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Realistischer Phantast
Der Maler und Musiker Benno Sökeland

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Thomas Esche)

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Thomas Esche)

Wenn Benno Sökeland malt, taucht er ein in phantastische und dennoch reale Szenen. Ein scheinbarer Widerspruch, der dann keiner mehr ist.

 

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Thomas Esche)

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Thomas Esche)

Für mich war es eine Art Zeitreise, hatte ich doch in meiner Jugend über die Musikerinitiative und die örtliche Musikszene immer wieder Berührungspunkte mit Benno gehabt, der damals in unterschiedlichen Bands Gitarre gespielt hat.

Ich habe in meinem Leben viele Bilder gesehen, aber noch nie so viele auf einem Haufen. Als er mir die Tür öffnet, stolpere ich nahezu über die ersten Werke von ihm. Überall stehen Bilder an der Wand gelehnt. Im Flur, im Treppenhaus, im Büro, im Atelier sowieso, und ein kleiner anhängender Lagerraum ist fast unbegehbar vor lauter Leinwänden. Die Unaufgeräumtheit seines multifunktionalen Büros, Studios, Proberaums, in dem wir schließlich Platz nehmen, gefällt mir und verbreitet ein bekanntes Gefühl.

Benno spricht leise. Ich muss genau zuhören. Früher war er schon so. Damals habe ich es fälschlicherweise immer für gehetzt gehalten. Doch heute wirkt es auf mich zurückhaltend, vielleicht sogar ein bisschen schüchtern. Er ist Perfektionist und manches Mal scheint er von seinem Tun nicht selbst genug überzeugt zu sein, wie er im anschließenden Gespräch noch andeutet, obgleich es dafür überhaupt keinen Grund gibt. Seine Bilder sind klasse und überzeugen in ihrer Perfektion und Realitätsnähe auch mich als Laien. Damit bin ich bei dem Stichwort.

In der Malerei hat er neben vielen anderen, auch experimentellen, Richtungen sein Zuhause im ‚phantastischen Realismus‘ gefunden und hier seine eigene, unverwechselbare Nische entwickelt, in der er unterschiedliche, realitätsgetreu gezeichnete Personen und Szenen in einen anderen, nahezu collagenartigen Kontext setzt und damit eher als realistischer Phantast bezeichnet werden könnte. Es ist erstaunlich, dass er bei dieser Alleinstellung noch nicht zu den bekanntesten Künstlern dieser Stilrichtung zählt und erweckt den Hauch des Eindruckes, dass es auch in der Malerei manchmal weniger um das Können, als mehr um die Promotion geht.

 

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Thomas Esche)

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Thomas Esche)

Benno, durch unsere Berührungspunkte in der Vergangenheit hatte ich immer angenommen, dass Du mehr Musiker als Maler bist. Doch Dein Werdegang im Bereich Kunst, Malerei und Visualisierung reicht viel weiter zurück. Ihr wart seinerzeit gute Musiker und über die Grenzen hinaus bekannt. Hattest Du nie den Gedanken, im Bereich Musik weiterzumachen?

Mit „Siddharta“ und der „Axel Schweiss Band“ war es eine tolle Zeit und hat auch viel Spaß gemacht. Aber ich glaube, für eine Profi-Musiker-Karriere hätte ich einfach noch mehr üben müssen. Ich denke, dass ich dafür einfach noch nicht gut genug war. Außerdem waren die Kosten für die Produktion einer guten Aufnahme, also allein die Studiokosten schon extrem hoch. Die Produktion einer Schallplatte hätten wir uns ohne Vertrag bei einem Label nie leisten können. Aber nein, Musik war und ist immer ein kreatives Hobby nebenbei, das ich auch heute nicht missen möchte.

 

Du bist gelernter Grafikdesigner. Ist Grafikdesign für Dich als Maler heute eine Art künstlerische Prostitution, weil es Dich in Deinem Schaffen einzwängt?

Nein, überhaupt nicht. Zum einen ist es natürlich toll, wenn man auftragsmäßig etwas schafft, das immer noch Bestand hat. Ich habe beispielsweise für eine Firma neben dem Logo das gesamte Werbeerscheinungsbild, das sogenannte Corporate Identity entwickelt, das auch nach Jahren heute noch, zwar in Nuancen geändert, immer noch nach Außen gezeigt wird. Zum anderen hast Du sicherlich Recht. Wenn man weiterkommen will, muss man schon Grenzen überschreiten. Dennoch hat mir das Erlernte geholfen. Ohne dem könnte ich manche Dinge heute gar nicht realisieren, die ich gerne zeichnen würde, weil mir die Techniken fehlen würden. Leute, die beispielsweise Kunst studiert haben, gehen das Malen ganz anders an, als ich es tun würde. Darüber hinaus fand ich es immer spannend, anderen über die Schulter zu blicken, um zu sehen, wie sie es machen, wie Dinge entstehen.

 

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Benno Sökeland)

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Benno Sökeland)

Du arbeitest mit unterschiedlichen Materialien und Verbindungen, die Du anschließend auch in Deine Bilder mit einbringst. Erzähl ein bisschen dazu.

Bei der Auswahl dieser Materialien bin ich relativ spontan. Das kann alles Mögliche sein. Deckel von Konserven, alte Verpackungen, schlicht das was Leute wegwerfen, aber auch Baumatten oder -Netze, Folien und noch vieles mehr. Es ist für mich sehr inspirierend, mit diesen Materialien in Verbindung mit der Malerei zu experimentieren. Sieh hier, was hier aussieht wie ein futuristischer Gebäudekomplex, ist eine Pralinenpackung, die ich mit Gips ausgegossen und ins Bild gesetzt habe, genauso wie diese scheinbar elektronische Platine. Diese Dreidimensionalität der Bilder hat mich sogar zu etwas Neuem inspiriert. Ich habe mal ein Bild mit übergewichtigen Leuten gemalt, die ich dann aus dem Bild herauskommen ließ, indem ich einzelne, sozusagen ausgeschnittene Personen davon vor dem Bild aufstellte. Das war sehr interessant auf der Ausstellung. Viele Besucher ließen sich zwischen diesen Figuren fotografieren.

 

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Thomas Esche)

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Thomas Esche)

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Thomas Esche)

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Thomas Esche)

 

 

Du warst als Künstler nach Monastir in Tunesien eingeladen. Wie kam es dazu?

Das war ein Austauschprogramm der Künstlergemeinschaft „pArt 96“ in Münster, in der ich auch Mitglied bin. So wie tunesische Künstlerinnen und Künstler hierhergekommen sind, so sind einige von uns dort nach Monastir gefahren. Das war auf jeden Fall eine klasse Erfahrung gewesen, weil man dadurch natürlich auch wieder ganze neue Erfahrungen und Eindrücke gewinnt.

 

Zwei Deiner Bilder hängen jetzt auch dort in Tunesien?!

Noch nicht, aber in Zukunft. Dort wird derzeit ein Museum gebaut, und damit dieses ein Grundstock aus Ausstellungsstücken hat, entwarf jeder von uns zwei Werke, die dann zukünftig fest in diesem Museum hängen werden.  Das ist natürlich ein tolles Aushängeschild. Wir waren aber nicht die einzigen geladenen Künstler dort. Es waren zur gleichen Zeit welche aus Russland, der Türkei, aus Kanada und anderen Ländern, aber auch einheimische Künstler eingeladen. Insgesamt waren es um die 80 Künstlerinnen und Künstler. Es war ein unglaublich schönes Erlebnis.

 

Du hast gerade „pArt 96“ angesprochen und bist auch in anderen Künstlervereinigungen. Wie wichtig ist Dir die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern?

Die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und diese Art von Vereinsarbeit ist mir schon sehr wichtig. Insbesondere dann, wenn man gerne seine Bilder bzw. Werke ausstellen möchte, wird es für Einzelpersonen immer schwierig, da man an Ausstellungsräume nur schwer gelangt, besonders dann, wenn man noch keinen Namen in der Szene hat. Viele Galerien bzw. bekannte Ausstellungszyklen sind eigentlich bessere Messen, auf denen im übertragenen Sinn eine Standmiete gezahlt wird, die sich ein Normalsterblicher schon nicht mehr erlauben kann. Das ist sehr schade, dass auch hier nur das Geld regiert. Selbst als Ausnahmekünstler brauchst Du eine gute Promotion, sonst wird keiner auf Dich aufmerksam. Und wenn man dann in Verbindung mit anderen Künstlerinnen und Künstlern eine gemeinsame Ausstellung organisieren kann, besteht natürlich auch die Möglichkeit, kostenlos in öffentlichen Räumen ausstellen zu können. Es kann das Sprungbrett sein.

 

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Thomas Esche)

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Thomas Esche)

Du hast viel politische Aussage in Deinen Bildern. Darf, soll, muss Kunst politisch sein?

Das ist für mich ganz einfach. Kunst, Malerei, Musik oder egal was, muss erst einmal Spaß machen. Denn wenn ich keine Lust daran habe, bringe ich auch keine Aussage auf die Leinwand. Natürlich bin ich auch ein politischer Mensch und bringe auch meine Meinung und Kritik zum Ausdruck. Wie beispielsweise auf diesem Bild. Hier siehst Du Madonna als Material Girl, J. R. Ewing als Sinnbild für den überzogenen Kapitalismus. Ebenso sind auf dem Bild der Milliardär Warren Buffet, Notenbankchef Bernanke und andere zusehen. Über allem schwebt das Symbol des goldenen Kalbs. Und hier unten links ist mein Sohn zu erkennen, der entgeistert auf diese kaputte Welt blickt. Aber es ist noch nicht ganz fertig. Hier und da muss ich noch ausbessern.

 

Auf dem Bild steht „2012“. Du arbeitest seit fünf Jahren an diesem Bild?

(Er lacht) Angefangen habe ich mit diesem Bild noch viel früher. Aber immer wieder, wenn ich draufschaue, entdecke ich wieder etwas, was noch nicht so ist, wie es sein sollte. Manchmal ist es nur der Blick einer Figur, der nicht hundertprozentig ist oder anderes. Es sind aber meistens Kleinigkeiten. Das geht mir aber bei fast allen Bildern so. Ich entdecke ganz oft etwas, das verbesserungswürdig, eben noch nicht perfekt ist.

 

Auf Deiner Webseite findet man das Zitat von „Mooji“ (Anthony Paul Moo-Young): „Du siehst die Welt nicht so wie sie ist, Du siehst die Welt so wie Du bist“. Hat die Lehre Adviata-Vedanta eine Bedeutung für Dich?

Eigentlich weniger. Dieses Zitat passt einfach nur sehr gut auf meine Arbeit und meine Bilder. Denn ich gebe nicht die Realität wieder wie sie ist, sondern meine Sicht darauf, meine Kritik und manchmal auch meine Wünsche und Mahnungen.

 

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Thomas Esche)

Maler und Musiker Benno Sökeland (Foto: Thomas Esche)

Was wünscht Du Dir für Dein zukünftiges Arbeiten?

Ich würde gerne mehr solch großer Bilder zeichnen und noch mehr mit Materialien und Techniken experimentieren, Ausstellungen durchführen. Es ist ungemein inspirierend, und ich kann dabei richtig eintauchen. Nur fehlt mir leider die Zeit dafür. Oder auch die Musik, wo ich derzeit an einem Bühnenprogramm schreibe mit ca. 15 Bluesrock-Songs, mit denen ich gerne auftreten würde und dafür auch noch Live-Musiker suche. Du siehst, es wird nicht langweilig. Es ist nur schade, wenn solche kreative Phasen immer wieder vom Alltag durchbrochen werden.

 

soekeland-galerie.de

soekeland.de

 

Alle Fotos des Besuches (Fotos: Thomas Esche):

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