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HALT! Vorsicht Regierungen!
Regierungen fügen Ihnen und Ihrer Umgebung Schaden zu

Never follow (Foto: M.Muer, Krakau, Hauswand im Stadtteil Podgorze)

Never follow (Foto: M.Muer, Krakau, Hauswand im Stadtteil Podgorze)

Nehmen wir als Beispiel die EU: Kompliment, sie hat es wirklich „weit“ gebracht. Seit der „Zeugung“ sind gerade einmal 65 Jahre vergangen und schon heißt es: Aus der politische Traum von einem solidarischen Europa. Aber wurde er überhaupt jemals geträumt? Ich habe da so meine Zweifel…

 

Welches Jahr zeigt deutlicher als 2015, wie verrottet die EU in Wahrheit ist? Die Erpressung Griechenlands, die in einen „Staatsstreich“ mündete, die EU-Flüchtlingspolitik, die entweder Flüchtlinge an Europas Grenzen zu Lande und zu Wasser herumirren oder gleich dort sterben lässt, TTIP und CETA, Waffenlieferungen, Ukraine-Krise…

Da lauern auf der einen Seite Not und Hunger oder gar der Tod, auf der anderen Seite wird geprasst und sich der Völlerei hingegeben, wird die EU doch von so manchem Politiker als Selbstbedienungsladen missbraucht, in dem man nach Herzenslust ohne erwischt zu werden auf Raubzug gehen kann. Aber das ist nur das Eine. Zank und Streit, Abschieben von Verantwortung, gegenseitige Schuldzuweisungen, das alles und noch viel mehr steht regelmäßig auf der Tagesordnung. Und ist die EU nicht längst zu einer Lobbykratie verkommen? Frieden, Freiheit und Solidarität können auf einem solchen Boden nicht gedeihen. Zumal man wieder einmal nicht davor zurückschreckt, die Menschen der Länder und in den Ländern gegeneinander auszuspielen…

Brauchen wir für Solidarität, Freiheit und Frieden überhaupt einen von oben verordneten Zusammenschluss wie die EU? Und überhaupt: Brauchen Menschen, die in Frieden zusammenleben wollen, so etwas wie (National)Staaten, Staatsgewalt und Regierungen, die darauf aufpassen, dass sie einander nicht die Schädel einschlagen? Nein! Denn wenn ich in die Geschichte zurückblicke, drängt sich mir die Ahnung auf, dass es ohne Staatsgewalt und Regierungen viel besser funktionieren könnte. Unglaublich, aber vielleicht dennoch wahr. Löst man sich von der Geschichtsschreibung, wie sie in der Schule erzählt wird und die immer die Geschichtsschreibung der Herrschenden ist, so bekommt man eine Ahnung davon, dass Menschen es über Jahrtausende geschafft haben, ohne eine wie auch immer geartete Herrschaft, ohne Einmischung von oben, sich miteinander zu verabreden. Zudem der Arm der Herrschenden in der Regel gar nicht lang genug war, als dass er alle Menschen im jeweiligen „Herrschaftsbereich“, so es ihn denn gab, erreichte. In der Zeit, die wir aus heutiger Sicht gerne als „finsteres Mittelalter“ bezeichnen, wusste z.B. kein Herrscher, wie viele Untertanen er genau hatte. Es gab unendlich viele Nischen in den Städten, Dörfern und Wäldern, in denen Menschen durchaus frei genug waren, um so zu leben, wie sie es wollten. Man vergleiche nur einmal die Architektur mittelalterlicher Städte mit ihren zahlreichen verwinkelten Gassen und Gässchen, Treppen und kleinen oder auch größeren Plätzen, Kellern oder gar Katakomben mit der Architektur moderner Städte mit ihren Miets“kasernen“ und schnurgeraden, breiten Straßen. Es gab keine Meldeämter, keine Kataster- und Grundbuchämter, nichts von alledem, was uns heute als so selbstverständlich, ja geradezu fortschrittlich erscheint. Von der großen Anzahl an Vaganten, die auf den Straßen Europas lebten, einmal abgesehen. Sie lebten ihr ganz eigenes Leben und das oft durchaus freiwillig und gut vernetzt über Wegezeichen an Bäumen und Häusern. Diese Vaganten verschwanden zunächst in den Arbeitshäusern der frühen Neuzeit, wo sie Zwangsarbeit zu verrichten hatten, um zu dienstfertigen Untertanen „erzogen“ zu werden, und später endgültig in den Konzentrationslagern der Nazis. Wie anders ist es heute, wo die Datengier und der Kontrollwahn des Staates in alle Lebensbereiche seiner Untertanen vordringt.

 

Maskerade (Foto: M Muer, Hauswand in Köln)

Maskerade (Foto: M Muer, Hauswand in Köln)

Könnte es nicht sein, dass wir, auch über die gängige Geschichtsschreibung in Schule und Medien, auf eine gigantische Propaganda hereingefallen sind, die uns glauben machen will, dass Menschen ohne politische oder wie auch immer geartete Herrschaft ins Chaos und in die Gewalt stürzen? Clever ausgedacht, oder!? Denn da wird uns zur angeblich notwendigen Herrschaft gleich das passende Menschenbild mitgeliefert, damit einige wenige so ihren Status und ihre Macht legitimieren können. Und wir? Ja, wir glauben ihnen. Wir haben gelernt, an das Gute im Herrscher und an das Schlechte im Mitmenschen zu glauben und das wider besseren Wissens und Erlebens. Und wer das jetzt rundum anzweifelt, der möge, um nur EIN Beispiel von vielen zu nennen, noch einmal in die Geschichte zurück blicken und nachrechnen, wer die meisten Menschen, Abermillionen von Menschen für vollkommen hirnrissige und kriminelle Ziele in den Tod schickte und es auch heute noch tut. Ja, und wer jetzt denkt, dass sich die europäischen Völker schon seit 70 Jahren nicht mehr bekriegen und die EU dafür sogar den Friedensnobelpreis bekommen hat, den frage ich, wer hat sie sich denn zuvor bekriegen lassen? Wäre der ganz normale Deutsche, der irgendwo auf dem Land einen kleinen Bauernhof bewirtschaftete oder in der Stadt seinem Job nachging, denn von allein auf die Idee gekommen, nach Frankreich zu ziehen, um gegen einen ganz normalen Franzosen, der ähnlich lebte und der froh war, wenn die Familie satt wurde, das Gewehr zu erheben und zu schießen? Nie im Leben!

Davon, dass Kriege nicht mehr in der EU stattfinden, sondern an anderen Orten der Welt als Stellvertreterkriege geführt werden, um weiterhin knallhart (!) die eigenen politischen und wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen, ganz zu schweigen…

Könnte es sein, dass Menschen im Grunde einfach in Ruhe gelassen werden möchten und so leben möchten, wie sie es sich wünschen, ohne dabei anderen Schaden zuzufügen? Könnte es sein, dass der Mensch gar nicht des Menschen Wolf ist? Könnte es sein, dass Menschen grundsätzlich wünschen, dass es anderen Menschen gut geht? Dass Empathie, Liebesfähigkeit, Solidarität und Hilfsbereitschaft dem Menschen angeborene Eigenschaften sind, ohne die er den Lauf der Evolution niemals überlebt hätte?
Es bedarf der gesamten staatlichen Gewalt, physischer, struktureller UND ideologischer Gewalt, damit Menschen einander anfeinden, aufeinander losgehen und sich gar gegenseitig umbringen.

Es ist die Staatsgewalt und es sind die Regierungen, die Frieden, Freiheit und Solidarität der Menschen der verschiedenen Völker und Kulturen untereinander verhindern, denn die Realisierung dieser Werte würde sie komplett überflüssig machen, sie ihrer Macht berauben. Und genau das wollen sie nicht. Sie wollen ihre Macht, ihre Privilegien behalten. Um jeden Preis! Deshalb wird es, solange es Staatsgewalt und ihre Vertreter gibt, nie Frieden, Freiheit und Solidarität geben.

 

miteinander (Foto: M Muer, gesehen in Marburg)

miteinander (Foto: M Muer, gesehen in Marburg)

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es OHNE Herrschaft, Zentralregierungen und ihre Vertreter, unter denen sich immer gemeingefährliche Psychopathen befanden und auch heute noch befinden, keine Kriege und keine 60 Millionen Flüchtlinge weltweit geben würde. Nicht dass es unter Menschen dann grundsätzlich keine Konflikte mehr geben würde, aber es gäbe heute vermutlich andere, gewaltfreie Wege diese Konflikte zu bereinigen. Auch das gehört zum Lernpotential der Menschen. Allein schon deshalb, weil es der Erde, auf der wir nun mal leben, auf die wir angewiesen und mit der wir verbunden sind wie jedes andere Lebewesen auch, mittlerweile endgültig an den Kragen geht. Ach ja, auch was den Umwelt- und Klimaschutz angeht, bekommen die Regierungen der Welt NICHTS aber auch GAR NICHTS geregelt. Außer teuren, Steuergelder missbrauchenden Sitzungen und Konferenzen, Versprechen und Abkommen, bei denen von vorneherein klar ist, dass sie nicht eingehalten werden, ist da ein gigantisches NICHTS.
Wozu also noch Regierungen??? Lässt man die Menschen machen, geht es  wesentlich besser, wie zahllose Beispiele zeigen:

  • die Transition Town-Bewegung
  • Vandana Shivas „Erddemokratie“
  • das Buen Vivir-Konzept in Lateinamerika
  • Genossenschaftsbewegungen (Commons)
  • die Degrowth-Bewegung
  • die Zapatisten in Mexiko
  • die Cooperativa Integral in Katalonien
  • die Solidarische Ökonomie in Brasilien
  • Occupy und Attac
  • und so weiter…

Alle miteinander dezentrale, selbstverwaltete „Widerstandsnester“, die vor Ort sehr viel bewirken, ohne dass sie auch nur ein einziges Mal bei der jeweiligen Regierung um Erlaubnis gefragt haben. Sie scheren sich nicht um Regierungen, sondern handeln. Zu sehen, lesen oder hören ist von ihnen aus guten Gründen in der offiziellen Presse wenig… die Menschen könnten ja auf „dumme“ Gedanken kommen.

 

„Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten dessen, was wir zu leisten imstande sein werden. Was wir können und möchten, stellt sich unserer Einbildungskraft außer uns und in der Zukunft dar. Wir fühlen eine Sehnsucht nach dem, was wir schon in der Stille besitzen.
So verwandelt ein leidenschaftliches Vorausgreifen das wahre Mögliche in ein erträumtes Wirkliches.“
JOHANN WOLFGANG VON GOETHE:
AUS MEINEM LEBEN. DICHTUNG UND WAHRHEIT 2.TEIL, 9.BUCH

Margareta Muer

Margareta Muer

Ein Kommentar

  1. Was für ein gewaltiger, großartiger Beitrag! Vielen Dank der Autorin! Ich finde darin so viel, was ich selbst bereits erkannte. Es wird Zeit, dass wir Menschen uns wieder daran erinnern, wer wir und wie wir wirklich sind, dass wir aufhören, daran zu glauben, was man uns über uns glauben machen will. Ich persönlich hadere jedoch immer noch ein wenig mit der Auflösung von Nationalstaaten. Warum: Weil sie in gewisser Weise Schutz bieten können für bestimmte kulturelle und rechtliche Identitäten. Zumindest scheint mir das wichtig, so lange die Mehrheit der Bevölkerung sich noch nicht vom herrschaftsfreien Leben abgewendet hat. Ebenso sehe ich eine „Regierung“ eher als ein Koordinationskonstrukt – anders als wir es heute kennen. Also nach meiner Utopie wäre es eher ein Konstrukt, das aufgeteilt ist nach Fachgebieten (Gesundheit, Bildung, Verkehr u.s.w.) mit einem sogenannten Ethikforum als Überbau. Auf jeden Fall ohne Parteiensystem. Für den Übergang. Andererseits plädiere ich durchaus für das Leben in solidarischen, überblickbaren Gemeinschaften, die miteinander kooperieren und im Austausch stehen. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass das möglich ist. Vor allem, wenn wir nicht weiter Dinge und Lebenswege für ausschließlich glücklich machend akzeptieren, die uns als solche suggeriert wurden. Ich glaube, es ist wichtig, einen Schritt zurück zu machen um wieder einen Schritt in der Menschheitsentwicklung nach vorne gehen zu können. Deshalb auch vielen Dank für die Nennung der „Widerstandsnester“. Einige davon sind mir bekannt. Andere werde ich mir jetzt einmal anschauen.

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