Kabarettabend mit Hagen Rether
Telgte, Bürgerhaus 25.4.15

Wenn Kabarett nicht nur lustig, sondern von nachhaltiger Wirkung ist, dann handelt es sich entweder um eine Ausnahme, oder um Hagen Rether. Unser Lieblingszitat: Warum tuen die das? Ich verstehe das nicht!

Hagen Rether (Quelle WN Telgte)

Hagen Rether (Quelle WN Telgte)

Telgte. Es sei vorausgeschickt: Ich finde den überwiegenden Teil des deutschen Kabaretts langweilig und nichtssagend. Wenn man sich zum hundertfünfzigsten Mal darüber belustigt, dass Frauen so ticken und Männer anders, dass Frau Merkel schlechtsitzende und zudem farblose Hosenanzüge trägt und warum die Hose von Pep Guardiola, den ich nicht einmal kenne, gerissen ist, dann stirbt das Lachen irgendwo noch kurz vor dem Mittelohr den Tod der Unlustigkeit. Aber man kann ja entscheiden, ob man sich das antut oder nicht.

Wir entschieden uns bewusst für Hagen Rether, da er einer der wenigen Kabarettisten in Deutschland ist, der mit einem hohen Maß an Authentizität sogar knapp vier Stunden aus seinem Klavierstuhl heraus über die Wohlstandsverwahrlosung unserer Gesellschaft lamentieren kann, ohne dass es langweilig wird. Sicherlich müsste man anfügen: Uns langweilig wird bzw. wurde, denn so manchem Gast im Publikum sah man an, dass das Lachen im Gesicht eingefroren war.

Man war versucht, den meisten seiner bissigen Kommentare mit stehenden Ovationen Beifall zu zollen, auch wenn man sich hin und wieder kalt erwischt fühlte z.B. was den unreflektierten Fleischverzehr anbetrifft, bei dem die entsetzlichen und industrialisierten Methoden der Schlachtung komplett ausgeblendet werden. Rether drosch nicht, wie anderswo gewohnt, auf Politiker ein, sondern hielt dem Publikum einen scheunentorgroßen Spiegel vor. Es ist einfach und lenkt vor allem von der eigenen Unzulänglichkeit ab, wenn man die Schuld für die Miseren, derer es nur zu zahlreiche gibt, bei anderen, vor allem gesellschaftlich anerkannten Halunken (Politiker, Schwule, Islamisten) sucht.

Fazit: Rether als Politiker? Eine sympathische Vorstellung, aber auf seine ganz eigene, eben kabarettistische Weise kommt hundert Mal mehr Botschaft rüber als bei dem gehaltlosen Geschwätz der meisten Staatsleute, egal welcher Couleur!

 

Arnold Illhardt

Arnold Illhardt