Der Landregen

Blitz, Donner und Sturm (Quelle: pixabay.de "Free-Photos")<br /> Link: https://pixabay.com/photo-768801/

Blitz, Donner und Sturm (Quelle: pixabay.de „Free-Photos“)
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Fauna und Flora ächzen derzeit unter der brütenden Hitze, die uns heimgesucht hat. Doch warum ist das nur so? Trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel gibt es nach wie vor immer noch viele Leute, die sich dieser Tatsache strikt verweigern. Kein geringerer als der amerikanische Präsident hält ihn für Fake News. Doch werden sie alle eines Tages, wie jene steten Leugner des Holocausts auch, für diese Haltung und ihr fatales Handeln zur Verantwortung gezogen? Vorausgesetzt, uns allen bleibt dann noch die Zeit für einen solchen Gerichtsprozess. Nach wie vor werden Verpackungen produziert, die achtlos weggeworfen unsere Meere vergiften und allenfalls dann unangenehm aufstoßen, wenn in ihnen halb verweste Meerestiere beim Baden am Strand von El Arenal oder sonst wo plötzlich ekelhaft und so überaus „iiihhhh“ am Körper kleben. So lange sind sie leider nur ein Tweet in irgendeinem Nachrichtennetzwerk. Massentierhaltung, Glyphosat, Stickoxide, … Die Liste ließe sich endlos weiterführen. Und ein Erwachen ist nicht in Sicht. Da muss man schon eine äußerst trinkfeste Weinkönigin sein, um im fortwährenden Dämmerzustand als Landwirtschaftsministerin all den Frust über die persönlichen Versäumnisse herunterspülen zu können.

Warum der Landregen, der schon jetzt eine solche Erleichterung verheißt, so genannt wird … Keine Ahnung. Und ob er sich dann gen Herbst, wenn er schließlich kommt, nur über das Land oder auch über die Städte und all das von Menschen global gemachte Elend ergießt, ist mir letztendlich egal. Ja, ich gebe zu, ich hab es nicht so mit den Städten. Das Land ist mir lieber. Die fortschreitende Urbanisierung treibt zuweilen Stilblüten eines gesellschaftlichen, vor allem aber konsumorientierten, die Umwelt ignorierenden und daher klimaschädlichen Paradoxons und lässt die Menschen dort in einer fremdartigen Blase leben, also blasiert. Das Land ist in dieser Hinsicht, wie der Name suggeriert, aber leider nur ein klein wenig bodenständiger.

Bei all dieser Entwicklung verwundert es jedoch, dass besonders grüne Politikerinnen und Politiker in ganz Europa, die mit dem Anspruch einer hohen Umweltpolitik angetreten waren, nicht jetzt revolutionärer werden, wie sie es doch einst waren. Dass allenfalls lapidare Statements ins Netz postuliert werden, trägt bestenfalls den bitteren Beigeschmack der eigenen Legitimation und Mandatssicherung in irgendwelchen Parlamenten und Ausschüssen mit sich und kann daher leider nur noch als grüner Gürtel, aber nicht mehr als Lunge der Politik gesehen werden.

 

Regen (Quelle: pixabay.de "WolfBlur")<br /> Link: https://pixabay.com/photo-1479303/

Regen (Quelle: pixabay.de „WolfBlur“)
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Und wenn der Himmel schließlich seine Pforten öffnet und alle Menschen leider nur im ersten Moment erleichtert aufatmen, werden es dann nach diesem endlosen Sommer und der endlosen Glut, wie Meteorologen schon örtlich längere Hochs und Tiefs voraussagen, Sturzfluten sein, die alles mit sich reißen und den langen Sommer schnell vergessen lassen? Felder, ganze Ernten und Landstriche, die in reißenden Flüssen unaufhaltsam gen Meer strömen? Endloser Regen, der wieder ganze Bergkämme löst und Dörfer unter riesigen Schlammlawinen begräbt? Da werden dieses Mal vollgelaufene Keller, Parkhäuser und von Fluten weggerissene Autos, die sich Kilometer weiter oder gar im Jadebusen wiederfinden, und damit materiell vernichtete Existenzen eher das kleinere Übel sein.

Ja, der Klimawandel mag für kleingeistige, aber auch für lobbykratisch reich beschenkte und korrupte, Menschen Fake News oder eine Laune ökologisch verträumter Spaßbremsen des so wundervoll funktionierenden Konsums sein. Aber er wird vor ihnen beiden, wie vor allen anderen auch, keinen Halt machen. Er wird sind von verschlossenen Türen und eindimensional abgeschotteten Köpfen nicht aufhalten lassen. Der Planet wird sich an den Verursachern dieser Katastrohe global rächen.

Und auch jene, die blind wie stupide Gefolgshühner kürzlich erst noch auf Anordnung ihrer vaterländisch völkischen Partei öffentlich den Menschen im Mittelmeer, mit Blick auf deren Flucht vor Folter und Tod, lauthals und ungeniert „Absaufen, Absaufen!“ entgegenskandierten, werden sich in diesen Fluten nach Luft schnappend wiederfinden und einander entsetzt anschauen und fragen: „Merkwödsch, warum hilft uns denn diesmol keenor?“

Ja, so ein Landregen kann auch ein Segen sein und vielleicht auch die berühmte und schon oft besungene „Message FOR a bottle“.