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Sodom und Kentucky

Homoehe (Quelle: corvalliadvocate.com)

Homoehe (Quelle: corvalliadvocate.com)

Jüngst weigerte sich eine Standesbeamtin in Kentucky die Ehe eines gleichgeschlechtlichen Paares zu trauen, obwohl dieses längst überfällige Recht nun überall in den USA homosexuellen Minderheiten zuerkannt wurde. Der Bundesrichter David Bunning ordnete deswegen Anfang September eine Beugehaft für die uneinsichtige Frau an, damit diese Zeit fände ihr Handeln zu überdenken, das bisher in dieser Frage von tiefer Religiosität gekennzeichnet war.

„Wie Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die sich, gleicherweise wie jene, der Hurerei ergaben und anderem Fleische nachgingen, als ein Beispiel vorliegen, indem sie des ewigen Feuers Strafe leiden. (Judas 7)“ mochte sich die Standesbeamtin wohl gedacht haben, als sie das Aufgebot zurück wies und damit gegen geltendes Bundesrecht verstieß. Republikaner und ebenso gläubige Erzkonservative bejubelten die Haltung der Staatsdienerin. Jene Konservative, die eher eine Lockerung denn einer Verschärfung des Waffengesetzes verlangen, die Waffen in alle Welt liefern und an den daraus resultierenden Kriegen lieber die europäischen Partner beteiligt wissen wollen, als selber dort einschreiten zu müssen, die lieber heute als morgen den noch gerade eingeführten Sozialstaat auf Kosten einer armen Unterschicht und zur Förderung des eigenen opportunen Wohlstandes wieder aufkündigen möchten, deren Spitzenkandidat polternd wie ein „Trump“eltier gegen Schwarze und andere Minderheiten hetzt, deren Partei sich „Tea Party“ nennt und damit ironischerweise an ein Ereignis erinnert, dass den Grundstein für die Befreiung eines ganzen Volkes bestehend aus so vielen ethnischen und religiösen Gruppen legte.

Die Standesbeamtin ist nun aus der Beugehaft entlassen worden und darf ihren Dienst wieder aufnehmen. Sie mag sich über ihre neugewonnene Popularität und den Zuspruch am rechten Flügel der politischen Landschaft gefreut haben und hat dieses offenbar zum Anlass genommen, gleich zu Beginn ihres Dienstantritts erneut eine Bedingung zu stellen. Sie werde zwar keinen ihrer Mitarbeiter daran hindern, Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare vorzunehmen, obwohl sie dies als eine Sünde und Straftat ansieht. Gleichwohl werde aber keine dieser Trauurkunden ihren Namen und Unterschrift tragen. Ob diese dennoch gültig sind, prüft das amerikanische Bundesgericht derzeit. Möglicherweise hatte die ewig gestrige Beamtin das Bild von David und Goliath vor Augen, als sie sich zu Höherem berufen fühlte und nahezu pubertär bockig in ihrer rechten Verweigerungsstarre verweilte.

Richter Bunning mag sich indes gedacht haben: „Und die Schuld der Tochter meines Volkes ist größer geworden als die Sünde Sodoms, das plötzlich umgekehrt wurde, ohne dass Hände dabei tätig waren. (Klagelieder 4, 6)“.

Wir rufen ihr und auch anderen Verweigerern zu: „So sehr die Hunde bellen. Die Karawane zieht weiter.“

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