Die Frauen von Amerika

Frauenemanzipation (Quelle: teensleuth.com)

Frauenemanzipation (Quelle: teensleuth.com)

Einst gingen Amerikas Frauen in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts auf die Straße, um für ihre Rechte zu kämpfen. Damals verlieh die Tatsache, dass zu dieser Zeit viele ihrer Männer im Krieg in Europa waren, ihren Forderungen Druck. Es war aber leider nicht Druck genug. In den 60er Jahren waren sie erneut demonstrativ unterwegs, im Besonderen mit den Schwarzen, die unter Martin Luther King um ihre Gleichberechtigung kämpften. Und auch in den 90er Jahren waren sie abermals auf der Straße und sind seitdem viele Kilometer für ihre Gleichberechtigung gelaufen.

Nach all den Jahren und Märschen hat es Wirkung gezeigt. Die Frauen und auch andere Minderheiten wurden für ihre Mühen belohnt und haben heute deutlich mehr Rechte, als noch vor hundert oder gar weniger Jahren. Inzwischen hat die Welt viele Frauen als Staatsoberhäupter und auch Farbige, Migranten und offen lebende Homosexuelle in Amt und Würden gesehen und akzeptiert. Noch vor kurzem wurde die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zum wiederholten Male vom Forbes Magazin nicht ganz zu Unrecht zur mächtigsten Frau der Welt gekürt.

Doch all das und die jüngsten Ereignisse weltweit zeigen einmal mehr, dass man auch für errungene Werte immer fortwährend kämpfen und stets Obacht halten muss, dass diese nicht wieder beschnitten werden. Denn nichts ist selbstverständlich und für die Ewigkeit. An jeder Ecke lauern ewig gestrige und nostalgisch konservative Wegelagerer, die nur auf den günstigen Moment warten, all diese Errungenschaften zu vernichten.

Keine fünf Tage nach der präsidialen Amtsübernahme in Amerika ließ sich der neue amerikanische Präsident Donald Trump medienwirksam vor sechs weiteren männlichen Mitgliedern seines Beraterstabes und Kabinetts dabei ablichten, wie er ein eiligst herbeigeführtes Dekret zur Einführung des Abtreibungsverbotes unterschrieb und damit Millionen von Frauen ein Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper entzog.

Ein Nachrichtenmagazin schrieb dazu: „Es ist so widerlich, dass es weh tut.“ Doch es ist mehr. Es ist erstaunlich, dass es überhaupt so weit kommen konnte, dass überzeugte Demokraten offenbar nicht im Entferntesten daran geglaubt haben, dass solche Populisten so sehr an Macht gewinnen konnten und deswegen gleichgültig, ja geradezu amüsiert den Gang zur Wahlurne unbeachtet verstreichen ließen, in der festen Überzeugung, dass das Schlimmste gar nicht eintreten würde. Das ist jetzt die Quittung dafür. Wer weiß, ob es bald noch eine demokratische Wahl geben wird, wenn schon jetzt beispielsweise Journalisten und Fotografen bei der Amtseinführung von Trump in schon fast neutürkischer Manie willkürlich mit Demonstranten festgenommen werden und ihnen jetzt hohe Strafen wegen vermeintlichem Vandalismus und anderer Delikte drohen?

Die Ära der Lügen, Verschleierungen, der Post- und Alternativfakten ist frech grinsend im Zentrum unserer Gesellschaft angekommen. Aber anstatt erschrocken echauffiert, sollte es für uns alle ein Warnsignal sein, den Rechten keinen weiteren Schritt auf unser aller Terrain mehr zu gewähren. Sie haben es ohnehin schon viel zu weit geschafft.

Nun, nach alledem und besonders der Wahl des rechtskonservativen Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA, resignieren die Frauen Amerikas trotzdem nicht und sind wieder aufgestanden, um gegen ebendiesen Präsidenten zu demonstrieren. Über eine halbe Million Menschen sind allein auf den Straßen Washingtons zusammengekommen. Es sind starke und bewundernswerte Frauen, und sie sind dieses Mal nicht allein. Denn auch in anderen Ländern dieser Welt hat sich nicht nur die feministische Stimme gegen rechts erhoben. Und das macht Mut, gibt Ansporn und lässt hoffen.

Der ehemalige Diktator Adolf Hitler hat gerade mal fünf Monate gebraucht, um nach seiner Wahl zum Reichskanzler den Staat komplett zu einer Diktatur umzubauen. Donald Trump ist seit wenigen Wochen im Amt und hat schon jetzt das Land mit Dekreten seiner ultrarechten Berater und Scharfmacher überschwemmt, die weit über die amerikanischen Grenzen hinaus Wirkung haben und zeigen sollen. Ungeachtet der Mahnungen des freiheitlichen Europas baut der türkische Präsident Erdogan ungeniert seine Alleinherrschaft aus, entlässt willkürlich Tausende von Beamten und inhaftiert Oppositionelle und Journalisten. Und man mag an dem menschlichen Verstand zweifeln, wenn ihn sein Parlament dabei auch noch proaktiv und devot unterstützt. Die Liste dieser Staaten mit herrschsüchtigen Eliten und Einzelpersonen und einem eklatanten Mangel an Freiheit und Menschenrechten lässt sich noch zahlreich fortführen.

 

Trump Anhänger auf der Bühne (Quelle: ibtimes.com)

Trump Anhänger auf der Bühne (Quelle: ibtimes.com)

Bei einem Auftritt Trumps in Florida vor wenigen Tagen bekräftigte der Präsident der USA, der in seinen Reden immer noch im Wahlkampfmodus scheint, seine Intention, die Mauer zu Mexico zu bauen und seine hasserfüllte Haltung gegenüber der Presse, die er neben der Erwähnung eines erfundenen Attentats in Schweden zu den Feinden des Volkes erklärte. Dabei holt er einen heißglühenden Anhänger auf die Bühne, der ihm vor Aufregung und Ergriffenheit tief atmend um den Hals fällt und ein paar gequält huldigende Worte an das Publikum richten darf, während sein Gönner wohlwollend nickt. Der Auftritt wirkt so lächerlich und offensichtlich inszeniert, wie man es sonst nur von den freikirchlichen Massenveranstaltungen her kennt, in denen ganze Stadien ihrer Anhänger hysterisch berauscht sind, wenn vermeintliche Rollstuhlfahrer auf die Bühne gekarrt werden und plötzlich wie von Zauberhand aus ihrem Gefährt aufstehen.

Trumps Chefberater Bannon hat bei einem Auftritt vor konservativen Republikanern schon deutlich gemacht, dass er als vornehmliche Aufgabe sieht, die Medien linientreu auf Kurs zu bringen und sinnierte schon über einen amerikanischen Krieg in fünf bis zehn Jahren im Südchinesischen Meer. Die kürzlich durchgeführte Selektion von Medien bei der Pressekonferenz des Weißen Hauses unterstreicht diese Richtung noch einmal deutlich. Selbst Trumps Parteifreund McCain gibt in einem Statement offen zu bedenken: „So fangen Diktatoren an.“ Der amerikanische Präsident lügt ungeniert, dass sich die Balken biegen, während Mitglieder seines Ministerstabes hektisch in Schadensbegrenzung zu relativieren versuchen. Und man mag es sich nur schwer vorstellen, wie befremdlich es wirken und in der Welt wahrgenommen würde, wenn die Kanzlerin versuche mit Lügen ihre Anhängerschaft zu gewinnen oder Stimmung zu machen, wie es die Rechten in Europa schon längst zu ihrer Methode erklärt haben. Doch wie lange wird das amerikanische Volk noch zuschauen, bevor es endlich eingreift?

Während Männer wieder zu Despoten werden und beginnen, die Welt zu regieren, sie nach ihren Vorstellungen zu verändern und anschließend irgendwann wie kleine Kinder ihr neues Spielzeug zertrümmern und achtlos in die Ecke werfen, sollten alle anderen, und das ist die deutliche Mehrheit der Menschen, nicht schweigen und stattdessen ihre Stimme erheben, bevor sie sie nicht mehr erheben dürfen, und den starken Frauen dieser Welt folgen. Es ist höchste Zeit!