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Abhängen bis zum Ende

Galgen (Quelle: bz-berlin.de)

Galgen (Quelle: bz-berlin.de)

Neulich war zu lesen, dass Simbabwe offenbar schon seit 2010 vergeblich versucht, die Stelle eines Henkers zu besetzen. Über 120 zum Tode verurteilte Häftlinge warten seitdem in den Gefängnissen auf ihre Hinrichtung. Richtigerweise muss man allerdings klarstellen, dass weniger die Häftlinge auf ihre als die Regierung auf deren Exekution wartet.

Nun mag man sich fragen, ob es an der geforderten Hochschulbildung für die ausgeschriebene Position oder an den nicht zwingend vorausgesetzten handwerklichen Fähigkeiten zum Knüpfen eines Knotens liegt, dass diese Stelle nicht besetzt werden kann. Eine spezielle Erfahrung wird nicht einmal erwartet. Was für ein groteskes Szenario: Die von der Judikative verhängten Urteile können von der Exekutive mangels Personal nicht mehr ausgeführt werden. Wird ein Staat durch fehlende Henker also handlungsunfähig? Welch absurde Vorstellung, wenn man das einmal auf alle Nationen dieser Welt, die noch die Todesstrafe praktizieren, projiziert.

Manch ein Kämpfer des IS oder der Boko Haram mag nun vielleicht schon an eine postterroristische Zeit in der Zukunft und der damit verbundenen Alterversorgung denken, was ja nicht ungewöhnlich ist, da jüngst ja bei Überfällen hierzulande die DNA-Spuren inzwischen gealterter RAF-Mitglieder gefunden wurden.

Aber vielleicht liegt es auch daran, dass die Menschen in Simbabwe schon viel weiter sind als die Mitglieder ihrer verschlafenen und ewig gestrigen Regierung um ihren 92-jährigen und möglicherweise noch lebenden Diktator Robert Mugabe und in ihnen inzwischen die weltweit einmütige Erkenntnis reifte, dass die Todesstrafe nicht mehr zeitgemäß und unmenschlich sei.

Angesichts all dessen wird man sich verwundert fragen: Was zum Henker ist da eigentlich los? Den Todeskandidaten in den Gefängnissen Simbabwes bleibt wohl indes nichts anderes übrig, als bis zur Hinrichtung im Knast abzuhängen.

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