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Petri Heil

Einsamer Angler (Quelle Fotocommunity)

Einsamer Angler (Quelle Fotocommunity)

Der Telgter Anglerverein und die AfD. Wilfried Hermesmeier wirkt tatsächlich sehr niedergeschlagen, als er zum vereinbarten Interviewtermin mit der TILD auf der Telgter Emsbrücke erscheint. Hermesmeier ist erster Vorsitzender des Telgter Angelsportvereins „Barbe-Crew“ und seit vielen Jahren aktiver Angler. Auf unsere bange Frage, ob er sich Sorgen um den Nachwuchs mache, weil in hektischen Zeiten nur noch die wenigsten Menschen in der Lage sind, stundenlang am Fluss zu stehen und die Strömung zu schauen, schüttelt der Mittfünfziger den Kopf. „Nein, das Problem ist die AfD.“ Für diejenigen, die aufgrund der sehr naturverbundenen Passion des Fischefangens vom Zeitgeschehen nicht so viel mitbekommen, sei erklärt, dass es sich bei dieser Abkürzung um eine Art Partei mit dem vollständigen Namen „Auch für Du“ handelt, wobei sich inzwischen auch Sektenbeauftragte um die absolut rechtsdrehende politische Organisation mit auffälliger Zerwürfnistendenz kümmern.

Der Anglerverein, den lediglich die Tatsache, im Trüben zu fischen, mit der rechtspopulistischen Jammerpartei, vereint, war schon immer unpolitisch, doch nun habe man aufgrund der großen Führerin der AfD Frauke Petry ein aus- wenn nicht sogar hausgemachtes Problem. In Anlehnung an den Apostel und Fischer Petrus, der allerdings später auf Menschenfischen umschulte, existiert schon seit Menschengedenken die Grußformel der Fischer und Angler „Petri Heil“. Hermesmeier ist den Tränen nahe: „Solange ich denken kann, hat dieser Gruß etwas sehr Zusammenschweißendes und Verbindendes und nun wird er durch diese „….“ (von der Redaktion geschwärzt) in rechtsradikales Brackwasser gezogen. Niemand von uns kann ohne gutem Gewissen den Gruß Petri Heil mehr aussprechen.“ Die Angst ist verständlich, doch ist es nicht nur der Gruß, der Hermesmeier bekümmert. Bei dem letzten, wenn auch völlig schnarchigem AfD-Aufmarsch in Oelde, bei dem auch zahlreiche Oberrechtsdreher teilnahmen, tauchten Plakate mit der Aufschrift „Angeler, abdanken!“ auf. „Was haben wir getan, dass man gegen uns ist“, schluchzt der Vorsitzende des Vereins und Tränen kullern ihm über sein von der Sonne gegerbtes Gesicht. Glücklicherweise konnte unser Reporter vor Ort beschwichtigen und die Sache klarstellen. Da die selbsternannten Patrioten große Rechtsschreibschwierigkeiten haben und die deutsche Sprache nur rudimentär beherrschen, wird schon mal aus Angela (Merkel), die eigentlich gemeint war, Angeler. Nach dieser Klärung, die von unserem Interviewpartner mit großer Erleichterung aufgenommen wurde, tranken wir mit Hermesmeier noch ein paar Küstennebel im Wilden Mann und dachten schon mal vorsorglich über einen neuen Gruß nach. „Köder plumps“ war der letzte Stand, aber da waren auch schon ein paar Küstennebel zu viel im Spiel!

Arnold Illhardt

Arnold Illhardt

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