Die vergessenen Opfer
Die traurige Geschichte der deutschen Sinti

Die Drei Brüder (Quelle: Ricardo Lenzi Laubinger)

Die Drei Brüder (Quelle: Ricardo Lenzi Laubinger)

Die Sinti. Eine Volksgruppe, die unter den jüdischen Opfern des Holocaust immer wieder in Vergessenheit gerät. Ricardo Lenzi Laubinger (Vorsitzender der Sinti-Union Hessen e.V.) schärft unseren Blick auf diese Vergangenheit und berichtet von einer erschreckenden Anfrage der AfD.

 

Spätestens seit der Schulzeit, und so sollte es auch sein, sind wir um das Thema des Holocausts sensibilisiert. Und um es mit einem aktuellen Zitat zu beschreiben: Björn Höckes Beschreibung zum Mahnmal in Berlin ist ein unappetitlicher wie überflüssiger „Fliegenschiss“ auf der unbestrittenen Erkenntnis deutscher Geschichte. Zu dieser Erkenntnis gehört auch, dass es, neben anderen Minderheiten, nicht nur Juden waren, die von den Nationalsozialisten verfolgt und vernichtet wurden. Eine dieser Minderheiten waren und sind kurioserweise immer noch die Sinti. Sie werden heute zwar nicht mehr verfolgt oder gar vernichtet. Doch auf eine umfassende Rehabilitation und geschichtliche Aufarbeitung warten sie nach wie vor. Ich habe mit dem Vorsitzenden der Sinti-Union Hessen e.V., Ricardo Lenzi Laubinger über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und sein neues Buch gesprochen.

 

Ema Laubinger (Quelle: Ricardo Lenzi Laubinger)

Ema Laubinger (Quelle: Ricardo Lenzi Laubinger)

Ricardo, Sinti und Roma werden oft in einem Atemzug genannt. Klär uns auf. Wo sind die Unterschiede dieser beiden Gruppen, die im dritten Reich ein gemeinsames Schicksal teilen?

Sinti leben seit vielen Jahrhunderten in Deutschland, erstmals 1407 urkundlich erwähnt. Aber wahrscheinlich schon viel länger. Auch in den Niederlanden, Österreich und dem Elsass gibt es Sinti. Wir deutschen Sinti sind seit vielen Jahrhunderten hier ansässig.

Die Roma hingegen lebten bis vor einigen Jahrzehnten ausschließlich in den ehemaligen Ostblockstaaten. Sie werden dort zum größten Teil auch heute noch verfolgt und müssen täglich um ihr Leben fürchten. Wenn dann die Roma z.B. nach Deutschland flüchten, wird in den Medien gesagt, dass Sinti und Roma nach Deutschland kommen Das ist schlicht und einfach nicht richtig. Leider wird dies oft sogar wissentlich gemacht. Hierdurch erweckt man den Eindruck, auch die Sinti seien Migranten, und wir haben hierdurch viele Nachteile, die Öffentlichkeit wird durch diese Aussagen angelogen. Wir Sinti sind eine deutsche Minderheit. Wir sind Deutsche, aber auch Sinti. Wir leben seit Jahrhunderten hier.

 

Ich weiß es aus meiner eigenen Kindheit, dass sie oft als Zigeuner bezeichnet wurden, was eine Herkunft aus dem Balkan suggeriert. Woher kommen die Sinti wirklich? Erzähl etwas über die Geschichte dieser Volksgruppe, der Du angehörst.

Die Sinti sind wahrscheinlich, zusammen mit den Roma, aus dem heutigen Grenzgebiet Indien / Pakistan ausgewandert. Die Gründe dafür sind nicht bekannt, aber wahrscheinlich war es eine Hungersnot. Die beiden Volksgruppen trennten sich dann auf ihrem Weg. Gründe? Keine Ahnung. Aber die Roma waren und sind auch heute noch das weitaus größere Volk. Die Sinti verblieben im deutschsprachigem Raum, (Deutschland, Österreich, Niederlande, Elsass). Die Roma leben heute noch in den ehemaligen Ostblockstaaten. Wir haben verschiedene Sprachen und Sitten.

 

Mutters Bruder Karl geb. 16.03.1940 (Quelle: Ricardo Lenzi Laubinger)

Mutters Bruder Karl geb. 16.03.1940 (Quelle: Ricardo Lenzi Laubinger)

Im dritten Reich wurden neben anderen Volksgruppen und Minderheiten auch Sinti und Roma verfolgt und systematisch vernichtet. In der Berichterstattung über den Holocaust wird das oft nicht erwähnt. Rücke dieses Bild für uns zurecht.

Außer den Juden, wurden nur noch die Sinti und die Roma aus rein rassistischen Gründen und mit der Absicht der vollkommenen Ausrottung von den Nationalsozialisten verfolgt, in die Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Natürlich gab es auch noch andere Gruppen, wie z.B. Zeugen Jehovas oder Homosexuelle, die auch verfolgt wurden. Aber aus rassistischen Gründen waren es nur die Juden, die Sinti und die Roma. In der Berichterstattung über den Holocaust wird das oft nicht erwähnt, ja sogar mit Absicht verschwiegen, weil man von Anfang an dafür sorgen wollte, dass die Sinti und auch die Roma keine Anträge für sogenannte „Wiedergutmachungszahlungen“ stellen können.

Man stellte nach dem Krieg z.B. amtlich fest, dass mein Onkel Karl Weiss, geboren am 16.03.1940 und am 16.05.1940 von den Nazis mit der ganzen Familie meiner Mutter nach Polen verschleppt und dort ermordet wurde, ins KZ kam, weil er „arbeitsscheu“ war. Er war erst 8 Wochen alt(!) und arbeitsscheu? … Das war ein geplantes Vorgehen der damaligen Behörden und es zeigt heute noch seine Wirkung.

 

Und eisig weht der kalte Wind - Ricardo Lenzi Laubinger

Und eisig weht der kalte Wind – Ricardo Lenzi Laubinger

In Deinem neuen Buch „Und eisig weht der kalt Wind“ beschreibst Du die Geschichte Deiner Familie und auch Deine persönliche zwischen 1925 bis 2017.

Dieses Buch ist allen Menschen, die unter den Nationalsozialismus gelitten haben, gewidmet. Aber in erster Linie den Sinti. Es erzählt die Geschichte der Sinti, am Beispiel meiner eigenen Familie. Denn die Leidens- und Verfolgungsgeschichte der Sinti, war auch nach dem zweiten Weltkrieg und der Herrschaft der Nationalsozialisten noch lange nicht vorbei. Meine Mutter war mit 14 Jahren das älteste Kind in ihrer Familie. Sie hatte 7 jüngere Geschwister. Der jüngste Bruder Karl war auf den Tag genau 8 Wochen alt, als die Familie aus ihrer Wohnung gezerrt, auf Lastwagen geprügelt und dann in Viehwaggons nach Polen verschleppt wurde. Ihr Großvater und ihr Vater, wurden gleich in der ersten Zeit dort erschossen. Ihr kleiner Bruder ist verhungert. Ihre Oma wurde zwei Tage nachdem ihr Mann, mit dem sie über 60 Jahre verheiratet war, von einem SS –Mann erschossen, nur weil sie um ihren Mann weinte. Dann wurde meine Mutter von Ihrer Mutter und ihren Geschwistern getrennt. Sie wurde von einem KZ in das nächste verschleppt und musste im Moor und in Steinbrüchen schwer arbeiten. Dann haben sich die Nazis an ihr vergangen und sie wurde schwanger. Das Kind war ein Junge, den sie Werner nannte und sehr liebte. Denn nun war sie nicht mehr alleine. Doch wurde der kleine schnell krank und starb. Höchstwahrscheinlich an Typhus. Meine Mutter durchlebte 59 Monate lang diese Hölle, bis sie endlich von den alliierten Streitkräften befreit wurde. Doch war sie leider die einzige Überlebende ihrer Familie und ihrer gesamten Verwandtschaft. Es waren über 60 Verwandte, die sie in den Konzentrationslagern verloren hatte und die alle ermordet wurden.

Mein Buch handelt jedoch von der Zeit zwischen 1925 und dem Jahr 2017, denn die Sinti, wie ich schon erwähnte, wurden auch nach dem Krieg und in der heutigen Bundesrepublik diskriminiert, verfolgt“ und benachteiligt. Besonders im Vergleich zu den Juden, wurde mein Volk vom deutschen Staat regelrecht betrogen.

Doch soll dieses Buch keine Anklage sein. Es soll vielmehr ein Beitrag der zur Versöhnung und vor allem ein Akt gegen das Vergessen sein. Die heutige Jugend ist die Zukunft unseres Landes und die unserer Nachkommen. Diese jungen Menschen möchte ich mit diesem Buch darüber aufklären, was damals wirklich geschehen ist. Denn nur, wer die Wahrheit über die Vergangenheit kennt, kann auch eine Zukunft so gestalten, in der so etwas nie wieder passiert. Mein Buch „Und eisig weht der kalte Wind“ soll ein Beitrag dazu sein.

 

Ricardo Lenzi Laubinger (Quelle: Ricardo Lenzi Laubinger / Foto: Hinrich Wulff 2018)

Ricardo Lenzi Laubinger (Quelle: Ricardo Lenzi Laubinger / Foto: Hinrich Wulff 2018)

Du bist Vorsitzender der Sinti-Union Deutschland. Was sind Eure Arbeit und die Ziele dieser Vereinigung? Was und wen wollt Ihr erreichen?

Als erstes möchte ich etwas erklären: Die Sinti-Union Hessen e.V. ist beim Amtsgericht bzw. Registergericht Wiesbaden unter der VR-Nr. 6829 eingetragen und vom Finanzamt Wiesbaden als gemeinnützig anerkannt. Jedoch bekommt die Sinti-Union Hessen, entgegen aller Gerüchte bis heute keine institutionelle Förderung durch das Land oder den Bund. Auch werden wir von keiner anderen Organisation unterstützt. Alle anfallenden Kosten und Auslagen werden von uns aus privater Tasche bezahlt. Wir haben nicht einmal ein Büro. Was in der jetzigen Zeit auch eine Gefahr bedeuten kann.

Die Sinti-Union Hessen wurde eigentlich schon im Jahr 2000 gegründet. Erst ein paar Jahre später wurde sie dann auch beim Amtsgericht Wiesbaden eingetragen, von den zuständigen Behörden geprüft und als gemeinnützig anerkannt.

Unsere Arbeiten erstrecken sich über viele Dinge und Themen. Unser Ziel besteht seither darin, die Interessen der deutschen Sinti in unserer Region zu vertreten. Heute vertritt und berät die Organisation die Sinti in Wiesbaden, sowie mehrere tausend Sinti in Hessen und der angrenzenden Rheinland-Pfalz. Die Zahl der in Deutschland lebenden Sinti kann aufgrund der derzeitigen politischen Weltlage nicht genau angegeben werden. Denn es gibt sehr viele Sinti, die aus Angst vor Benachteiligungen und Diskriminierungen ihre Identität als Sinti nicht preisgeben. Wir schätzen die Anzahl aber auf über 250.000. Sinti sind nachweislich seit mehr als 600 Jahren hier in Deutschland ansässig. Dennoch sind wir immer noch Fremde im eigenen Land. Diese Tatsache möchte die Sinti – Union Hessen e.V. ändern und die Mehrheitsbevölkerung darüber aufklären, dass es sich bei Sinti um eine nationale Minderheit handelt, die teilweise seit Jahrhunderten in Deutschland lebt und sich dem deutschen Volk zugehörig fühlt. Wir sind Deutsche mit allen Rechten und Pflichten.

Wir helfen unseren Mitglieder beispielsweise bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, der Erstellung von Bewerbungsunterlagen, der Kontakt-Findung zwischen Betrieben und Auszubildenden, der Erstellung von Schreiben an Ämter- und Behörden, aber auch der Betreuung und Beratung der noch lebenden NS-Opfer und Zwangsarbeiter.

Einige Schwerpunkte unserer Arbeiten sind zum Beispiel:
Die Bildung und soziale Teilhabe der Sinti, Öffentlichkeits- und Antidiskriminierungsarbeit, aktive Begegnungen schaffen, um Vorurteile abzubauen, der Förderung und Schutz der kulturellen Identität und Sprache der Sinti und des Andenkens an Verfolgte und Kriegsopfer des 2. Weltkrieges und vieles mehr.

Durch unsere Beteiligung in Arbeitskreisen und Gremien unterstützen wir den Dialog und Austausch in gegenseitigem Respekt und Miteinander aller Kulturen. So können wir alle bunte Vielfalt leben und voneinander lernen. Wir fördern aktiv Begegnungen zwischen Sinti und der Mehrheitsbevölkerung. Dies sind wertvolle Erfahrungen auf beiden Seiten, um Vorurteile abzubauen. Dazu leisten wir soziale Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, initiieren kulturelle und soziale Projekte und Info-Veranstaltungen. Wir informieren über Geschichte und Gegenwart der Sinti. Außerdem leisten wir Antidiskriminierungsarbeit. Begegnungen schaffen, um Vorurteile abzubauen.

Wichtig ist uns auch, die Kultur der Sinti zu fördern und zu bewahren, in dem wir beispielsweise unsere eigene Sprache an Junge Sinti weitergeben, die unsere Sprache nicht beherrschen. Denn stirbt unsere Sprache, stirbt auch unsere Jahrtausende alte Kultur.

 

Vertreter der Sinti im Innenministerium 2014 (Quelle: Laubinger / Pressestelle Innenministerium)

Vertreter der Sinti im Innenministerium 2014 (Quelle: Laubinger / Pressestelle Innenministerium)

Welche Erfahrungen hast Du persönlich bei dieser Arbeit hier in Deutschland gemacht?

Leider muss ich sagen, dass ich positive, aber überwiegend sehr negative Erfahrungen machen musste. Ich war z.B. nach Aussage eines Mitarbeiters des Bundeskanzleramtes, nicht der einzige, aber wohl einer der der penetrantesten Sinti der den Politikern manchmal den „letzten Nerv raubte“ in Sachen Gräbererhalt der Sinti, die von den Nazis verfolgt wurden. Diese Aussage erfasse ich heute als Kompliment. Denn es war ein sehr langer Weg bis die Gräber der Sinti endlich genauso geschützt wurden, wie die Gräber der jüdischen Opfer schon seit Ende des Krieges geschützt werden.

Ich hatte mit diesem „Kampf“ in meiner von mir geliebten Heimatstadt Wiesbaden begonnen und wurde nur abgewiesen. Nachdem ich dann im Stadtrat bzw. das Stadtparlament vorsprechen konnte, um unser Anliegen zu erläutern, hatte man sich sehr gut vorbereitet und sogar Dokumente aus von 1952 dabei, um meinen Antrag ablehnen zu können, was man auch mit absoluter Mehrheit tat. Lediglich drei Stimmen waren dafür (die Grünen, die Linke und die Piraten). Alle anderen Parteien waren geschlossen dagegen. Man belächelte meinen Antrag und meinte, ich solle mich doch gleich an die Bundesregierung wenden und das für ganz Deutschland beantragen. Mann kann sich vorstellen, dass ich tief von meiner Heimatstadt Wiesbaden enttäuscht war. Doch dann dachte ich, dass ich es wirklich mache und mich an die Bundesregierung wende. Ich schrieb den Bundesrat und den damaligen Bundesbeauftragten für nationale Minderheiten Herrn Koschyk, sowie unsere Bundeskanzlerin an. Nach einigen Schreiben, die ich in die Bundeshauptstadt gesendet hatte, wurde ich plötzlich nach Berlin eingeladen. Ich sprach mit dem Bundesbeauftragen, Herrn Staatssekretär Koschyk zwei- oder drei Mal, dann wurde ich in den Bundesrat eingeladen und konnte auch diese Politiker überzeugen.

Der damalige Bundesratsvorsitzende Herr Stefan Weil, der nun Ministerpräsident von Niedersachsen ist, sagte mir zu, dies in Niedersachsen sofort zu veranlassen, was er auch tat. Auch das Land Schleswig Holstein reagierte so und stellte die Gräber unter Schutz. Nur in meiner Heimatstadt, die Landeshauptstadt Wiesbaden tat sich einfach noch nichts.

Vertreter der Sinti im Bundesrat 2014 (Quelle: Laubinger / Pressestelle Bundesrat)

Vertreter der Sinti im Bundesrat 2014 (Quelle: Laubinger / Pressestelle Bundesrat)

Nachdem Herr Staatssekretär Koschyk unseren Oberbürgermeister anschrieb und ihn bat, dies auch für Wiesbaden so zu veranlassen, bis es eine bundesweite Entscheidung gibt, las ich in den Wiesbadener Zeitungen, dass der Oberbürgermeister nach einem Treffen mit mir den Zuständigen darum gebeten hat, die Gräber vorläufig unter Schutz zu stellen. Ich war sehr froh und bei der Versammlung der Sinti-Union Hessen dankte man mir, aber und jetzt kommt wieder etwas negatives, schickte der OB von Wiesbaden eine Nachricht an den Bundesbeauftragten nach Berlin, dass er eine Frist von einigen Monaten setze, und wenn bis dahin keine bundesweite Entscheidung getroffen sei, er die Angelegenheit als erledigt ansehe und die Gräber dann nicht mehr geschützt seien.

Ich wandte mich von da an nur noch die Bundesregierung und bekam dann eine Nachricht vom Bundeskanzleramt, dass im Dezember 2016 endlich eine Entscheidung mit den Bundesländern und der Bundesregierung in unserem Sinne getroffen wurde. Positives, aber leider in der Mehrzahl Negatives, erleben wir tagtäglich.

 

Gibt es ein Ereignis, das Dich persönlich bewegt und rührt (ob positiv oder auch negativ)?

Natürlich, mich berühren alle Dinge die unsere Leute oft erleben egal ob negativ oder positiv. Ich wurde jetzt am letzten Wochenende nach Hamburg zur KZ-Gedenkstätte Neuengamme eingeladen. Meine Mutter und ihre Familie lebten ja bis zum 1.Mai 1940 in Hamburg. Dort wird nun ein Dokumentation-Zentrum errichtet und man wurde durch mein Buch auf mich aufmerksam. Dies war eine sehr positives Erlebnis und ich bin sehr froh, dass es solche Menschen gibt.

 

Mutter Laubinger mit 21 (Quelle: Ricardo Lenzi Laubinger)

Mutter Laubinger mit 21 (Quelle: Ricardo Lenzi Laubinger)

Wenn Du Dir den neuerlich offenen Rassismus rechter Minderheiten hier in Deutschland anschaust – Wie betrachtest Du die Entwicklung?

Ich mache mir Sorgen und bin erschüttert, dass so etwas in unserem Lande noch einmal möglich ist. Nicht jeder, der ein Patriot ist, ist auch ein Rechter oder sogar Nazi, aber eine Partei, die offiziell beantragt, die Sinti in Deutschland zählen zu lassen, die die Wohnorte dieser Familien kennen möchte, die Anzahl der Kinder, für die Kindergeld bezogen wird, etc. Eine solche Partei, die auch ganz offen gegen die Menschen mit ausländischer Herkunft vorgeht, die gehört besonders in unseren Land verboten.

Das Zeigen des Hitlergrußes ist eine Straftat und sollte nicht nur, sondern muss bestraft werden. Was viele Leute aber nicht wissen oder verdrängen, solche Leute sind eventuell auch als Beamte oder Sachbearbeiter in Behörden angestellt oder als Lehrkräfte in den Schulen. Unsere Kinder sind diesen Leuten ausgeliefert und alle Menschen, die von diesen Leuten als „Feinde“ gesehen werden, können hier große Benachteiligungen erfahren und oftmals nichts dagegen tun. Auch dies ist eine Arbeit der Sinti-Union Hessen in Zukunft.

 

Hast Du schon einmal daran gedacht, Deutschland deswegen zu verlassen?

Nein. Ich bin Deutscher und solange ich kann, werde ich für ein demokratisches Deutschland kämpfen.

 

Was wünscht Du Dir für die Zukunft der Sinti, aber auch persönlich?

Ich wünsche mir für die Sinti, dass wir endlich als das anerkannt werden, was wir auch sind, eine deutsche Minderheit, mit allen Rechten und Pflichten. Für mich persönlich wünsche ich, dass die Sinti-Union Hessen endlich unterstützt und gefördert wird.

 

Weitere Informationen unter:

https://de-de.facebook.com/ricardo.laubinger.56/

https://sinti-union-hessen.de.tl/