle: marysanawim.wordpress.com)

McChurch (Quelle: marysanawim.wordpress.com)

Allerorts wird über die Modernisierung der Kirche gesprochen und vor allem gestritten. Doch die Telgter wollen diesen Weg nun beschreiten und dem staubig anmutenden Glaubenskonstrukt ein Update verabreichen, damit es zukunftsfähig wird, endlich in der neuen Zeit ankommt und wieder ein Zuhause für viele vornehmlich junge Menschen wird.

In Zeiten der Kurzlebigkeit und Hektik in unserer Gesellschaft sieht Pfarrer Langenborn deutlich Handlungsbedarf und hat Großes vor, um seine Gemeinde wieder zu beleben. Zukünftig will er Messen sozusagen im Stakkato Takt anbieten, die quasi im Stehen abgehalten werden können: „Viele Leute kommen Sonntags gar nicht mehr. Die schlafen lieber aus, sitzen im Gasthaus oder in der Kaffeebar. Da müssen kürzere Gottesdienste her, und nicht mehr nur zu den üblichen Zeiten.“ Auf die Frage, wie das dann aussehen soll: „Zwei Lieder, ein Vater unser, eine kurze Ansprache und eine Segnung. Das muss reichen.“ Wenn es nach ihm gehe, sollte alles so bleiben wie es ist, aber die Zeiten ändern sich. Er beklagt, dass er einst als Pfarrer mit einer sehr tiefen und menschlichen Arbeit begonnen hat und sich inzwischen mehr als Kirchenmanager sieht, der seine ihm unterstellte Glaubensinstitution schon nahezu marktfähig gestalten soll und auch dem Bistum Zahlen vorzulegen hat, sind in der Vergangenheit doch viele Menschen aus der Kirche ausgetreten und steht diese nun unter einem erheblichen Erfolgsdruck. So kam es unter diesen schon lange schwelenden Veränderungswünschen im Bistum zu dieser Überlegung, die nun in Telgte erstmals in die Wege geleitet werden soll.

 

Drive Thru Teach Church (Quelle: churchleaders.com)

Drive Thru Teach Church (Quelle: churchleaders.com)

Außerdem, so sein weiterer Gedanke dieser angestrebten Neuerungen, will man für ganz Eilige eine Art Außenschalter einrichten, hatte St. Clemens doch mit den Parkmöglichkeiten für Gläubige direkt auf dem Kirchplatz in der Vergangenheit einen echten innerstädtischen Coup gelandet. Es erinnert ein bisschen an das letzte Raucherkino in Werne. Wer hat schon die Möglichkeit, bei der Messe direkt vorzufahren oder gar vor dem Hauptportal der Kirche zu parken? Dieser Umstand ist aber nicht nur den Pilgern und Fußgängern, die sich immer einen Weg zwischen den Autos bahnen müssen, wie auch der Stadtverwaltung, sondern mittlerweile auch den Kirchenleuten selbst ein Dorn im Auge, kam es doch in letzter Zeit bei immer mehr und größer werdenden Automobilen häufiger schon zu Rangeleien um Parkplätze unter den Gläubigen, die die Nächstenliebe noch nicht so ganz verinnerlicht haben, merkt Pfarrer Langenborn schmunzelnd an. Hier sei teilweise noch missionarische Arbeit notwendig. „Aber“, registriert er immer mehr in der letzten Zeit, „wer keinen Parkplatz mehr gefunden hat, fährt einfach wieder nach Hause und kommt nicht mehr.“

Aber das könne sich bald erledigt haben. Denn wenn die Umbauarbeiten von der Stadt genehmigt werden, würden ohnehin eine ganze Reihe von Parkplätzen direkt an der Kirche verschwinden, damit die durchfahrenden Fahrzeuge Platz haben, an den Außenschaltern der Kirche vorzufahren.

 

Segnung am Auto (Quelle: nwitimes.com)

Segnung am Auto (Quelle: nwitimes.com)

Dekan Drägemöller ist zusammen mit einer Fachgruppe bestehend aus Investoren und Architekten beauftragt, die Umbaumaßnahmen voranzutreiben und umzusetzen. „Stellen Sie sich das vor wie eine Art McChurch, ein DriveThru für Predigt und Seelsorge to go. Es sollen dann zukünftig je nach Jahreszeit und Feiertagslage zwischen drei und fünf verschiedene Beicht- und Segnungsmenüs angeboten werden, aus denen die Gläubigen dann wählen können. An der Außenmauer der Kirche, da wo jetzt die Parkplätze sind, soll dann neben dem Schalter ein Rondell in die Wand eingelassen werden, auf dem wahlweise die Mutter Gottes oder der Leib Christi herausgefahren werden kann, aber trotzdem immer noch im Innenschiff verfügbar sind. Praktischerweise, als hätte man schon früher daran gedacht, könne der kleine Bronze-Brunnen vor dem Hauptportal als Weihwasserbecken für alle wieder abfahrenden dienen. Einziger Knackpunkt sei nur noch die Außenbeschallung, um die Orgelmusik auf den Vorplatz zu übertragen.“

Auf die Frage, ob es nicht ein bisschen viel Verkehr würde für die engen Straßen der Altstadt, ist man sich einig, dass es nicht mehr als sonst auch würde, nur mit dem Unterschied, dass die Gläubigen auch schnell wieder verschwunden wären. So gesehen dürfte die verkehrstechnische Belastung eher abnehmen.

Bei der Einschätzung, wie man denn die Zukunft dieser Kirche 2.0 bewerte mit diesen von ihnen eingeleiteten Modernisierungsmaßnahmen, antworten beide unisono: „Na ja, deutlich besser als die einer Fast-Food-Kette. Wir haben schließlich keine aufgeschäumten Verpackungen oder sonstigen Restmüll, der anschließend auf den angrenzenden Straßen zu finden ist.“ Im Übrigen sei dies aber ein gängiges Konzept, das vielerorts in Amerika schon umgesetzt wurde, wo man sich ausgiebig hat inspirieren lassen. Zudem habe die Stadt Telgte schon mit der Ansiedlung der Fast-Food-Kette vor den Toren der Stadt Zukunftsfähigkeit und auch ernährungspolitische Verantwortung gegenüber unserer Jugend bewiesen. Dem wolle die Kirche nicht nachstehen und ist sich sicher, dass die Segnungen „to go“ einen reißenden Absatz finden werden und auch nicht schwer im Magen liegen.

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