Nordhorn, Isis und ein Ei

Geier (Quelle: Wikipedia / Foto: Yann) https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Vultures_in_the_nest,_Orchha,_MP,_India_edit.jpg

Geier (Quelle: Wikipedia / Foto: Yann) https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Vultures_in_the_nest,_Orchha,_MP,_India_edit.jpg

Im Tierpark zu Nordhorn bot sich jüngst ein unglaubliches Schauspiel dar. In dem über lange Zeit nur von Junggesellen beherrschten Gehege der Geier wurde die Geierdame Lisa eingeschleust, um den mittlerweile längst fälligen Nachwuchs der Geierpopulation zu sichern, da sich diese in der Zwischenzeit schon deutlich ausgedünnt hatte.

Was weder Zoopersonal noch Besucher bis dato wussten: Die Junggesellenriege des Geiergeheges war inzwischen zu einer Schwulen-WG mutiert. Anfangs hatte Lisa, die dumme Gans, wohl noch geglaubt, den Herren der gleichrassigen Schöpfung schöne Augen, oder wie das vielleicht unter Geiern so üblich ist, einen schönen Schnabel zu machen, musste aber schnell erkennen, dass ihre Chancen hier gleich Null sind.

Nun zog sie sich knatschig, weil offenbar auf einem Abstellgleis genetischer Zweisamkeit und Zukunft abgesetzt worden zu sein, statt in der ersten Reihe einer geierlichen Chippendale-Vorstellung, auf einen Ast zurück und, oh Wunder, warf (oder wie immer man es nennen möchte) aus ca. zwei Metern Höhe ein Ei in den vom Regen aufgeweichten Morast des Bodens darunter hinab. Eben jener verhinderte, dass das Ei zerbrach. Eine Zoopflegerin, die just zugegen war, nahm dieses Ei, dass ihre Mutter so achtlos wegwarf, als wolle sie ihrem Frust darüber, nicht als das Huhn im hähnlichen Korb anerkannt und geehrt worden zu sein, Ausdruck verleihen, entgegen.

Die Pflegerin indes steckte das Ei in den Brutkasten. Doch schnell wurde der Verwaltung des Zoos klar, dass der Brutkasten und eine dann folgende menschliche Prägung des geierlichen Kükens nicht sinnvoll wären. Pragmatismus war gefragt. Und schnell entschied man sich, einen adäquaten Ersatz zu suchen. Dieser konnte aber eben nur in der von schwulen Geiern dominierten Population des eigenen Geheges gesucht werden. „Isis“ und „Nordhorn“, was immer uns diese Namen sagen möchten, zwei männliche Geier, die schon seit Langem liebevoll ein gemeinsames Nest im Gehege betreiben, wurde auserwählt und nahmen das fremde Ei, wenn es denn dann überhaupt befruchtet ist, was sich irgendwann in nächster Zeit herausstellen sollte, prompt an und setzten sich hütend und brütend darauf, als wäre bzw. ist es das Natürlichste von der Welt. So scheint es in der Natur wohl vorgesehen.

Erstaunlich ist aber, mit welcher Einfachheit und Unvoreingenommenheit und mit der Sicht auf das Wohl des Kindes die Nordhorner Zooverwaltung, sich übrigens über menschliche Bundesgesetze hinwegsetzend, das Adoptionsrecht für die beiden Herren im Geiergehege beschlossen haben.

Was im Gegensatz dazu allerdings unsere Bundesregierung bewegt, die eigentlich schon längst überfällige komplette Gleichstellung Homosexueller, wie sie schon in einigen europäischen Staaten (Spanien, Frankreich, Irland, Niederlanden, …) schon lange als selbstverständlich vollzogen ist, noch weiterhin heraus zu zögern? … Weiß der Geier!