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Fleischfresser zerstören die Erde
Wenn Essen spaltet

Schweineschlachtung (Quelle: soylent-network.com)

Schweineschlachtung (Quelle: soylent-network.com)

Neulich war irgendwo zu lesen, dass die Lebenserwartung von Vegetariern und im Besonderen von Veganern zu der von Fleischkonsumenten doch gar nicht weit auseinander liegt, wie anfangs angenommen. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, übrigens jene, die sich fast täglich an unserem Konsumverhalten orientierend ändern, hätten das herausgefunden.

 

Dort wurden allerdings Thesen aufgestellt, die schnell den Eindruck erweckten, als wolle man eben all den überzeugten Pflanzenfressern die lange Nase zeigen. „Ätsch, doch nicht so schlimm, wie ihr immer predigt.“ Solche vermutlich von der Fleisch produzierenden Industrie subventionierten Kampanien entlarven sich aber meist genauso schnell, wie die Existenz jener lilafarbenen Kühe, die auf der bayrischen Hochalm beheimatet sein sollen.

 

Fleischfresser von Natur aus

Gerne wird auch immer das Argument aufgezeigt, der Mensch sei ja nun einmal von Natur aus Fleischfresser. Dieser Vergleich hinkt allerdings, blickt man beispielsweise auf die Ernährung von Wölfen, die (ähnlich unserer Vorfahren) auch nicht jeden Tag jagen und ständig dem blutigen Konsumrausch erliegen. Zudem bewegen sie sich auch mehr. Der wohlstandserkrankte und fleischfressende Homo sapiens der heutigen Zeit schafft es in der Regel gerade einmal ein paar Stunden ohne den nächsten Nahrungsschub zu überstehen. Und wer sich einmal den evolutionären Vorfahren des heutigen Schafes anschaut wird feststellen, dass dieser ein wolfsähnliches Tier war, dass neben Pflanzen auch Kleintiere auf seinem Speiseplan hatte. Ganz anders als sein Nachkomme heute. Die Änderung der Lebensstrategie scheint also möglich und manchmal auch sinnbringend.

 

Schweineschlachtung (Quelle: soylent-network.com)

Schweineschlachtung (Quelle: soylent-network.com)

Der missverstandene Veggie-Day

Doch wenn man die oft hitzig geführte Debatte zwischen florierenden und faunierenden Nahrungsanhängern folgt, beschleicht einen immer wieder das Gefühl, dass es nur Ziel ist, die Gegenseite zu erziehen. Dass dies nicht funktioniert, sollte eigentlich auch schon seinerzeit den letzten Hinterwäldler erreicht haben, als die Grünen versuchten, in öffentlichen Kantinen den Veggie-Day einzuführen. Auch hier, um es fairerweise gleich vorauszuschicken, ging es nicht um die Erziehung einer ganzen Bevölkerungsgruppe, sondern um die Sensibilisierung für unsere Umwelt. Genauso wenig will ein Maler die Betrachter seiner Bilder zu einer Kunstrichtung erziehen, sondern lediglich auf seine Sicht der Dinge hinweisen und einen Missstand oder einfach nur einen Aspekt aufzeigen.

Wer außerdem mal einen Blick in die Kantinen kirchlicher Einrichtungen wirft, wird schnell feststellen, dass dieses von den Grünen geforderte Ritual, einen Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten, dort aus religiösen Gründen schon seit Langem Gang und Gäbe ist. Und bisher ist nie jemand, wie beispielsweise die Bild-Zeitung mit reißender Titelzeile zum geforderten Veggie-Day der Grünen, auf die Idee gekommen, dem Papst vorzuwerfen, er wolle uns den Fleischverzehr verbieten. Es legt den Schluss nahe, es ging also bei der Diffamierung des Veggie-Days nur um politische Abwinde.

 

Entpersonalisierung des Tötens

Dennoch, eine Erziehung anders Denkender ist völlig fehl am Platz. Es bleibt jedem selbst überlassen, im Rahmen unserer geltenden Gesetze, zu entscheiden was er isst. Hier gilt es eher Überzeugungsarbeit zu leisten. Doch zu Recht gibt es die landläufige Vermutung, dass wenn alle Fleischkonsumenten ihre Nahrung selbst erlegen und zubereiten müssten, der Konsum tierischer Produkte sicherlich drastisch zurückgehen würde. Sicherlich weniger aus Sachverstand denn mehr aus Gefühlsempfinden heraus. Die Frage wäre allerdings: Wie lange? Aber eben jene Entpersonalisierung des notwendigen Tötens und Distanzierung dieses Prozesses macht deutlich, dass in einer Welt der perfektionierten Massentierhaltungs- und Tötungsgesellschaft die Empathie für das einzelne Lebewesen auf der Strecke bleibt. Selbst dem Schlächter, der sich über die Zukunft seines Handelns keine Gedanken machen muss, wird ihm doch die ethische Entscheidung von obriger Stelle abgenommen.

Große Schlachthöfe unterliegen strengen Kontrollen, die ausschließen sollen, dass Tiere während des Tötungsprozesses unnötig leiden. Der Prozentsatz der Tiere, die bei vollem Bewusstsein ausgeweidet werden, ist zwar damit gesunken, aber eben nicht völlig ausgeschaltet worden. Kollaterale Schäden bleiben also humanethisch verkraftbar. Bei Haus- und Metzgereischlachtungen sieht das natürlich deutlich anders aus, wie einer der anhängenden Filme zu diesem Beitrag zeigt. Hier liegen die Lebendschlachtungen deutlich über 12 % der getöteten Tiere.

 

Der fragwürdige Schlüssel zum Erfolg

Doch auch der Konsument wird moralisch entlastet, wenn er mit einer ausgeklügelten Werbung voll wunderschöner Bilder eingelullt wird, die ihm das Gefühl gibt, verantwortungsvoll mit der Umwelt und den darin lebenden Tieren umzugehen. Jene blutigen Schlachtprozesse empfindsamer Tiere werden bewusst ausgeklammert und für die Öffentlichkeit unter Verschluss gehalten. Es verwundert nicht, dass Großmastanlagen Hochsicherheitstrakten gleichen. So sieht das Stück Fleisch in der Theke beim Supermarkt doch ganz anders aus, als die Tiere da draußen im Wald. Nichts erinnert an das kleine süße Ferkel, das grunzend über das Feld lief oder an das Kaninchen, das Kinder gerne auf dem Arm hielten und streichelten. Es darf auch nichts daran erinnern. Es ist der Schlüssel zum Erfolg einer fürs Tierwohl unsensiblen und gefühllosen Industrie, die in den Tieren nur maximal auszunutzendes Erntegut und den daraus resultierenden Profit sieht. Eben nur Nutzvieh. Die Perversion liegt eigentlich schon im Begriff an sich. Und so ist es nicht verwunderlich, dass lange überfällige für die Tiere ethisch notwendige Reformen weiterhin auf sich warten lassen und immer wieder von den verantwortlichen Politikern, unterstützt oder besser manipuliert durch eine starke „Fleischlobby“, die jedweden Eingriff in dieses System vehement torpediert, vor sich hergeschoben werden. Angesichts dessen mag es vordergründig kontraproduktiv sein, dem einzelnen Fleischkonsumenten Gefühllosigkeit und Verlogenheit vorzuwerfen, auch wenn die Frage nach dem Mitgefühl eine Eigenschaft ist, die für die Findung eines Konsenses wichtig sind, da sie für Vegetarier und Veganer ein hohes Gut darstellt. Doch schon ein kleiner Funken Kreativität reicht aus, um zu erkennen, welche Qualen für Tiere hinter dieser Massentierhaltung stehen und dass sie schlussendlich sicherlich nicht totgestreichelt werden.

 

Schweineschlachtung (Quelle: soylent-network.com)

Schweineschlachtung (Quelle: soylent-network.com)

Nachhaltige Entscheidung

Wer jedoch eine für unsere Umwelt und nachfolgende Generationen verantwortungsvolle und vor allem nachhaltige Entscheidung treffen will, darf nicht einfach auf Geschmack, den Preis und letztendlich seinen Magen hören, sondern muss das Gesamtbild betrachten. Mit einer rasant wachsenden Erdbevölkerung ist die Öko-Bilanz allerdings in zunehmendem Maße in allen Bereichen fragwürdig. Doch besonders für Veganer aber auch Tierschützer kommt bei Tierprodukten der humanistisch ethische Aspekt hinzu.

 

Das eklatante Verhältnis

Ganz nebenbei ist die Fütterung der Tiere in der Großmast mit Soja, übrigens genmanipuliert, das in tierischen Produkten nicht kennzeichnungspflichtig ist(!), deutlich ineffektiver, als die gleiche Menge der Pflanzen für die Ernährung des Menschen zu nutzen. Denn aus einem Kilo Sojabohnen lassen sich vergleichsweise 2 Kilogramm Tofu herstellen, aber heruntergerechnet nur 300 Gramm Schweinefleisch gewinnen. Auch die Behauptung, Veganer und Vegetarier seien Klimakiller, weil für den Sojaanbau der Regenwald gerodet wird, hinkt. Denn von dem weltweit angebauten Soja wandern nur 2 % in die Herstellung von Produkten, die direkt vom Menschen verzehrt werden. 98 % werden für die Tierfütterung verwendet.

 

Ende der Welt

Wer jedoch all diese Tatsachen schnodderig ausblendet und nur auf das billigste Fleischangebot schielt, macht sich schuldig an der Zerstörung der Artenvielfalt von Tieren aber auch Pflanzen und dem Fortbestand dieser Welt und zeigt darüber hinaus mangelnde Einsicht, sogar den eigenen Nachkommen gegenüber, wie selbst Astrophysiker Stephen Hawking kürzlich erkannte und der Welt ein baldiges und unschönes Ende prognostizierte.

Aber Veganismus ist schon lange keine affektierte und elitär esoterische Ernährungsart mehr, sondern vielmehr der Versuch mit den Ressourcen dieser Welt verantwortungsvoll umzugehen, sodass auch zukünftig Menschen auf dieser Welt mit Ausblick auf eine eigene Zukunft leben können. Das als „Grasen“ und „Grünfutterei“ oder wie auch immer in solchen wie eingangs beschriebenen Kampagnen zu bezeichnen ist weniger eine Verunglimpfung als vielmehr ein verzweifelter Hilferuf einer notorischen Uneinsichtigkeit und eher der Profitgier einer immer einsamer werdenden Kaste und ihrer Lobby geschuldet.

Immer mehr Menschen möchten sich veganer ernähren, d. h. deutlich weniger Fleisch und tierische Produkte konsumieren und verantwortungsvoller mit der Umwelt umgehen. Es ist der erste Schritt in die richtige Richtung und verdient Hochachtung und Unterstützung.

 

Schreddern der männlichen Eintagsküken:

Beitrag der Tagesthemen zum CO2-Lift:

 

Kollaterale Lebendschlachtungen:

Ein Kommentar

  1. Ich kann nicht behaupten, dass ein Teil meiner Familie und meiner Freunde gefühllos und verlogen oder keine Empathie besitzen. Sie sind warmherzig, liebevoll und absolut verlässlich. Doch kommt das Thema auf unser Essverhalten, zweifel ich manchmal an meiner Erziehung oder dem gesunden Menschenverstand meines Gegenübers. „Die Menschen haben immer schon Fleisch gegessen. Das ist nun mal so!“ Oder das Argument, dass wir von Natur aus Fleischfresser sind! Ich kann es nicht mehr hören! Die Menschen wohnen ja auch nicht mehr in Höhlen, in dieser Beziehung haben sie ihre Gewohnheiten doch schließlich auch geändert!
    Doch in letzter Zeit beobachte ich immer mehr ein provozierendes Trotzverhalten, ähnlich Kindern im schwierigen Alter von 3 – 4 Jahren, hinter dem womöglich doch ein Hilferuf steckt. „Ich kann nicht ohne Fleisch. Es schmeckt mir doch so gut!“

    Fleisch essen ist keine Sucht, man kann jederzeit damit aufhören und es gibt auch keine Entzugserscheinungen!“

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