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Konzert ANATHEMA
14.4.2015 Matrix (Bochum)

Ein Parforceritt zwischen Samtweich und Brutalhart! Schubladendenken zwecklos!

Anathema (Foto www.progarchives.com)

Anathema (Foto www.progarchives.com)

Bochum. Vor geraumer Zeit machte ich das erste Mal Bekanntschaft mit der englischen Band ANATHEMA, sah ich doch den Schriftzug auf etlichen T-Shirts bei einem Konzert der Dark-Metal-Band KATATONIA in Köln. Einige YouTube-Recherchen später musste ich feststellen, dass mir da möglicherweise etwas entgangen war. Folgte man den Kritiken, war die einstige Death-Doom-Metal-Band inzwischen in seichteren Gefilden des Prog-Rocks unterwegs, hatte aber angeblich nichts von ihrer Energie und ihrem druckvollen Sound verloren. Um mir diese musikalische Metamorphose hörbar zu Gemüte zu führen, fuhr ich mit meiner Frau im April nach Bochum, wo die Kombo im Gewölbekeller des Matrix eines seiner wenige Gastspiele in Deutschland gab.

Schon nach den ersten Stücken mit vielen Uuuuhs und Aaaahs, Mitklatschaufforderungen, fragilen Pianoeinlagen und der eher poppig-seichten Stimme der Sängerin Lee Douglas (normalerweise übernimmt der Gitarrist Vincent Cavanagh den Hauptgesangspart) hatte ich das Gefühl, im falschen Konzert zu sein. Ich vermisste die erwarteten Gitarrenwände und Schwermetalleinlagen, doch dann kam schlussendlich alles anders als befürchtet, aber auch erwartet! Als nach zweieinhalb Stunden Nettozeit (exklusive zwei Raucherpausen) das Licht im Bochumer Backsteintunnel wieder anging, ließen die Liverpooler viele ratlose, aber auch völlig begeisterte Hörer zurück. Was einem dort schlussendlich die Gehörgänge freispülte, war ein Parforceritt durch 25 Jahre Bandgeschichte mit Stilen, die unterschiedlicher kaum sein können. Das reichte von zerbrechlichen Songs mit sphärischen Frauengesang zu hingetupften Klaviereinlagen über Progrock-Passagen a la Pink-Floyd, Genesis oder Marillion bishin zu brachialen Dark-Metal-Eruptionen mit dem ehemaligen Frontsänger Darren White. ANATHEMA, die Band der atmosphärischen Endlosschleifen, bewies an diesem Abend, dass vor allem eines bei ihrem Sound nicht möglich ist: Schubladendenken. Ein vorzüglicher Abend zwischen Samtweich und Brutalhart!

Arnold Illhardt

Arnold Illhardt

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