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Inspiration im Garten der Sterne
La Palma, das traumhafte Ende der Welt

Blick vom Roque de los Muchachos La Palma (Foto: Thomas Esche)

Blick vom Roque de los Muchachos La Palma (Foto: Thomas Esche)

Die Kanareninsel La Palma wird auch gerne die Isla Bonita genannt, was zu einem großen Teil auch daher rührt, dass die Insel mit seinen knapp 90.000 Einwohner eine Gelassenheit ausstrahlt und damit zu einem glücklicherweise nur überschaubaren Tourismus geführt hat.

 

Flohmarkt in Argual La Palma (Foto: Thomas Esche)

Flohmarkt in Argual La Palma (Foto: Thomas Esche)

Touristischer Prolog

Wir sind vor Jahren schon einmal auf La Palma gewesen, weil uns der Touristenstrom auf den übrigen Kanareninseln irgendwann zum Halse raushing und hatten dann auf der nordwestlichsten der sieben Inseln eine Ruhe vorgefunden, wie man sie als Neuling auf der Isla Bonita erst einmal nicht erwartet. Doch dieses Mal war alles ein bisschen anders. Die Unbereisbarkeit der Türkei hat viele Touristen nach Spanien und die Balearen ausweichen lassen, was zur Folge hatte, dass ein Stühlerücken im spanischen Tourismus deutlich zu spüren war. Die Balearen sind inzwischen zu teuer und ausgebucht. Auch das spanische Festland und die Kanaren profitieren, wie auch eine letzte Welle dieser Verschiebung nach La Palma schwappte. So war es auch nicht verwunderlich, irgendwann auf den typischen Ballermann-Pauschaltouristen zu treffen, der in La Palma und Palma di Mallorca nicht nur eine Namensverwandtschaft wähnte, und nun mondäugig verschreckt auf dem Plaza Espana in Los Llanos stand und feststellen musste, dass La Palma abends um 22 Uhr schließt. Doch diese waren nur Einzelfälle.

Wer aber Ruhe sucht, Entspannung und ein Stück weit Abgeschiedenheit, der ist hier richtig. Nicht umsonst ist La Palma die Insel der Aussteiger, der Natur- und Ernährungsbewussten, wie auch der Esoteriker. Typen der Marke ‚Tom Hanks‘ in „Castaway“ sind hier kein Mythos und tatsächlich noch anzutreffen, wenn sie auf dem Flohmarkt in Argual bei Los Llanos ihren selbstgeklöppelten Armschmuck oder Ähnliches feilbieten.

 

Die Unterkunft in La Punta La Palma (Foto: Thomas Esche)

Die Unterkunft in La Punta La Palma (Foto: Thomas Esche)

Das Haus in La Punta

Unser Haus liegt knappe drei Kilometer Luftlinie von Los Llanos entfernt direkt am Meer in La Punta. Die Fahrt dorthin ist aber deutlich länger, weil wir einmal durch die Caldera, der großen Schlucht im Westen der Insel, müssen. Also gute 25 Minuten für ungefähr 15 Kilometer. Auch wenn unser Haus am Meer liegt, haben wir keinen Zugang zum Strand, der sich ca. 160 Meter unter uns befindet und eh nur steinig ist. Nun muss man dabei wissen, dass La Palma neben Puerto Naos, Puerto Tazacorte und seit neuestem Santa Cruz nur über wenige Badestrände verfügt. Ansonsten ist die Insel von Steilhängen gekennzeichnet. Wie schon erwähnt liegt unser Haus direkt am Meer, weit hinter den Bananenplantagen versteckt. Es gibt nur eine Zufahrt und von daher auch keinen Verkehr.

Die Lage ist traumhaft, und durch den vorgelagerten Felsen, auf dem sich das Haus befindet, ist ein ungehinderter Blick entlang der westlichen Küste in Richtung Norden bis Puntagorda und im Süden bis Fuencaliente möglich und echt einmalig. Doch wenn Sonne und Mond (irgendwann gegen Mitternacht) untergegangen sind, sieht man erst einmal – nichts. Gar nichts. Damit muss man als paranoider Zivilisationszombie erst einmal klarkommen. Keine Autogeräusche, kein Brummen oder Summen irgendwelcher Geräte, keine Stimmen oder Gesprächsfetzen aus Nachbargärten. Keine Laterne, die von irgendwoher Licht durchs Fenster wirft. Vielleicht anfangs einmal nachts das Licht des Handydisplays, das vergessen wurde abzustellen und jetzt meldet, immer noch kein Netz gefunden zu haben und damit die Illusion nährt, auf einer einsamen Südseeinsel gestrandet zu sein, fernab aller Zivilisation. Doch wer aufsteht und vors Haus tritt, wird aus dem Staunen nicht herauskommen. Ich bin gleich schon in der ersten Nacht auf den Beinen, um den Sternenhimmel nebst gut zu erkennender Lichtstraße zu bewundern. So viel unaufdringliches Licht und so viele Sterne sind bei uns aufgrund der Lichtverschmutzung schon nicht mehr zu sehen. Dafür ist La Palma bekannt und beliebt.

 

Unsere Unterkunft in La Punta La Palma (Foto: Thomas Esche)

Unsere Unterkunft in La Punta La Palma (Foto: Thomas Esche)

Zum Anwesen dazu gehört ein Pool zur alleinigen Nutzung, was FKK-Baden möglich macht, wenn der Poolwärter, einer der Plantagenarbeiter, nicht alle Nase lang auftaucht. Dieses Mal, anders als vor Jahren, hat er sich glücklicherweise zurückgehalten. Möglicherweise gab es schon einmal Beschwerden. Das Haus selbst ist eher schmucklos und dem Himmel und besonders dem Wetter sei Dank, verbringt man die meiste Zeit doch eher draußen auf der Terrasse. Im Haus, das war auch schon vor Jahren so, sind Mäuse und Kakerlaken heimisch. Lebensmittel müssen also gut verpackt weggeschlossen werden. Der unübersehbar in die Jahre gekommene Kühlschrank wird mit Gas betrieben, was mir immer wieder beim Anblick doch ein gewisses Gruseln bereitet. Das Bad ist zweckmäßig und … na ja, benutzbar. Was viele Kanarenbesucher schon kennen, ist auch hier so. Papier darf nicht, wegen der Gefahr der Verstopfung, in die Toilette geworfen werden. Dafür steht ein Behälter daneben bereit. Wir haben es sofort in altes Zeitungspapier gewickelt und raus in den Müll gebracht. Man gewöhnt sich dran. Nicht allerdings, dass man trotz fehlendem Papier im Lokus immer noch einmal mit einem Eimer Wasser nachspülen muss. Im Bett konnte man schlafen, und die meisten Urlauber werden die Unterkünfte auf der Insel auch eh nur dafür nutzen, weil sie tagsüber auf den Beinen sind und die Landschaft erkunden. Das Haus, das man muss es einfach mal neidlos anerkennen, ist eher was für eine komplette Sanierung oder für die Abrissbirne und mit 90 Euro am Tag doch etwas überbezahlt. Auch der grandiose Ausblick kann manches Mal nicht über die Mängel hinwegtäuschen.

Einen weiteren Vorteil hatte die alleinige Lage am Fuße der Plantagen. Hier gab es neben Bananen auch andere Früchte, die bereits und vor allem reichhaltig von den Bäumen bzw. Sträuchern fielen. Neben Kakis, Mangos und auch Avocados, waren es besonders Mandarinen, vor denen wir uns kaum retten konnten, um sie alle verzehren zu können. Die Chirimoyas waren mir einen Tick zu süß und die Papayas an den Bäumen noch nicht reif.

Wissen, dass La Palma nicht unbedingt ein kulturelles Erlebnis-Highlight ist, habe ich mir vorgenommen, neben einigen Ausflügen, hier auf der Terrasse kreativ an Texten und der Umsetzung anderer Visionen zu arbeiten. Sozusagen als Inspiration beim Anblick des Meeres und dieses gigantischen Sternenhimmels, der sich nachts entfaltet. Wenn nicht hier, wo dann?

 

Cueva de Candelaria La Palma (Foto: Thomas Esche)

Cueva de Candelaria La Palma (Foto: Thomas Esche)

Cueva de Candelaria

Jeder hat diese Höhlen schon einmal irgendwo auf einem Bild gesehen. Es ist das Höhlenvorzeigemodel La Palmas. Höhlen, in denen früher Schmuggler ihre Waren versteckten. Das ist natürlich längstens vorbei. Auch die Zeit, in denen Aussteiger in den jetzt noch existierenden Häusern gewohnt haben, sind inzwischen Vergangenheit. Einige dieser Wohntoiletten mit Kochnischen sind heute zu verkaufen und dienen eigentlich nur noch als Wochenenddomizil. Attraktiv an diesem Kleinod in den Felsen ist die kleine Bucht, in der auch gebadet werden kann. Der Weg über Land dorthin ist allerdings etwas abenteuerlich. Die Straße runter von Tijarafe ist eng und massiv verschlungen. Höchste Konzentration ist erforderlich und nicht überall schützen Leitplanken vor einem Absturz.

Unten angekommen laufen wir locker flockig den Fußweg hinunter zu den Höhlen, der ebenfalls serpentinenartig noch knappe hundert Meter an der Küste bis in die Bucht führt, die erst hinter der letzten Biegung sichtbar wird und für ein Staunen sorgt. Und als wir langsam durch diese kleine Ansammlung von Häusern laufen, fällt sogar eine kleine Bühne in der Höhle auf, die dieser Urbanisation einen gewissen Charme verleiht.

Einige Leute schwimmen gerade in der Bucht und versichern, dass das Wasser angenehm warm ist. Doch wegen Lottchen, unserem Hund, entscheiden wir uns dann doch nicht für ein Bad und machen uns nach einem Rundgang wieder langsam auf den Rückweg. Es sind nur 23 Grad. Doch als wir um die Ecke aus der Höhle ins Sonnenlicht treten, wird es unangenehm warm und die Sonne brennt auf dem Pelz. Und so steil, wie der Fußweg sich jetzt vor uns ausbreitet, haben wir ihn beim Weg herunter gar nicht in Erinnerung. Wir kommen schwer atmend und schweißgebadet oben am Auto an, und ich komme mir vor wie eine verwöhnte und völlig deplatzierte Großstadt-Pussy und schaue neidisch auf die Älteren, die mit ihren Kletterstöcken offenbar mühelos und grinsend an uns vorbeiziehen. Es wird Zeit, mal wieder ein wenig an Sport und Bewegung zu denken. Dies war der Anfang.

 

Cerveseria Isla Verde Tijarafe La Palma (Foto: Thomas Esche)

Cerveseria Isla Verde Tijarafe La Palma (Foto: Thomas Esche)

Kleine Brauerei „Isla Verde“

Am Abend belohnen wir uns für diese Anstrengung mit einem Essen in der kleinen Brauerei „Isla Verde“, an der Ausfahrt von Tijarafe in Richtung Los Llanos, beim Anblick des Sonnenuntergangs über Küste und Meer. Und getreu dem Motto: Das erste Bier verdampft nach dieser Anstrengung eh auf der Zunge, wird auch gleich sofort das nächste bestellt. Es ist nach belgischer Brauart hergestellt und alles andere als vergleichbar mit anderen Bierarten. Aber eines auf jeden Fall – süffig.

 

 

Mirador de las Mimbreras La Palma (Foto: Thomas Esche)

Mirador de las Mimbreras La Palma (Foto: Thomas Esche)

Mirador de las Mimbreras

Der Aussichtspunkt im Norden der Insel ist über eine Nebenstrecke von Barlovento aus zu erreichen, die sich serpentinenartig durch die Berge zieht und an dessen Rand es erschreckend steil hinabgeht, manchmal auch ohne Leitplanken. Vor und hinter dem Aussichtpunkt mit tollem Ausblick über die Küste nebst darunterliegenden Wolken gibt es jeweils einen Tunnel, die beide den Eindruck erwecken, als seien sie nur mit kleinem Werkzeug aus dem Stein gekloppt. In beiden Tunneln sollte man Gas geben, nicht etwa wegen des architektonisch zweifelhaften Konstruktes, als vielmehr damit man nicht durch Gegenverkehr gezwungen ist, zurücksetzen zu müssen. Denn die Breite reicht gerade für ein Fahrzeug. Breite Protzfahrzeuge oder Lieferwagen haben schlechte Karten, denn im Tunnel lassen sich die Türen dann nicht mehr öffnen. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob Wohnmobile hier überhaupt durchkommen würden. Klaustrophobe Zeitgenossen sollten vielleicht alternativ den Wanderweg hinauf von der Hauptstraße in Erwägung ziehen.

 

Puerto Naos La Palma (Foto: Thomas Esche)

Puerto Naos La Palma (Foto: Thomas Esche)

Puerto Naos

Der schwarze Strand von Puerto Naos ist einer der wenigen Badestrände auf La Palma und Grund dafür, dass sich hier ein großer Hotelkomplex für Pauschaltouristen angesiedelt hat. Überhaupt erweckt der kleine Ort ein wenig den Eindruck, speziell für den Tourismus aus dem Boden gestampft worden zu sein. Gott sei Dank sind hier auf ganz La Palma keine hohen Bettentürme gebaut worden, wie man sie auf Teneriffa oder auch Gran Canaria findet. Hier lässt sich der Mitteleuropäer am Strand in der Sonne braten, um dann anschließend zu Hause, verbrannt wie ein Brathähnchen in der Fritteuse berichten zu können, man habe einen traumhaften Urlaub gehabt. Mich widert diese Art von Tourismus an. Wir trinken unseren Kaffee an der Strandpromenade und verschwinden nach einem kurzen Rundgang wieder. Apropos, die Restaurants hier an der knapp 150 Meter langen Strandpromenade versuchen manches Mal gequält den Geschmack der Mitteleuropäer zu treffen und degradieren sich dadurch selber auf das Niveau einer Fritten-Ranch. Wer also wirklich gut auf La Palma essen will, sucht die Lokale mit einheimischer Küche. Es liegen allerorts kostenlose Reiseführer auch in deutscher Sprache aus, die diese Refugien outen.

 

El Remo La Palma (Foto: Thomas Esche)

El Remo La Palma (Foto: Thomas Esche)

El Remo

Ganz das Gegenteil von Puerto Naos ist das wenige Kilometer entfernte El Remo. Ein alter Fischerort, den so mancher Fotograf möglicherweise wegen seiner maroden Ursprünglichkeit und des Verfalls gerne ablichtet. Doch hier gibt es zwei Lokale (Kiosco „7 Islas“ und „El Reme“), die eben für diese Art ursprünglicher Küche palmerer Art bekannt sind. Das Essen ist nicht immer auf dem Teller toll angerichtet, aber es ist ursprünglich kanarisch, der Fisch fangfrisch und insgesamt preiswert. Und es schmeckt! Überhaupt kann man nicht über die Preise auf den Kanaren, insbesondere in den einheimischen Lokalen meckern. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass die einheimischen Canarios nicht die üppigen Gehälter der Mitteleuropäer nach Hause bringen, aber auch gerne einmal abends auf ein Bier oder ähnlichem ausgehen möchten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass in manchen einheimischen Lokalen von offenkundigen Touristen mehr verlangt wird, als vom einheimischen Plantagenmitarbeiter an der Theke. Es ist aber bei einem beispielsweisen Preis von 1,50 Euro für einen Kaffee immer noch vergleichsweise günstig und auch noch kein Grund, den dicken Max zu veranstalten, wenn irgendetwas nicht passt.

 

Blick vom Roque de los Muchachos La Palma (Foto: Thomas Esche)

Blick vom Roque de los Muchachos La Palma (Foto: Thomas Esche)

Roque de los Muchachos

Der Roque de los Muchachos ist mit knapp 2500 Metern die höchste Erhebung La Palmas oben am Rande der Caldera de Taburiente und der Cumbre Vieja, auf dessen Kamm man nahezu ohne großartiger Höhenunterschiede bis runter nach Fuencaliente wandern kann. Hier sind auch einige der wichtigsten Sternenwarten der Welt wie auf einer Perlschnur aneinandergereiht zu finden. Die Luft hier oben ist aber für uns ungeübte Sofasportler so dünn, dass wir uns schon nach wenigen Metern in japsender Hyperventilation verlieren. Und so denke ich mir, dass der Ausblick über die Caldera schon vom Parkplatz aus imposant genug ist und ich nicht noch die 200 Meter bis auf die Aussichtspunkte in der Caldera laufen muss. Runter mag es leicht gehen, aber der Gedanke an den Rückweg gruselt mir schon jetzt. Und ob der Blick dort wirklich besser ist? Hm.

 

Santa Cruz und Los Llanos

Auch wenn Santa Cruz die Hauptstadt von La Palma ist, zählt sie mit ca. 15.000 Einwohnern doch deutlich weniger als das im Westen der Insel liegende Los Llanos mit etwas über 20.000 Einwohnern, weshalb man auch zweitere die heimliche Hauptstadt nennt. Dennoch muss man die Tage und Zeiten finden, an denen in beiden großen Städten der Insel etwas los ist. Wenn man so wie wir tagsüber über La Palma streift und abends auf der Veranda abschimmelt und die Seele baumeln lässt, kann es mitunter sein, in beiden Städten kaum auf eine Menschenseele zu treffen. Verwundert hatte mich allerdings, dass in Santa Cruz Fußgängerzone auf einem Sonntagnachmittag noch nicht einmal ein Café geöffnet hatte. Doch wie ausgewechselt wirkt dieser Zustand selbst auferlegter und Siesta bedingter Ausgangssperre, wenn im Hafen der Hauptstadt ein Kreuzfahrtschiff vor Anker geht. Dann ist, egal zu welcher Tageszeit auch immer, selbst der letzte Kiosk im hintersten Winkel der Stadt geöffnet, mittlerweile zum Leidwesen vieler Einheimischer, die sich ihre Ruhe zurückwünschen. Die anderen Städte der Insel bekommen von diesem monetären Kurzbesuch leider nicht sonderlich viel mit. Und manch Palmero sind auch diese kurzen, touristischen Heimsuchungen schon zu viel. Man liebt hier seine Ruhe und naturbelassene Zurückgezogenheit.

Santa Cruz de La Palma (Foto: Thomas Esche)

Santa Cruz de La Palma (Foto: Thomas Esche)

Los Llanos de Ariadne La Palma (Foto: Thomas Esche)

Los Llanos de Ariadne La Palma (Foto: Thomas Esche)

Los Canarios und Teneguia Sal Marina

Natürlich besuchen wir auch einmal die durch Funk und Fernsehen bekannten Salzsalinen, die Tenegiua Sal Marina an der Südspitze der Insel. Das bekannte Meersalz dort zu kaufen ist übrigens deutlich günstiger, als es sich hier in Deutschland zu suchen oder zu bestellen. Lottchen, unsere schneeaffine Rauhaardackel-Eisprinzessin, braucht einen Moment, um zu erkennen, dass das Weiß unter ihren Pfoten kein Schnee ist und wendet sich eher gelangweilt ab. Als wir mitten in unserem Rundgang durch die Salinen mit ihren zig Abklingbecken und dem angeschlossenen Restaurant und Souvenirladen sind, bemerken wir ganz nebenbei, dass auch hier, wie vielerorts, Hunde nicht erwünscht sind und daher nicht auf dem Gelände mitgeführt werden dürfen. Wir sind eh schon fast rum und pfeifen drauf. Als wir das Flor de Sal im angeschlossenen Laden gerade kaufen wollen, kommt wie hysterisch schon ein Kellner aus dem Lokal gestürzt, wobei er sich fast auf den Pinsel legt, und fordert wild gestikulierend, den Hund doch umgehend aus dem Lokalbereich zu entfernen und wirbelt dabei herum, als wolle er eine drohende, bakterielle Pandemie abwehren. Ich bleibe stoisch ruhig und setze mich mit Lottchen auf dem Arm, die das auch recht kalt lässt, zwei Meter weiter auf eine Mauer, und betrachte noch einen Moment lang dieses übertriebene Theater, bis eine Kollegin den mittlerweile hyperventilierenden Kellner wieder zurück ins Lokal führt. Tja, vielleicht hätten wir ja sogar noch etwas dort gegessen. Wie gewonnen, so zerronnen.

Los Canarios La Palma (Foto: Thomas Esche)

Los Canarios La Palma (Foto: Thomas Esche)

Sal Marina Teneguia La Palma (Foto: Thomas Esche)

Sal Marina Teneguia La Palma (Foto: Thomas Esche)

Auf dem Rückweg trinken wir noch in Los Canarios, der südlichsten Stadt La Palmas, einen Kaffee und verweilen einen Moment lang in einem der typischen Bar-Cafeterien der Insel, in denen sonst nur die Palmeros anzutreffen sind. Einer von ihnen, knapp 70 scheint er zu sein, kommt im Trikot seines Lieblingsfußballers herein. Wir schmunzeln ein wenig bei seinem Anblick. Jedoch ist nicht er, der von jedem herzlichst begrüßt wird, der Außenseiter. Wir sind es. Und ich komme mir plötzlich mit der Kamera um den Hals vor wie ein Exot und kann es nachvollziehen, dass sich so manch Palmero die vortouristische Zeit zurückwünscht. Nachdem wir unseren Kaffee getrunken und die Almandrados (typischen Mandelplätzchen) gegessen haben, machen wir uns ein letztes Mal auf den Heimweg nach Hause zu unserer Mäuseburg in La Punta.

 

Sonnenuntergang über La Punta La Palma (Foto: Thomas Esche)

Sonnenuntergang über La Punta La Palma (Foto: Thomas Esche)

Fazit:

Wer auf La Palma wandern will, wird hier sein Glück und auch seine Herausforderung finden. Die Insel setzt in dieser Hinsicht genau auf ihr wichtigstes Kapital, die Natur. Es ist also genau etwas für Naturbewusste und ein Stück weit damit auch für Esoteriker. Ebenso Sternengucker, die sich für den nächtlichen, unverschmutzten Nachthimmel mit seinen astronomischen Feinheiten faszinieren können. Aber auch, wenn man wie wir nicht unbedingt ständig irgendwo durch die Landschaft laufen will, nicht so wanderbegeistert ist, bietet die Insel genau das, was man vermeintlich so oft überall im Urlaub sucht: Ruhe. Wie oft bin ich in den Urlaub gefahren, um Ruhe zu suchen und hab mich dann in überfüllten Cafés, an vollen Stränden oder in irgendwelchen Einkaufspassagen wiedergefunden? Und brauchte anschließend Urlaub vom Urlaub. Hier kann ich endlich das tun, nachdem ich mich oft gesehnt habe: Beim Wein oder was auch immer blöd aufs Meer glotzen und die Zeit vergessen, in der Hängematte beim sanft knarrenden Geräusch der Seilaufhängung an den Holzbohlen dahin zu schaukeln, ohne ein schlechtes Gewissen haben oder auf die Uhr schauen zu müssen. Ideen kreisen lassen, Pläne schmieden. Hab oft nachts auf der Veranda gesessen und verrückte Gedanken gehabt, vielleicht wieder einmal ein Buch zu schreiben, über … ach, irgendwann fällt mir schon was ein. Beim Anblick der Sterne, vielleicht ein Science-Fiction. Ich weiß nicht. Mal sehen. Diese Unentschlossenheit entschleunigt und es gefällt mir im Augenblick, mich nicht festzulegen. Für wen oder was auch? Kein Programm, keine Kultur!

Ach ja, und die verirrten Ballermann-Chaoten von Los Llanos mit touristischen Vorab-Recherche-Schwächen werden sich wohl anschließend mit Büchsbier und Chips im Supermarkt eingedeckt haben und vorm Fernseher bei der Sportschau weggedämmert sein. Und mit ein wenig Glück werden sie ihresgleichen über das palmere Partyloch informieren und das nächste Mal nicht mehr hier anzutreffen sein, an einem verträumten Ort, dem der Hauch eines entlegenen Winkels dieser Erde und nachts einem von Sternen gehütetes Geheimnis innewohnt. Ein bisschen wie Robinson Crusoe am Ende der Welt. Und dann kann es auch schön sein, sich einfach mal treiben zu lassen.

 

Alle Fotos der Galerie (Fotos: Thomas Esche):

2 Kommentare

  1. Hallo lieber Autor, Du hast es auf den Punkt gebracht. Wir waren auch schon mal in diesem Haus in La Punta gewesen. Die Aussicht ist wirklich klasse. Den Sonnenuntergang haben wir auch oft genossen. Aber die Kakerlaken und Mäuse im Haus sind echt ein Problem. Dieses Haus kommt für uns aber jetzt nicht mehr in Frage. Wir haben jetzt Kinder und die können unmöglich die abenteuerliche Treppe ins Dachzimmer jedesmal gehen. Das Geländer sah auch nicht sicher aus.
    Ja es stimmt. La Palma ist wirklich was für Naturliebhaber und die entspannen wollen. Wir sind viel gewandert. Dafür ist La Palma toll. Deine Fotos sind wirklich klasse. Du hast ein gutes Auge dafür.
    Viele Grüsse
    Ann-Kathrin

    • Hallo Ann-Kathrin,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich fürchte, die Treppe ist noch so, wie Du sie vorgefunden hast vor vier Jahren. Für mich ist sie auch nicht vertrauenserweckend. Ich musste einmal rauf, um den Router neu zu starten und bin nur an den Seiten auf die Stufen getreten, weil sie sich zu sehr bogen in der Mitte.

      LG Thomas

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