Telgte erleuchtet

Mond (Foto: Thomas Esche)

Mond (Foto: Thomas Esche)

Letztlich hatte Telgte abends im November geleuchtet. Ja! Man mag nun stirnrunzelnd zur Decke schielen und angestrengt überlegen. Telgte hat geleuchtet? Abends? Im November? Es wäre vielleicht auch beängstigend, wenn nicht. In einer Jahreszeit, in der es um 17 Uhr schon dunkel wird. Aber nein, dieses Mal in Farbe und das bis um 22 Uhr. Möglicherweise, um der üblichen, monochromen Tristesse einer immer mehr kommerziell ausblutenden Altstadt zu entfliehen. Ein letztes merkantiles Aufbäumen, bevor Telgte abends nach Anbruch der Dunkelheit wieder schließt, solange bis dann endlich das Weihnachtsfest eingeläutet wird und wieder warmes Licht durch die von Blockflötenklängen verzauberten Straßen fließt.

Suggerierten die Ankündigungsplakate zu diesem Spektakel noch imposante Lichtinstallationen auf den Häuserfassaden, schoben sich nun viele (Be-)Sucher, zum Teil mit Kameras bewaffnet, verwirrt durch die Straßen, um jene vergänglichen Kunstwerke zufälligen Lichtspiels aufzuspüren. Während jedoch das Stadthaus in ein blasses, aber stetig zurückhaltendes Blau von innen her getaucht wurde, erstrahlte das alte Rathaus am Markt in einem sonnigen, schon fast blendenden Gelb. Ja, so schön kann Telgte sein.

Eine fulminante Idee zu einem illuminativen Durchbruch, der aber leider immer wieder von dem nicht nur Luft-, sondern auch Licht verschmutzenden Verkehr gestört wurde. Oder war es gar pure Absicht? Die ständigen Farbwechsel vor den Fassaden, die wie eine Kommunikation zwischen den Häusern anmuteten. Der große Lieferwagen auf dem Marktplatz, der durch das Gelb des alten Rathauses und einem dezenten Rot aus einem versteckten Scheinwerfer, verbunden mit dem Lichtspiel zufällig vorbeifahrender Autos und Fahrräder, zu einem künstlerischen Kontrapunkt und echten Hingucker wurde. Ein ausgeklügeltes Drehbuch zu einer versteckten, scheinbar zufälligen Lichtstory? Wer hat sich all das nur ausgedacht? Oder was und wie sollte an diesem Abend wirklich leuchten? Was war die geheime Botschaft oder war es gar, wie schon einmal im Wallfahrtsort, eine Erleuchtung? Es wird wohl auf ewig im Dunkeln bleiben.