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Ein Gefühl von Licht
Fotograf und Publizist Uwe S. Meschede auf La Palma

"Disfruta La Palma" Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

„Disfruta La Palma“ Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

Der Fotograf und Herausgeber des Touristenmagazins „Disfruta La Palma“ ist seit langem auf der Insel. Sein Start war steinig, und er hat eine unglaublich bewegte Geschichte hinter sich.

 

"Disfruta La Palma" Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

„Disfruta La Palma“ Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

Touristenmagazine gibt es auf den Kanaren einige. Als mir neben anderen das Magazin „Disfruta La Palma“ (Genieße La Palma) in die Hände fällt, besticht es vor allem durch sein Konzept und die Authentizität. Egal ob Webseiten oder Magazine. Ich finde besonders jene sympathisch, die nicht gesichtslos sind, in denen sich die Macher auch zeigen und über sich schreiben und damit offen testimoniativ für ihre Arbeit stehen. Das macht es glaubwürdiger. Uwe liebt seine Arbeit nicht nur, er lebt sie auch, wenn er in persönlicher Art über Besuche in seinen Lieblingsrestaurants berichtet. All das machte mich neugierig, sodass ich sofort eine E-Mail schickte und war erstaunt, prompt eine Einladung zu einem Interview zu erhalten.

Als ich dann sein Büro und Atelier betrete, kommt mir Uwe offenherzig und lächelnd entgegen. Eine Distanz, wenn überhaupt eine vorhanden war, ist sofort verschwunden. Sein Auftreten ist gefestigt, und man erkennt sofort, dass er schon lange als selbständiger Fotograf und Werbemanager tätig ist. Und seine Arbeit? Sie ist nicht nur gut, sie ist perfekt. Damit setzt er eine eindeutige Messlatte für sein Magazin und auch für sich selbst. Denn er will lernen. Ständig und aus allem.

Eines seiner Spezialgebiete und große Passion ist die Fotografie von Nahrung und Speisen im weiteren Sinne. Sein Kreativbereich ist um eine voll ausgestattete Küche bereichert, sodass angerichtete Menüs sofort im Bestzustand abgelichtet werden können.

Wir nehmen an der Küchentheke Platz, und als ich die erste Frage stelle, sprudelt es auch schon nur so aus ihm heraus.

 

"Disfruta La Palma" Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

„Disfruta La Palma“ Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

Ich habe schon ein wenig auf Deinen Webseiten recherchiert. Du hast ein bewegtes Leben hinter Dir und bist viel rumgekommen. Gib mir einen kurzen Abriss der wichtigen Stationen.

(Er lacht) Also, wenn ich mich kurzfassen soll. Ich war zweimal in Südfrankreich, einmal getrampt und einmal selbst gefahren. Beim ersten Mal hatte ich noch die alte Fotobox meines Vaters mit. Doch schon damit war der Funken für die Fotografie übergesprungen. Beim zweiten Mal hatte ich dann meine eigene Nikon dabei und war damit für meine Ansprüche wesentlich besser ausgestattet.

Nach meinem Studium zum Werbemanager hatte ich mich selbständig gemacht mit einer Werbeagentur. Es lief auch recht gut. Doch die Lust, andere Länder kennen zu lernen bewegte mich schon immer. Und so wollte ich unbedingt einmal in die Karibik, bin nach Kuba geflogen und das Land hat mich sofort umgehauen, so überwältigt war ich. Ich habe dann die ganze Karibik erkundet, Mittel- und Südamerika und entdeckte nicht nur meine Liebe zur journalistischen Dokumentarfotografie, sondern auch zur spanischen Sprache und der Lebensfreude der Latinos.

 

"Disfruta La Palma" Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

„Disfruta La Palma“ Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

Du hast auch einige Fotobücher gemacht. Was war Dir beim Fotografieren immer wichtig?

Ich bin nicht der Typ, der immer eine Kamera um den Hals hängen hat. Ich arbeite eher zielgerichtet. Ich suche mit beispielsweise einen Hintergrund und warte dann ab, was davor passiert. Das kann eine halbe Stunde so gehen oder manchmal auch einen ganzen Tag.

Bei der Wahl der Motive sind es vor allem die Gefühle, die sich in exotischen Gesichtern widerspiegeln. Es hat sicherlich etwas mit der Begeisterung zutun, dass ich gerne fremde Länder bereist habe, aber nach all den Jahren ist das deutsche Gesicht für mich nicht mehr überraschend. In Indien und in Mittel- und Südamerika habe ich das ganz anders und differenzierter wahrgenommen. Es ist ungemein anspornend für die Kreativität, über den Tellerrand hinausschauen und viel aus den Reisen lernen zu können. Das ist etwas, das bleibt.

 

Ich habe gelesen, dass Du auch mal als Zauberkünstler gearbeitet hast. Erzähl ein bisschen darüber.

Oh ja, das war in den 90ern. Irgendwann hatte ich mit all den Verpflichtungen um die Werbebranche einfach genug und fühlte mich ausgepowert. Ich erinnerte mich, dass ich mich schon früh immer für Zauberkünstler und ihre Illusionen begeistert und ihnen nachgeeifert habe. Irgendwann entstand daraus eine gewisse Professionalität. Mit einer Partnerin habe ich es dann tatsächlich geschafft, neben einigen Preisen, auch quer durch Europa eine ganze Reihe von Auftritten zu bekommen. Es war eine tolle Zeit.

 

Wann bist Du nach La Palma gekommen und wie kam es dazu?

Das erste Mal war ich schon 2004 auf La Palma. Damals noch für Kunden, für die ich Werbe-Magazine für ihre Produkte erstellen sollte. Und ich erinnere mich noch, dass ich mich schon beim Landeanflug in diese Insel verliebt habe. Im April 2011 bin ich dann nach La Palma ausgewandert. Ich hatte das große Glück, dass ich meinen Job in Deutschland auch von der Insel aus bewerkstelligen konnte und nur wenige Male in Deutschland zu Besprechungen erscheinen musste.

 

"Disfruta La Palma" Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

„Disfruta La Palma“ Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

"Disfruta La Palma" Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

„Disfruta La Palma“ Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

Wie kam es zum Magazin „Disfruta La Palma“?

Da sich meine bisherige Tätigkeit für die Kunden in Deutschland dennoch auflöste, musste eine neue Idee her. Bevor ich nach La Palma kam, hatte ich schon einmal ca. 2 Jahre in der Dominikanischen Republik gelebt. Ein ähnlicher Umstand wie anfangs hier auf La Palma. Ich bin viel hin und her gejettet. Dort hatte ich versucht in Santo Domingo, ein ähnliches Magazin zu etablieren. Das scheiterte allerdings an der Unzuverlässigkeit der Unterstützer und Investoren, mit denen ich mich eingelassen hatte. Doch hier auf La Palma fruchtete diese Idee, und wir sind nun schon im sechsten Jahr und bereiten die 25. Ausgabe vor.

 

"Disfruta La Palma" Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

„Disfruta La Palma“ Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

Hast Du hier Deinen Traumjob gefunden?

Ich muss zugeben, dass ich nach all den Jahren festgestellt habe, dass ich nicht der Verkäufer in dem Job bin, obwohl ich es sicherlich auch beherrsche und es auch zu meiner Ausbildung gehört. Aber am liebsten igel ich mich hier im Studio ein und komme anschließend mit dem fertigen Produkt heraus. Ich liebe diese kreative Arbeit, mich in Versuchen, es noch besser hinzukriegen, zu verlieren. Und manchmal genieße ich auch die Ausflüge im offenen Jeep in den Norden der Insel mit der Fototasche. Stundenlang auf ein passendes Motiv zu warten und einfach nur durch die tolle Landschaft zu streifen. Doch komischerweise ist dieses touristische Gefühl von einst inzwischen verloren gegangen, mit staunenden Augen diese wunderschöne Natur hier auf La Palma wahrnehmen zu können. Das ist wohl so, wenn man hier arbeitet. Ich vermisse es. Doch der Vorteil von La Palma ist: Schau, es ist Ende Oktober und wir sitzen hier in T-Shirt und kurzer Hose.

(Maria Bogarin, seine Mitarbeiterin und rechte Hand erscheint und wir werden vorgestellt)

Weißt Du, wie überall auf der Welt sind die Einheimischen Fremden und Neuankömmlingen gegenüber immer scheu bis vorurteilsbehaftet. Somit ist es immer von Vorteil, einen Einheimischen an der Seite zu haben. Das schafft Vertrauen zu den Palmeros. Und Maria ist eine gute Verkäuferin. Wir ergänzen uns perfekt. Das schlägt sich auch im Erfolg des Magazins nieder.

 

"Disfruta La Palma" Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

„Disfruta La Palma“ Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

Ist La Palma das Ende oder zieht es Dich noch irgendwo hin?

Ich liebe die Insel über alles, aber ja, ich kann mir vorstellen, für neue Herausforderungen durchaus wieder weiter zu ziehen. Ich versuche da immer offen zu bleiben und mich spontan treiben zu lassen. Mal sehen.

 

Hast Du noch irgendeinen großen Traum oder eine Vision, den bzw. die Du gerne noch verwirklichen würdest? Was inspiriert Dich?

Ich würde gerne das Journalistische in meiner Arbeit noch weiter vertiefen. Sieh, es ist ein Job, bei dem man ständig dazulernen muss. Du hast immer wieder neue Herausforderungen und fängst ganz oft immer wieder von vorne an, um es noch perfekter zu realisieren. Es klingt vielleicht komisch, aber ich denke manchmal, dass ich erst hier auf La Palma richtig zu fotografieren gelernt habe. Das soll nicht heißen, dass vorher alles Murks war. Meine Fotos waren gut und haben die Prospekte treffend unterstützt. Das habe ich schließlich gelernt. Doch erst hier habe ich bemerkt, dass Fotos auch stark sein können, habe ein unglaubliches Gefühl für Licht entwickelt und liebe es, heute damit ausgiebid zu spielen, bis ich es endlich auf den Punkt gebracht habe und es meinen Ansprüchen genügt. Ich habe fast anderthalb Jahre hier an dem richtigen Handling für Licht gearbeitet.

 

"Disfruta La Palma" Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

„Disfruta La Palma“ Uwe S. Meschede (Foto: Thomas Esche)

Nebenbei habe ich eine weitere Passion entwickelt, die man als Vision und Inspiration gleichermaßen bezeichnen könnte. Ich fotografiere inzwischen leidenschaftlich gerne Food. Es ist das, was mich hammermäßig interessiert und begeistert. Du siehst ja, ich habe hier eine Küche. Und es ist nicht selten, dass wir hier abends mit Freunden kochen und es sofort ablichten. Oben im Lager habe ich neben Geschirr und Besteck auch andere Utensilien, um das Essen passend anzurichten. Und besonders in diesem Bereich spielt das Licht eine ganz elementare Rolle und muss bei jeder Speise nahezu neu erfunden werden. Einige dieser Fotos sind Dir vielleicht auch vorne im Eingangsbereich aufgefallen.

Das ist eine Vision, der ich mich in Zukunft deutlich mehr widmen möchte.

 

disfrutalapalma.com

uwe-s-meschede.de

canaryfoodphoto.com

 

Alle Fotos der Galerie (Fotos: Thomas Esche):

2 Kommentare

  1. Hallo Thomas, danke für den Tipp. Dieses Magazin habe ich aber nicht gefunden. Werd nächste Mal drauf achten. Wir waren vor 4 Jahren da. Gab es da noch nicht? Ich hatte mal eines gefunden, dass jemand im Cafe auf dem Tisch liegengelassen hatte. Das war glaube ich Para Ti. War aber voll mit Werbung.
    Ich findes aber toll mal hinter die Kulissen zu blicken, wo es gemacht wird.
    Viele Grüsse
    Ann-Kathrin

    • Hallo Ann-Kathrin,

      doch, das Magazin „Disfruta La Palma“ gibt es schon seit sechs Jahren. Es liegt an öffentlichen Stellen aus. Ich habe es in einem der Ständer am Eingang zu einem Hiperdino gefunden. Und, nun ja, das mit der Werbung ist so eine Sache. Das Heftchen ist kostenlos, und irgendwoher muss das Geld für die Publikation ja kommen. So bleibt halt nur der Weg über die Werbung.
      Ja, ich fand den Blick ins Atelier auch sehr spannend, und Uwe ist wirklich ein netter und vor allem kreativer Kerl.

      LG Thomas

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