Gefährliche Propaganda

RaDIES (Propagandaschrift der Salatartisten) (Foto und Bearbeitung: Thomas Esche)

RaDIES (Propagandaschrift der Salatartisten) (Foto und Bearbeitung: Thomas Esche)

Schon seit einigen Wochen tauchen neuerdings immer wieder sporadisch Mitglieder der verbotenen Gruppe der Salatartisten vor dem Schulzentrum auf. Dabei handelt es sich um eine besondere Form des militanten Veganismus, erklärt Schuldirektor Herbert Schelle völlig fassungslos, so etwas selbst miterleben zu müssen. „Die versuchen durch Verteilen von Möhren, Fenchel oder Rettich an die Schüler oder mit dem Jonglieren von Melonen auf dem Kopf die Halbwüchsigen zu beeindrucken und von ihrer Sache zu überzeugen. Wir haben außerdem schon einen ganzen Karton voll dieser Hetzschriften, die sie den Schülern zustecken, wieder eingesammelt.“ Dabei zeigt er eine dieser Propagandaschriften mit der martialischen Aufschrift „RaDIES“.

„Ich habe zufällig mit angesehen, wie einer dieser Salatartisten vor einem Schüler seine Jacke öffnete. Der hatte am ganzen Oberkörper Tofu-Packs hängen und zeigte dies ganz stolz dem Jungen“, schildert Birgit Hasenmeier, Englischlehrerin und Konrektorin, immer noch ganz benommen von diesem Ereignis. „Und das hier vor der Schule. Mir ist fast das Herz stehen geblieben.“ Doch geistesgegenwärtig drückte sie die Pausenglocke und holte damit die Schüler wieder ins Schulgebäude zurück. Weiterhin weiß sie noch zu berichten, dass der 17-jährige Sohn einer Freundin schon im letzten Jahr von heute auf morgen einfach so über Nacht verschwunden sei. Keiner hätte mitbekommen, dass er sich radikalisiert hätte, außer dass man nach seinem Verschwinden eine Ausgabe der „RaDIES“ und Reste von tofufähigem Soja in seinem Zimmer gefunden hätte. Die Polizei sei alarmiert und habe eine Großfahndung herausgegeben. Ihre Freundin sei wohl der Meinung, dass er inzwischen schon auf einer der großen Soja-Plantagen in Südamerika sei und dort zu einem Tofu-Attentäter ausgebildet wird. Ihre Freundin mache sich nun große Sorgen, ob der Junge jemals wieder gut genährt zurückkomme.

Auch Bernhard Schwienemöller, Chef der Schulkantine, ist schockiert. „Ich habe schon Schweinefleisch für Wochen eingefroren. Und die wollen mir das jetzt madig machen. Ich habe aber keine Angst vor diesen ollen Melonenköppen. Wenn die hier nochmal auftauchen, können die sich schonmal warm anziehen“, zeigt er sich kämpferisch. Und dann, schon fast mit Tränen in den Augen, weist er auf ein Bild an der Wand, das lecker zubereitete Haxen nebst Sauerkraut zeigt und gibt zu bedenken: „Das glückliche deutsche Mastschwein kann doch nicht umsonst gestorben sein.“

„Das können wir nicht hinnehmen, dass unsere Jugend zu Selbst-Tofu-Attentätern oder auch zu Gemüse-Sympathisanten radikalisiert werden“, ergänzt Schuldirektor Schelle. „Wir haben natürlich sofort reagiert und Polizei und Verfastungsschutz eingeschaltet.“

Nach Tagen der Aufregung ist nun wieder Ruhe am Schulzentrum eingekehrt, und es wurden auch in der Umgegend keine weiteren Anhänger der Salatartisten mehr gesichtet. Ob dies nur die bekannte Ruhe vor dem großen Ansturm auf das Salatbuffet ist oder die Observationen des Verfastungsschutzes tatsächlich die Grünkernrattacken haben eindämmen und die verfastungsfeindlichen, veganen Agrarzellen ausheben können, bleibt abzuwarten.

Im Schulzentrum selbst ist das Lehrpersonal jetzt sensibilisiert und hat zukünftig ein noch wacheres Auge als bisher schon, auch auf die mitgebrachten Speisen und Snacks der Jugendlichen, um im Zweifelsfall schnell reagieren zu können.