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Bürgermeisterzeit

TSDS – Telgte sucht den Supermeister. Bald sind Bürgermeisterwahlen in Telgte! In den Ring treten der amtierende GRÜNE Wolfgang Pieper und der importierte Bernd Wittebrock aus Warendorf. Unverstellt aufgestellt von der CDU! Meister wissen eben wie´s geht – Hauptsache die Kette glänzt!

ein TILT – SPECIAL zur Wahl (reimt sich übrigens)

Denke ich an Bürgermeister im Speziellen und Allgemeinen fallen mir spontan drei Dinge ein:

  1. Eine Schiffspassage auf dem Nil: Jeden Tag um 12Uhr drückte mir Eddy (82 Jahre), der einzig ernstzunehmende Passagier auf dem Schiff, ein Bier in die Hand und stieß mit den Worten an „Et is Buernvaagttied“ . Übrigens auch in Zeiten akuter Diarrhöe! Was Biertrinken um 12Uhr, zudem in Afrika, mit Bürgermeistern zu tun hat, erschließt sich mir nur schemenhaft. Mir schwant allerdings Böses!
  2. Die Bürgermeisterkette, die immer so aussieht, als stamme sie aus der Grabbelkiste bei H&M (was ja auch ´ne Kette ist).
  3. Der Meister, worunter ich ein Person des Berufslebens verstehe, der sich a) in dem Laden auskennt und b) halbwegs Ahnung von der Materie hat (oder zumindest so tut). In der Regel tragen Meister graue Kittel. Da ich den überwiegenden Teil meines Berufslebens in Krankenhäusern zugebracht habe, kenne ich dort eher „Meister“ mit weißen Kitteln, die darin mehr oder weniger zugeknöpft wirkten.
Meisterkittel (Quelle mewa.de)

Meisterkittel (Quelle mewa.de)

Bürgermeister tragen in der Regel keine grauen Kittel, dafür aber bei besonderen Anlässen schwarze Anzüge und – wenn´s superwichtig ist – besagte Blechumhänge, wodurch sie vermutlich noch wichtiger erscheinen. Normalerweise können sie drei bis sechs flüssig gesprochene Sätze auf die Kette (Wortspiel!) kriegen. Im Fall des amtierenden Bürgermeisters meiner Stadt Telgte ist es sogar so, dass das ganze obendrein Unterhaltungswert und inhaltliche Dichte hat, was, wenn man den ganzen Tag knochentrockene Behördenluft atmet, vermutlich ein Balanceakt erster Güte ist. Übrigens das ganze 100% krawattenfrei! Das Video allerdings, auf dem er und sein Fahrrad die Hauptrolle spielen, erinnert eher an frühe Sandmännchenversionen; da war er sicherlich schlecht beraten.

Wolfgang Pieper (Quelle vebidoo.com)

Wolfgang Pieper (Quelle vebidoo.com)

Da der Meister einer Stadt (es gibt manchmal sogar Obermeister) vom Volk gewählt wird, womit wenigstens die kommunale Demokratie etwas gestärkt werden soll (Nachsatz: wenn´s schon mit der staatlichen Demokratie nicht so gut klappt), habe auch ich ein Wörtchen mitzureden, wer in meiner Stadt demnächst das Sagen hat. Übrigens habe ich bei der letzten Wahl für unseren Bürgerwolfgang gestimmt, weil er ein sympathischer Mensch und kein Großkotz wie der Vorgänger ist, ich mit ihm großgeworden bin und weil er die Stadt kennt; schließlich ist er hier aufgewachsen. Dass er auch Grüner ist, hat zwar in gewisser Weise einen Alienbonus, ist mir aber Schnuppe, da die Partei, die ich wählen würde, wenn ich müsste, gar nicht existieren könnte. Das ist jetzt schwierig, aber was ist schon einfach.

Meister Proper (Quelle funnyjunk.com)

Meister Proper (Quelle funnyjunk.com)

Soweit ich das überblicken kann, hat der bisherige Gemeindevorsteher gute Arbeit geleistet. Klar gibt’s immer was zu meckern, aber dafür sind solche Schultheiße vornehmlich da. Zum Drübermeckern! Die Mitglieder der Partei, der er angehört, finden meistens alles toll, was er macht, während die anderen, die eine Legislaturperiode lang eingeschnappt sind, dass keiner aus ihren Reihen die Silberkette trägt, dagegen alles blöd finden. Übrigens auch dann, wenn es eigentlich nicht blöd war. Das Dagegensein ist in der repräsentativen Demokratie das A und O!

Nun könnte man ja sagen: Ok, wenn´s mit dem Bürgermeister so gut läuft, behalten wir ihn doch einfach. So schnell findet man ja auch niemanden, der in der Lage ist, eine Stadtverwaltung nebst Rat zu führen, Verantwortung für Beschlüsse zu übernehmen, die Gemeinde zu vertreten, sachgerecht Weisungsaufgaben zu übernehmen, gut auszusehen, auf dem Boden geblieben zu sein und dann noch ergreifende Reden halten zu können. Bei einigen Stadtvertretern fängt das mit dem Sandmännchen ja schon beim Anblick an! Aber die Demokratie sieht regelmäßige Wahlen vor, was auch gut so ist, damit solche Meister der Bürger nicht faul und gefräßig werden, nur noch auf Stadtkosten Saufereien veranstalten und ansonsten den dicken Max raushängen lassen. Eine solche Neuwahl bedeutet allerdings: Man, d.h. in diesem Fall die anderen Parteien, haben einen Gegenkandidaten! Nun gibt es zwar in der Regel jede Menge Politnix mit großer Klappe, allerdings wenige mit ausreichendem Durchblick und kognitiver Bandbreite.

Yoda Yedi Meister (Quelle youtube.com)

Yoda Yedi Meister (Quelle youtube.com)

Genau eine solche Situation scheint nun in Telgte eingetreten zu sein. Die anderen Parteien, also CDU, SPD und FDP sind in sich gegangen, ganz tief in sich gegangen, um beim Wiederherauskommen festzustellen: wir haben einfach keinen Gegenkandidaten. Jedenfalls keinen aus den eigenen Reihen. Das ist natürlich ein lausiges Ergebnis! Und damit man nicht ganz so nackich im Wind steht, dachte man über eine Surrogatlösung nach. Also so eine Art Zuckeraustauschstoff. Das wirft natürlich kein gutes Licht auf die Kompetenz der hier ansässigen Volkserwählten, aber ist nun mal politischer Alltag und wird ja auch seit Jahren beim Fußball so gehandhabt. (Gibt es eigentlich noch Original-Schalker?) Die SPD, das sind die mit dem verblichenen Rot, setzen auf Grün, die FDP, das sind wiederum die mit den geklauten IKEA-Farben, schauen farblich und auch sonst in die Röhre, während sich die CDU, das ist schlussendlich die Partei, die ihr Schwarz orangiert hat, damit sie nicht ganz so dröge und eintönig wirkt, auf die Suche begab. Man kann sich regelrecht vorstellen wie eine bürgermeisterkandidatlose Truppe von Konservativlingen Trübsal blasend von Ort zu Ort zog, an Türen und Tore klopften und nach einem willigen Bürgermeister fragte: Warum den Kirchturm im Dorf lassen, wenn die Glocken auch woanders läuten (leicht verfälschte Darstellung einer von Politikern häufig gebrauchten Floskel). Es soll inzwischen sogar Bürgermeisterbörsen geben – für gebrauchte und frische. Es mag sich aber auch um eine fehlgeleitete Information – die gibt es in der Politik ständig – handeln.

Bernd Wittebrock (Quelle youtube.com)

Bernd Wittebrock (Quelle youtube.com)

Da man im benachbarten Warendorf nicht nur gut zu Pferd, sondern auch politisch schwarz bis in die Sockenspitze ist, wurde man fündig. Hier werden sogar harmlose Künstler vom Staatsschutz verfolgt, weil sie Freiheitsmelder im Ort installiert hatten. Also ganz großes Kino! Zuviel Freiheit findet man dort offenbar staatsgefährdend. Wie auch immer: Die Telgter CDU stieß auf Bernd Wittebrock oder er auf sie. Das ist schlecht überliefert. Wittebrock verfügt nicht nur über einschlägige Erfahrungen mit der Politfarbe Schwarz, sondern war im Gegensatz zum früheren Telgter Bürgermeister Dr. Meendermann, den man auch aus WAF rübergekarrt hatte, auch direktemang bereit, im Falle einer Erwählung zum Rathauschef nach Telgte zu ziehen. „Mein Nachteil ist mein Vorteil“, sagte Bernd Wittebrock in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Glocke“. Und weiter: „Ich habe einen unverstellten Blick von außen auf die Stadt und bin niemandem einen Gefallen schuldig.“

Bürgermeisterkette (Quelle augsburger-allgemeine.de

Bürgermeisterkette (Quelle augsburger-allgemeine.de

Und hier beginnt mein Problem vehement an die Schädeldecke zu klopfen! Es ist zwar eine begrüßenswerte psychotherapeutische Strategie, aus Nachteilen Vorteile erwachsen zu lassen, ein wahrhaft ressourcenorientiertes Vorgehen, aber ich frage mich allen Ernstes (mal abgesehen von der Frage, ob man wirklich einen Bürgermeister braucht), worin der Vorteil liegt, null Ahnung von einer nicht ganz kleinen Stadt wie Telgte zu haben. Man muss ja nicht zwingend hier geboren sein, doch ein gewisser Durchblick in die Trans- und Interaktionen der hiesigen Bürger wäre doch begrüßenswert. Um nicht zu sagen: DRINGENDE VORAUSSETZUNG!

Meister überhaupt (Quelle trollinger-marathon.de)

Meister überhaupt (Quelle trollinger-marathon.de)

Ich für meinen Teil habe daraus gelernt und bewerbe mich jetzt als Meister bei Winkhaus; die produzieren u.a. Schließtechniken. Ich hab davon zwar keine Ahnung, aber was soll´s: Ich kann immerhin Schlüsse ziehn! Das sollte doch fürs erste reichen und ist ganz klar – unverstellt!

Arnold Illhardt

Arnold Illhardt

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